Forsaken (Filmkritik)

Viele Jahre nachdem er seinen Part im Krieg geleistet hat, kehrt der als schnell ziehender Revolverheld bekannte John Henry Clayton (Kiefer Sutherland), in seine Heimatstadt zurück. Die ersten Worte seines Vaters (Donald Sutherland), nämlich dass seine Mutter verstorben ist, treffen ihn hart. Auch seine große Liebe Mary-Alice Watson (Demi Moore) ist mittlerweile verheiratet und hat einen Sohn.

John sucht trotzdem nach einem Weg der Wiedergutmachung, denn seine Zeit des Tötens, will er endgültig hinter sich lassen. Dass der reiche und skrupellose James McCurdy (Brian Cox) gerade sämtliche Farmer auch mit Waffengewalt von ihren Ländern vertreibt, um diese für seine Machenschaften zu benutzen, macht ihm dabei jedoch einen Strich durch die Rechnung. Kann John den Konflikt friedlich lösen oder greift er doch wieder zu seinem Revolver?

Forsaken

Regisseur Jon Cassa war bei über 60 Folgen von Kiefer Sutherlands Erfolgsserie „24“ für die Regie verantwortlich. Die beiden hatten schon länger die Idee gemeinsam einen Western zu drehen und schließlich wurde daraus ein 20 Millionen Dollar Projekt, bei dem neben seinem Vater Donald, auch noch ein paar weitere Weggefährten von Kiefer´s Karriere eine Rolle bekommen haben. Hollywood hat ja dieser Tage anscheinend den Western (wieder mal) wieder entdeckt, immerhin sind mit The Hateful Eight, Bone Tomahawk und Diablo (um nur ein paar zu nennen) zuletzt einige interessante Projekte erschienen.

Gleich vorweg: die eben genannten Western sind alle innovativer als dieser klar in Richtung Drama gehender Film, doch es gibt auch Teile, die richtig gut funktionieren. Die Geschichte an sich ist altbekannt. Ein Mann sucht (egal wie er es auch nennen mag) Erlösung, möchte seine schlechten Taten wieder gut machen. Er hat bis jetzt immer den Weg der Gewalt gewählt um Gutes zu erreichen, damit aber mehr als einmal auch viel Leid erzeugt. So hätte er wohl auch weiter gemacht, bis zu einem kritischen Erlebnis hin, wo ihm all dies bewusst wurde.

Ein Großteil der Laufzeit beschäftigt sich dann genau damit. Erstens sucht John das Gespräch mit seinem Vater, der als Pastor seine Taten zwar verurteilt, ihn aber nicht aufgegeben hat. Ob und dass er sich geändert hat, dass muss er aber erst noch beweisen. Zweitens nimmt er Kontakt zu seiner früheren Liebsten Mary-Alice auf, schwelgt zwar gerne in Erinnerungen, würde ihre intaktes Familienleben jedoch nicht gefährden. Drittens arbeitet er beinahe ununterbrochen an einem Stück Land, da seine Mutter zu Lebzeiten immer wollte, dass er und sein Vater sich über die gemeinsame Arbeit näher kommen.

Dieser elegische Drama-Teil wird dann immer wieder durch die Anfeindungen der Handlanger von James McCurdy gestört, da diese kontinuierlich Unschuldige vor den Augen von John belästigen und ihn provozieren wollen, damit er seinem ach so berüchtigten Image, doch endlich gerecht wird. Es dauert dann auch bis auf ein paar ganz kurze Ausnahmen bis zum Finale, bis es zu einer für das Genre typischen Schießerei kommt. Bis dahin gibt es viele Gespräche, mehr oder weniger emotionale Geständnisse und einige Stufen zur Selbstfindung zu bewältigen.

Kiefer Sutherland (Dark City) macht seine Sache mit seiner Mischung aus Wut und Trauer in den Augen sehr gut. Es ist klar zu spüren, dass er etwas ändern muss/will in seinem Leben, doch durch die nahe Bedrohung ist es ebenfalls offensichtlich, dass seine früheren Methoden mit Feinden umzugehen, schon bald wieder über seine Hemmschwelle triumphieren werden. Donald Sutherland (Stolz & Vorurteil) als sein Vater strahlt eine gewisse Weisheit aus und ist sehr sympathisch als Mann, dessen Glauben ihm dabei hilft, über die im ersten Augenblick vorherrschende Distanz, wiedererlangte Nähe zu erschaffen.

Allen die Show stiehlt für mich jedoch Michael Wincott (Alien: Resurrection) als Dave Turner, der extra engagierte und somit beste Mann des Bösewichts, der Gewalt nur als Notlösung in Betracht zieht, mit Worten bedrohlicher wirkt als mit einer Waffe und mit seiner Art zu sprechen, viel Wissen und auch Macht ausstrahlt. Dagegen wirken Brian Cox (Mindscape) mit seinem arrogant schleimigen Auftreten und Demi Moore (Flawless) mit ihren in (Botox-) Würde gealterten, schmachtenden Blicken doch einigermaßen blass bzw. wie auf Autopilot spielend.

Was bleibt ist dann im Endeffekt ein Drama im Western-Gewand, mit ein paar starken Performances, schönen Landschaftsaufnahmen, klassisch anmutender Filmmusik und einem versöhnlichen Ende (nicht zu verwechseln mit einem Happy End). Ein sehr routiniert wirkendes Werk und wenn ich Kiefer nicht grundsätzlich mögen würde könnte ich glauben, dass er sich hiermit ein kleines Alt-Herren Denkmal setzen wollte. Wer das Genre also mag und nicht unbedingt nach viel Action sucht, der kann ruhig einen Blick riskieren.

„Forsaken“ bekommt von mir 6/10 die selben Mittel für einen anderen Weg verwendende Empfehlungspunkte.


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