The Autopsy of Jane Doe (Filmkritik)

Im Keller eines Hauses, in dem ein paar bizarre Morde stattgefunden haben, wird der Körper einer jungen Frau gefunden. Der zuständige Sheriff kann die Pressearbeit – was die anderen Opfer betrifft – bewältigen, doch bei dieser vorerst unbekannten, als Jane Doe bezeichneten Dame, benötigt er dringend noch diese Nacht Antworten.

Der örtliche Gerichtsmediziner Tommy Tilden (Brian Cox) und sein Sohn Austin (Emile Hirsch) beginnen daher sofort mit der Obduktion. Was sie dabei finden, bringt jedoch statt Antworten nur immer mehr neue Fragen und bald auch die Gewissheit, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

Der norwegische Regisseur und Drehbuchautor André Øvredal, ist vor allem bekannt für sein letztes Werk „Trollhunter“ aus dem Jahr 2010. In seinem ersten englischsprachigen Film geht es nun nach einem kurzen Einstieg, beinahe durchgängig um die titelspendende Autopsie. Natürlich ist dabei die Art wie an der Spannungsschraube gedreht wird nicht neu, jedoch in Kombination mit dem blutigen Grundthema entsteht hier eine unheilvolle Atmosphäre, der man sich nur schwer entziehen kann.

Fetzige Musik, lächelnde Gesichter, eine entstellte Leiche am Tisch. Tommy und Austin haben in ihrem Job schon einiges gesehen, tote Menschen aufzuschneiden und Teile aus ihnen heraus zu holen, ist für sie Alltag. Das wird vermittelt und das ist auch wichtig, denn trotz der expliziten Bilder die man rund um den Körper von Jane Doe sieht, wirkt das Gezeigte (ich nenne es jetzt bewusst nicht Gewalt, es sei denn jemand behauptet bei einer Obduktion wird einer Leiche Gewalt angetan) nie voyeuristisch oder als würde es hier nur um Ekelszenen gehen.

Vielmehr fühlt sich das Ganze wie ein „intimes, dabei aber immer professionelles Arbeitsverhältnis“ an, bei dem die Pathologen stetig mehr über ihr Opfer erfahren wollen. Das wiederum führt zu Donner, flackernden Lichtern und Geräuschen aus dem Radio, was zunächst natürlich nicht ernst genommen wird. Je weiter die beiden mit der Obduktion fortschreiten, desto stärker hat man das Gefühl, dass sich die Schlinge immer enger zieht. Die klaustrophobische Stimmung schreit förmlich „hört auf damit und verschwindet von hier“, doch in Horrorfilmen, sind die Leute eben leider immer schwerhörig.

Zusätzlich ist dann auch noch die Neugierde zu riesig, denn als Zuschauer will man doch auch dass sie weitermachen, um hinter das Geheimnis von Jane Doe zu kommen. Ein paar wohl dosierte und auch durchaus verdiente Jump Scares später, gibt es dann noch ein paar Gemeinheiten, die man sicher auch als Schläge in die Magengrube bezeichnen könnte, auch wenn man sich als Genre-Fan bei ein paar Aktionen sicher ist, was kommen wird bzw. dass das sicherlich noch nicht alles war.

Brian Cox (Forsaken) als Tommy wirkt zunächst wie der ausgleichende Ruhepol, der sich auf seine Erfahrung und seinen logischen Verstand verlassen kann. Als dann aber die Fassade zu bröckeln beginnt merkt man schnell, dass dies alles ist was er hat, um nicht an seinen vergangenen privaten Fehlern zu verzweifeln. Emile Hirsch (Lone Survivor) als Austin fühlt sich ihm gegenüber verpflichtet und stellt bei der Arbeit nicht nur die Frage nach dem „wie“, sondern auch die „warum“ Frage beschäftigt ihn, was seinem Vater unnötig erscheint.

Die zwei machen ihre Sache gut und auch die Vater-Sohn Chemie stimmt. Als erster gecastet wurde jedoch Olwen Kelly als Jane Doe, die sicherlich die forderndste Rolle angenommen hat. Laut Regisseur wurde sie auch deshalb engagiert, weil sie dank Yoga ihren Körper und ihre Atmung gekonnt unter Kontrolle halten kann. Nackt neben ein paar Männern liegen und sich tot stellen, den Schwierigkeitsgrad ihrer Rolle und somit auch ihre Leistung, sollte man keinesfalls unterschätzen.

Insgesamt daher ein Thriller, der die meiste Zeit nur in einem Raum spielt und sich auf zwei Personen und eine Leiche beschränkt, dabei aber niemals langweilig wird. An den Effekten und und den Darstellern, gibt es auch nichts auszusetzen. Das Ende selbst kann man als etwas abrupt bezeichnen und nach dem starken Aufbau, hätte man sich vielleicht auch noch mehr erwartet, aber den Status „erfrischend, spannend und unheimlich“ kann ich diesem Film, keinesfalls absprechen.

„The Autopsy of Jane Doe“ bekommt von mir 7,5/10 mehr Informationen als man verträgt heraus holende Empfehlungspunkte.


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