Term Life (Filmkritik)

Nick Barrow (Vince Vaughn) verdient sein Geld damit, Diebstähle perfekt durchzuplanen und dann seine Pläne an willige Diebe zu verkaufen. Auch bei seinem neuesten Auftrag geht alles glatt, doch werden die Täter am Ende überfallen und umgebracht. Das wiederum lockt Gangsterboss Victor Fuentes (Jordi Mollà) aus seinem Versteck, denn unter den Opfern war auch sein Sohn. Nick kann zwar nichts dafür, aber wie soll er Victor beweisen, dass er seinen Sohn nicht betrogen hat?

Nick schnappt sich daraufhin seine 16 jährige Tochter Cate (Hailee Steinfeld), deren Kindheit er seit der Trennung von seiner Frau nur als geheimer Beobachter erlebt hat und taucht mit ihr gemeinsam unter. Dabei ist das Trotzverhalten eines Teenagers noch sein geringstes Problem, denn neben den Leuten von Victor sind auch der korrupte Detective Keenan (Bill Paxton) und seine Männer in die Sache verwickelt und alle wollen sie scheinbar nur eines und das ist Nick tot zu sehen.

Term Life

„Term Life“, was auf deutsch soviel wie riskantes Leben heißt und ein Ausdruck ist der im Zusammenhang mit Versicherungen verwendet wird, ist die Verfilmung einer Graphic Novel mit dem selben Namen. Regie führte Peter Billingsley, für den dies erst die zweite Arbeit in dieser Funktion ist, nach „All Inclusive“ (ebenfalls mit Vince Vaughn) aus dem Jahr 2009. Bekannt ist er eher als Produzent und Schauspieler – er war zum Beispiel beim ersten Iron Man mit dabei – und hat auch gleich den Regisseur des Eisernen Jon Favreau und Darsteller Terrence Howard für kleine Nebenrollen verpflichten können.

Universal hat ja kurz vor Drehbeginn plötzlich die Produktion gestoppt und ein Monat später wurde sie mit neuen Geldgebern wieder ins Leben zurück geholt. Vince Vaughn hat die letzten Jahre ein schlechtes Händchen bewiesen, was den finanziellen Erfolg seiner Filme betrifft. Zusätzlich ist dann „Term Life“ auch noch ein Film, der sich vom Genre her nicht klar einordnen lässt und es sicherlich schwerer hat als andere Werke, sein Publikum zu finden. Alles schlechte Vorzeichen, die nicht gerade Interesse wecken.

Ich muss sagen ich wurde ganz ordentlich unterhalten. Der Film lebt klar von der Vater-Tochter Dynamik und wie die beiden trotz der anfänglichen Streitigkeiten am Ende erwartungsgemäß zueinander finden. Vince Vaughn (Unfinished Business) als Nick schafft es dabei einerseits abgebrüht zu wirken und mit sarkastischen Lebensweisheiten um sich zu werfen, andererseits erkennt man eindeutig seine Ernsthaftigkeit, die er auf Grund der gefährlichen Situation haben muss und die Liebe zu seiner Tochter, ist trotz seiner manchmal unbeholfenen Art, durchgängig in seinen Augen sichtbar.

Hailee Steinfeld (Barely Lethal) als Cate hat ihren Platz in der Welt noch nicht gefunden, ist durch ihre vaterlose Kindheit und das aktuelle Alkoholproblem ihrer Mutter jedoch nicht zerbrochen, sondern zu einer stärkeren Persönlichkeit geworden. Natürlich macht sie ihrem Alter entsprechende, unüberlegte Dinge und weint oder schmollt wenn sie nicht weiter weiß, doch von der Inszenierung her sind diese Augenblicke so gestaltet, dass gerade dadurch die Bindung von Vater und Tochter wächst, trotz des jeweiligen, oberflächlichen Konflikts. Wie Nick ihr erklärt, wie man einen Raub plant, diese Szene ist dabei einfach bezeichnend und sehr gelungen.

Diese Momente machen den Film aus und könnten auch aus einem familienfreundlichen Abenteuer stammen. Dann sind da aber die Momente, in denen rohe Gewalt und Grausamkeiten vorherrschen. Nicht dass man hier alles sehen muss, im Kontrast zu den eben beschriebenen Szenen, wirken diese Bilder aber einfach ziemlich roh. Vor allem Bill Paxton (Edge of Tomorrow) als korrupter Cop ist dermaßen eiskalt, selbstsüchtig und schleimig, dass man ihn von der ersten Szene an nicht leiden kann. Da wirkt Jordi Mollà (Riddick) als Bösewicht viel subtiler, zusätzlich geht es ihm im Prinzip nur darum, den Tod seines Sohnes zu rächen, was man ja durchaus nachvollziehen kann.

Den Umgang mit diesen Figuren fand ich gut, doch gerade die von Jon Favreau (Kiss the Cook) und Terrence Howard (St. Vincent) gespielten Nebenrollen, wie die aus dem Abenteuer ausgeschieden sind, das fand ich zu kalt und abrupt, da hat mir einfach etwas gefehlt und wenn es nur ein kurzer Blick oder eine Geste gewesen wäre. Gefühle beschränken sich großteils auf die Vater-Tochter Beziehung. Das ist nun per se nicht eine negative Sache, aber für einen Vaughn-Film ist auch sonst ziemlich wenig Humor dabei und Action sucht man abgesehen von kurzen Schießereien und einer Verfolgungsjagd, ebenso vergeblich.

Insgesamt ist dies daher wohl am ehesten ein Vater-Tochter Krimi-Drama, mit schwarzhumorigen Untertönen, die der teilweise doch recht rohen, düsteren Seite dieses Abenteuers, entgegen wirken. Ich verstehe wenn man den Mix hier insgesamt unpassend findet bzw. nichts damit anfangen kann, ich finde jedoch gerade das Haupt-Duo in Kombination wirklich sehr sympathisch, die Chemie stimmt einfach. Dass dies nach seiner Durststrecke endlich wieder mal ein Erfolg werden wird für Vaughn, das halte ich jedoch für sehr unwahrscheinlich.

„Term Life“ bekommt von mir 7/10 das risikoreiche Leben so gut wie möglich auskostende Empfehlungspunkte.


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