64 Minutes: Wettlauf gegen die Zeit – Line of Duty (Filmkritik)

Frank Penny (Aaron Eckhart) ist Cop mit ganzem Herzen. Sein voller Einsatz konnte vor zwei Jahren jedoch nicht den Tod eines kleinen Jungen verhindern. Gerade ist wieder etwas Ruhe in sein Leben eingekehrt, da hört er über Funk, dass aktuell ein Verdächtiger verfolgt wird. Eine wilde Verfolgungsjagd und ein paar Konfrontationen später, ist der Flüchtige tot. Dieser Mann war jedoch die einzige Spur, die zu einem entführten Mädchen führen könnte.

Getrieben von Schuldgefühlen und obwohl er kurzzeitig beurlaubt wurde, macht sich Frank auf eigene Faust an die Spurensuche. Begleitet wird er dabei zunächst eher unfreiwillig von der angehenden Livestream-Reporterin Ava Brooks (Courtney Eaton), die ihm nicht von der Seite weicht. Schnell werden die großen Fernsehsender darauf aufmerksam und schon bald verfolgt das Geschehen ein Millionenpublikum…

Regisseur Steven C. Miller kenne ich durch seine mittelmäßigen bis guten Actionfilm-Premieren für den Heimvideo-Markt (siehe Marauders, Arsenal oder First Kill), mit bekannten Gesichtern wie Bruce Willis, Nicolas Cage oder Sylvester Stallone in den Hauptrollen. Sein neuestes Werk, über das man wie schon bei seinen andern Arbeiten, besser nicht viel nachdenken sollte, ist für mich bis jetzt jedoch sein bester, weil unterhaltsamster Film.

Die ganze Sache lebt von der Dynamik, die durch das Treffen der Generationen erzeugt wird. Der alternde „Rambo-Cop“ mit seinem Drama/Trauma in seiner Vergangenheit und die junge, idealistische Reporterin, der das Vermitteln der puren Wahrheit, das höchste Ziel ist. Auch wenn sie sich zunächst klar auf die Nerven gehen und dann natürlich Respekt bzw. eine Freundschaft zueinander entwickeln, die obligatorische Liebesgeschichte, fällt somit weg.

Wie sich die beiden aufziehen und sich über das generationsbedingte Unwissen des jeweils anderen lustig machen, nun, es macht einfach Spaß ihnen dabei zuzuhören. Ein weiterer Pluspunkt ist die Metaebene im Film, da ja ständig alles mit gefilmt wird und so bei diesem „Film im Film“ gewisse typische Mechaniken – das gegenseitige Beruhigen zum Beispiel, wenn einer der Helden die Hoffnung gerade verliert – eine weitere Ebene erhalten, durch das bewusste Einsetzen dieser Bilder.

Dass es klar um die Unterhaltung geht und es keinen Anspruch auf Realismus gibt, merkt man spätestens, wenn unser Held von einem homosexuellen Muskelprotz, gleich mehrmals durch eine Wand geschmissen wird. Die Schusswechsel und Kämpfe sind aber zügig und dynamisch inszeniert, das habe ich in ähnlichen Produktionen schon viel schlechter gesehen. Ein plus ist auch, dass einem die beiden Helden nicht egal sind, auch wenn sie nicht durchgehend sympathisch sind.

Aaron Eckhart (I, Frankenstein) ist hier auch als Produzent tätig, das heißt er konnte sicher mitreden, was seine Performance betrifft. Die ist dann auch herrlich kantig, ständig muss er Seitenhiebe sein Alter betreffend kontern, bei der Action überzeugt er sowieso und in den emotionalen Momenten wird immer klar, dass er keineswegs unbesiegbar ist. Eher das Gegenteil, bei dem was alles schief geht.

Die Chemie bei Courtney Eaton (Gods of Egypt) und ihm stimmt, denn sie ergänzt mit ihrer trotzigen und aufgeweckten Art und ihrem zu ihm gegenteiligen Stil, in stimmiger Weise die Buddy-Komödien Dynamik. Ben McKenzie (Gotham) hat sichtlich Spaß daran, seinen aufgedrehten Bösewicht mit etwas Overacting zu pushen und was seine Aktionen und Sprüche betrifft, kann ihm in Sachen Coolness, hier keiner das Wasser reichen.

Insgesamt daher ein Film, der witzig und auch spannend ist und mit motivierten Schauspielern für eine gute Zeit sorgt. Mehr will er nicht sein, ist er auch nicht, darum habe ich auch null Anspruch, gewisse Szenen nach Realismus zu zerlegen. Wahrscheinlich ist das sowieso irgendwie eine Satire auf den „always online“ Wahn unserer Gesellschaft, wobei gerade gegen Ende, die Vorteile der Vernetzung aufgezeigt werden. Sorry, den ernsten „Nebenanspruch“, hab ich dem Film einfach so unterstellt.

„Line of Duty“ bekommt von mir 7,5/10 ein gutes, weil reales Bild machende Empfehlungspunkte.


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