The Hunter’s Prayer (Filmkritik)

Lucas (Sam Worthington) ist ein Auftragskiller. Seine Arbeit macht ihm zwar keine Freude – immerhin bekämpft er sein Kriegstrauma und seinen Job mit regelmäßigem Drogenkonsum – jedoch ist er einfach unheimlich gut darin. Als er jedoch von seinem Boss den Auftrag bekommt ein Mädchen namens Ella (Odeya Rush) zu töten, kann er diese Tat nicht ausführen.

Als Ersatz-Killer geschickt werden, rettet er sie stattdessen und gemeinsam flüchten sie. Ein Junkie und ein rebellischer Teenager gegen einen mächtigen Feind, der auch Verbündete im FBI besitzt, das sind nicht gerade die besten Voraussetzungen für die zwei Flüchtenden. Jedoch sollte man verzweifelte Menschen nie unterschätzen, denn sie können durchaus auch über sich hinaus wachsen.

Bereits Ende 2014 begannen die Dreharbeiten zu dieser Verfilmung des Romans „For the Dogs“ des Autors Kevin Wignall aus dem Jahr 2004. Ursprünglich sollte Phillip Noyce (Salt) Regie führen und Hailee Steinfeld (Term Life) die weibliche Hauptrolle spielen, am Ende war es dann aber Jonathan Mostow (Surrogates, Terminator 3), der auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte und Odeya Rush war diejenige, die sich von Produzent Sam Worthington (er war von Anfang an mit dabei) retten hat lassen.

Ein erwachsener Mann, der sich selbst schon längst aufgegeben hat. Eine junge Dame, die mit ihrer Lebenssituation unzufrieden, ihren Platz in der Welt noch nicht gefunden hat. Eine Kombination von zwei unterschiedlichen Menschen dieser Art ist nicht gerade neu, genau so wenig wie das „Killer schützt statt zu töten“ Motiv, jedoch habe ich ja schon zuletzt bei „Lights Out“ erwähnt, dass man nicht immer neue Ideen haben muss, um den Zuschauer fesseln zu können. Es ist oft viel wichtiger Figuren dabei zu haben, die man als echt empfindet und die dann auch so gespielt werden.

Genau das ist der Fall. Ich will damit aber nicht sagen, dass die Action hier nicht funktioniert, denn sogar eine Auto-Verfolgungsjagd ist von den Kameraeinstellungen und der Sicht in der Dunkelheit so gefilmt, dass Spannung aufkommt, obwohl genau solche Momente bei zahlreichen Abenteuern, zu langweiligen, den jeweiligen Film in die Länge ziehenden Streck-Szenen werden. Auch die kurzen aber knackigen Kämpfe und die Schießereien vermitteln eine gewisse Wucht und man erkennt immer was grade abläuft, auch wenn oft geschnitten wird.

Was mir aber am Besten gefallen hat, ist eben die Dynamik und das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren. Klar, er ist für sie wie ein Ersatzvater und sie wie eine Tochter, doch die Beziehung wirkt alles andere als klischeehaft und irgendwie erscheint das alles frisch und ehrlich. Wie gebrochen vor allem Lucas ist sieht man in einer Szene, in der ihn Ella fragt, wie es ist einen Menschen zu töten. Da muss nicht alles zu Tode geredet werden, oft reichen kleine Gesten oder nur kurze Worte. Es gibt ein paar Gänsehaut-Momente zwischen ihnen, da waren die Gefühle richtig greifbar.

Sam Worthington (Hacksaw Ridge) fand ich grundsätzlich schon immer sympathisch, es gibt jedoch einige, die besser spielen können als er. Dachte ich zumindest bis jetzt, denn seinen Lucas spielt er zweifellos überzeugend und vielschichtig. Schon in der allerersten Szene sieht man seine innerliche Zerrissenheit in seinem Gesicht und auch im weiteren Verlauf besticht er durch sein nuanciertes Spiel. Dass er in Action-Momenten brillieren kann, dass ist durch seine zahlreichen Blockbuster der letzten Jahre, sowieso schon bekannt.

Odeya Rush ist mir voriges Jahr erstmals positiv in „Gänsehaut“ aufgefallen und als Ella schafft sie es gekonnt, trotz einiger Fehlentscheidungen ihrer Figur, sympathisch und kämpferisch zu wirken. Sie ist zwar unerfahren und ängstlich, doch in manchen Momenten, ist sie die erwachsenere in der Beziehung. Ich würde in Zukunft auf jeden Fall gerne mehr von ihr sehen. Der restliche Cast kann mit den beiden nicht mithalten und ist auch nicht wirklich wichtig, da es mehr darum geht wie die beiden sich entwickeln, als darum, wie bedrohlich oder charismatisch ihre Gegner sein mögen.

Es gibt schon ein paar Momente, die man als nicht ganz logisch bzw. zu Ende gedacht bezeichnen kann. Die Bedrohung der Familie von Lucas zum Beispiel, die dann im weiteren Verlauf, keine Rolle mehr zu spielen scheint oder die Kampfhund-Szene, die wohl nur zeigen soll, wie böse der Böse doch ist. Insgesamt hatte ich aber keine Erwartungen und wurde positiv überrascht, denn neben der fehlerlosen Technik sind es hier vor allem die zwei Hauptfiguren, denen ich ein gutes Ende und so etwas wie Erlösung gegönnt habe. Es gibt schon genug Filme da draußen, wo dir die Charaktere egal sind, doch dies hier ist eindeutig nicht so einer.

„The Hunter’s Prayer“ bekommt von mir 7,5/10 sich im richtigen Moment für einen totalen Lebenswandel entscheidende Empfehlungspunkte.


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