Pimped (Filmkritik)

Sarah (Ella Scott Lynch) sitzt wieder einmal in einer Bar. Ihr Kleid ist aufreizend, ihr Blick suchend. Irgendwie will sie gar nicht da sein, jedoch kann sie auch nicht anders. Plötzlich setzt sich Lewis (Benedict Samuel) neben sie und ihre Überlegungen haben eine Ende. Ein langes Gespräch später, landen die beiden schließlich bei Lewis zu Hause.

Die beiden haben Sex, doch plötzlich sieht sie Lewis draußen am Balkon stehen. In Wirklichkeit schläft Sarah gerade mit Lewis Freund Kenneth, die beiden haben einfach von Sarah unbemerkt, die Plätze getauscht. In einer Kurzschlussreaktion reißt sich Sarah los und tötet Kenneth mit einem Golfschläger. Was nun? Die Cops anrufen? Weglaufen? Sich mit Lewis verbünden oder doch eher ihn ebenfalls beseitigen?

„Pimped“ ist nach einem Kurzfilm und der Arbeit an einer Serie, der erste Film von David Barker (er ist hier gleichzeitig auch Drehbuchautor und Produzent). Der Film lockt den Zuschauer auf falsche Fährten und erzeugt eine spannende Konstellation von zwei anziehenden, weil gestörten und nicht alltäglichen Figuren, hinterlässt den Zuschauer am Ende jedoch irgendwie mit einem unbefriedigenden Gefühl.

Hier gleich auch eine SPOILER-Warnung, denn es werden einige vorkommen. Als man Sarah das erste Mal sieht, ist es gar nicht sie, sondern Rachael. Wer Rachael ist? Nun, das wird nie erklärt, sie könnte ebenso die verstorbene Zwillingsschwester von Sarah sein, die ihr immer noch erscheint, sie ist jedoch viel eher eine Manifestation ihrer unerfüllten Bedürfnisse und dunklen Gelüste.

Die Gespräche zwischen den beiden schwanken zwischen spielerisch und angespannt und es ist spannend, die beiden zu beobachten. Dann kommt der charismatische Lewis ins Spiel und der ist ebenso sagen wir mal moralisch ambivalent, glaubt er ist etwas Besseres und hat mit dem Mord an seinem Kumpel, scheinbar so überhaupt kein Problem.

Zwischen Sarah und Lewis entwickelt sich ein Katz und Maus Spiel bei dem man nie genau weiß, wer nun die Fäden in der Hand hat und von wem die Macht ausgeht. Rachael mischt natürlich ebenso mit und gibt Sarah Tips, was sie machen könnte. Das ist durchaus faszinierend auch weil man den sicheren Ausgang dieses Duells, nicht wirklich voraussehen kann.

Das Ende dann – also ich meine eigentlich den Epilog – finde ich dann irgendwie unnötig. Sarah ist „glücklich“ verheiratet und hat eine kleine Tochter. Sie legt sich zu ihr ins Bett und draußen wartet Rachael, bis sie wieder „gebraucht“ wird. Kann man sicherlich cool finden oder interessant, doch irgendwie fühlt sich das Ganze sinnlos an, weil sich Sarah nicht weiter entwickelt hat und auch nicht zu schätzen weiß, was sie eigentlich hat.

Ella Scott Lynch (Enter the Wild) hat sichtlich Spaß daran beide unterschiedlichen Seiten von Sarah zu spielen und es ist immer wieder lustig in ihrem Gesicht nach Hinweisen zu suchen, was sie gerade denkt/plant. Benedict Samuel (The Walk) macht seine Sache ebenso sehr gut, gerade weil er so glatt und abstossend ist und man dennoch immer wieder hören will, ob er sich mit seinen Worten ein weiteres mal aus der Affäre ziehen kann.

Ein kleiner Thriller also, mit einer sich angenehm anders anfühlenden Grundszenerie und zwei interessanten Hauptfiguren, die toll gespielt werden. Ist die Sache zwischen ihnen dann zu Ende, ist jedoch sofort die ganze Luft draußen und irgendwie bleibt für Sarah nur der Stillstand als Alternative zu weiterer Eskalation. Mir hat da einfach etwas gefehlt, vor allem in ihrer Entwicklung.

„Pimped“ bekommt von mir 5,5/10 sich von seiner dunklen Seite schlecht beraten lassende Empfehlungspunkte.


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