Flawless – Ein tadelloses Verbrechen (Filmkritik)

Bei London Diamonds hat einer der größten Juwelenraube aller Zeiten stattgefunden. Sämtliche Diamanten, seien es geschliffene oder Rohdiamanten, wurden gestohlen. Geschätzter Wert: 100 Millionen Dollar. Um nicht ihren Ruf zu verlieren willigt London Diamonds ein, die Lösegeldforderung im Gegenwert der Diamanten zu bezahlen. Währenddessen, wird fieberhaft nach Schuldigen gesucht. Da wäre zum einen der leicht gehbehinderte Mr. Hobbs (Michael Caine), sowie die auffällig nervös erscheinende Laura Quinn (Demi Moore).

Flawless

Ein Film den ich mir mit recht geringen Erwartungen ansah und daher auch angenehm von der Qualität des Films überrascht war. Regie führte Michael Radford – der für seinen Film „Il Postinio“ eine Oscar-Nominierung bekam. Das Drehbuch stammt von Edward Anderson – einem eher unbeschriebenen Blatt.

Anderson siedelt seinen Film zu einer Zeit an, in der das Thema Blutdiamanten aus Süd-Afrika an Bedeutung gewinnt und zeigt auch kurz eine Revolte von Minen-Arbeitern, die aber brutal niedergeschlagen wird. Es soll verdeutlichen, wie verdorben London Diamonds wirklich ist und sorgt dafür, dass man als Zuseher so gar kein Mitleid mit den Bestohlenen hat.

Wie ich auf diesen Film kam? Ein kurzer Blick auf Demi Moores (The Jonses) Filme in letzter Zeit lies mich auf „Flawless“ aufmerksam werden. Meine Neugier, ob Moore neben ihrem durch diverse Schönheitsop’s „aufgehübschten“ Körper auch noch was anderes zu bieten hat, lies mich hier zur DVD greifen. Man sieht sie mit schicker Fönfrisur über den Bildschirm stöckeln und man kann sich durchaus vorstellen, sie wäre in den 1960er Jahren zu Hause gewesen. Damals wollte man von Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau noch nichts hören und so ist Laura Quinn bei der Beförderung schon mehr als einmal unrechtmäßig übergangen worden. Und gerade deshalb vermuten die Ermittler, dass sie einen gewissen (vor allem für den Zuseher leicht nachvollziehbaren) Groll gegen London Diamonds hegt.

An ihrer Seite spielt Michal Caine, der mit Mr Hobbs eine scheinbar sehr harmlose Figur spielt, die aber, wie man erfährt, ihr eigenes Süppchen kocht. Michael Caine (The Dark Knight Rises) spielte wie eigentlich immer sehr souverän und ließ hier wieder einmal seinen Charme und seine Klasse aufblitzen. Ich mag den Mann einfach, denn er strahlt Stil und Charisma aus und schafft es schon durch seine bloße Präsenz einen Film aufzuwerten. Man kann ihn gar nicht nicht mögen.

Der Film spielt in den sechziger Jahren in London und wirkt sehr authentisch. Es amüsiert einen, wenn man sieht, mit welchen Methoden früher Tresore überwacht wurden, oder welchen Knochenjob die Ermittler in einer Zeit ohne Internet und Co leisten mussten. Man hat beinahe Mitleid wenn man sieht, mit welchem hohen Zeitaufwand die Recherchen verbunden waren.

Der Zuseher wird von Anfang an in den Plan rund um den Juwelenraub eingeweiht. Laura Quinn bekommt trotz ihrer vorangegangenen Kaltschnäuzigkeit bei der Planung des Coups schnell kalte Füße und setzt alles daran, herauszufinden, warum und und vor allem wie der ältliche, hinkende Mr Hobbs entgegen der vorherigen Absprache gleich alle Diamanten gestohlen hat. Allem voran aber will sie wissen, wie er die Edelsteine gestohlen hat (da ist man als Zuseher auch sehr neugierig darauf) und wo er die Klunker versteckt hat, deren Gewicht insgesamt immerhin mehrere Tonnen beträgt. Viel Gewicht für den guten Mr. Hobbs – meiner Meinung nach eine Schwachstelle, denn wie will der gute Mann mehrere Tonnen SPOILER den Abfluss runter gespült haben? Verstopft ein Rohr nicht irgendwann einmal wenn man es mit Diamanten vollstopft? Reicht Wasser um das Rohr durchzuspülen und die Diamanten im Kanal landen zu lassen? SPOILER ENDE Schließlich hatte der gute Mann nicht mehrere Tage Zeit sondern weniger als einen Tag.

Von der Leichtigkeit her, mit der der Stoff vorgetragen wird, fühlt er sich wie einer der Filme aus der „Ocean“- Reihe an, und man wird angenehm amüsiert nach ca 105 Minuten entlassen. Auch der Jazz-angehauchte Score trug seinen Teil dazu bei. Die Auflösung, was schließlich mit den Diamanten passiert ist, lässt es einem warm ums Herz werden.

Fazit: Wer gewitzte Gaunerfilme mag, hat hier einen guten Film gefunden. Das Setting in der Vergangenheit bringt etwas Schwung in die Sache und bewahrt den Film davor, allzusehr in ein Klischee abzurutschen.

Dieser Film bekommt 6,5/10 nicht ganz lupenreine Empfehlungspunkte.


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