Revenge Porn – My Daugther’s Disgrace (Filmkritik)

Peyton Harris (Tiera Skovbye) macht einen Fehler. Sie lässt ihren Freund Oben-ohne Fotos von sich machen. Sie fühlt sich nicht großartig dabei und eigentlich überredet er sie dazu. Kurz: Sie macht das nur aus Liebe zu ihm.

Allerdings dauert es nicht lange und die Beziehung endet – kurz darauf finden sich die Bilder in diversen Online-Medien wieder und auch eine Internetseite mit dem Namen exmyex.com zeigt die Bildchen ohne Wenn und Aber. Was auch völlig klar ist: Alle Welt (sprich: die Schule) spricht von diesen Bildern, denn sie wurden auch per Mail an alle Leute, die Peyton kennt ausgeschickt (inklusive ihrer Eltern). Peytons Leben ist damit quasi zerstört.

Mama Peyton (Elisabeth Röhm) lässt das nicht auf ihrer Tochter sitzen, sondern geht zur Polizei. Die kann aber nichts tun, weil es kein Rechtsmittel dagegen gibt und somit bleibt nichts anderes als sich selbst Gerechtigkeit zu verschaffen …

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Grundsätzlich gibt es ja ein paar Möglichkeiten, wie man sich einem Thema wie diesem zuwendet. Die Tatsache, dass so genannter „Revenge Porn“ rechtlich nicht unbedingt verboten ist, macht die Sache nämlich verdammt heikel. So ist es zB in den USA so, dass wenn Person A Bilder von Person B auf einen Server zur öffentlichen Begutachtung hochlädt, nur dann wieder entfernt werden kann, wenn Person B nachweisen kann, dass sie es ist, die auf dem Bild vorkommt und erst dann kann die Entfernung des Bildes rechtlich erzwungen werden. Wie es John Oliver in seiner Show so schön formuliert: „Um ein Bild, das seinen nackten Körper zeigt vom Internet entfernen zu lassen, muss man Bilder von seinem nackten Körper an einen fremden Sachbearbeiter schicken, damit dieser feststellen kann, dass man das wirklich ist.“ Paradoxe Sache und absolut unverständlich, aber das Rechtssystem ist nicht immer einfach.

Eine Lektion, die auch Peyton und ihre Mutter in „Revenge Porn“ oder „My Daughter’s Disgrace“ lernen müssen. An sich ja guter Stoff für einen Thriller, der die in diesem Fall nicht nachvollziehbare (bzw. nicht existierende) Handhabe der rechtsstaatlichen Institutionen aufzeigen möchte. Nur ist es im Fall von diesem Film leider so, dass es sich um eine Produktion für das Fernsehen handelt und dies hier bedeutet, es wurde an allen Ecken und Enden gespart.

Das Srkipt von Kendall Clark ist an sich gut, da gibt es einige Teile, die wirklich Potential haben, als Thriller zu funktionieren, auch wenn es auf das Klischee des „nett wirkenden Soziopathen“ zurückgreift. Allerdings wirkt die Inszenierung mehr als würde man sich einen Lehrfilm ansehen, der von Laien gemacht wurde. Das fängt bei den hölzernen Darstellungen der Schauspieler an und hört bei der Inszenierung und dem Schnitt in den einzelnen Szenen auf. Die deutsche Elisabeth Röhm (Joy oder Mega Shark vs Mecha Shark) gibt sich alle Mühe, aber leider funktioniert ihre „beschützende Mutterrolle“ leider über weite Strecken in meinen Augen nicht so ganz. Ob das jetzt daran liegt, wie die Rolle geschrieben wurde, oder ob das Schauspiel daran Schuld trägt, kann ich nicht einmal beurteilen und es macht auch keinen Unterschied. Ich zumindest konnte ihre Beweggründe kognitiv gut nachvollziehen, aber emotional berührt hat mich die Sache nicht.

Gleiches gilt für die betroffene Filmtochter, gespielt von Tiers Skovbye (Even Lambs Have Teeth), die mich keine Sekunde lang gefesselt hat. Ihre Foto-Session mit ihrem Freund wird so inszeniert, dass man fast glauben könnte, hier fände ein Model-Shooting statt. Da bewegen wir uns inszenatorisch und schauspielerisch auf dem Level eines Soft-Pornos ohne dabei die gleiche Menge an nackter Haut zu sehen zu bekommen. Während das bei einem Genre-Film vielleicht über die fehlende Emotion hinwegtäuschen kann, so wirkt es hier einfach wirklich so, als würde man einen Plot-Point zusehen, in welchen die Leute vor der Kamera das machen, weil es halt im Drehbuch steht. Emotion: Null.

Das gilt auch für den restlichen Film, der dann natürlich in einer dramatischen Entführung endet und sogar einen Zweikampf einbaut, der dann – wie überraschend – noch dazu so schlecht gespielt und geschnitten wurde, dass es wirkt, als würde ein Mensch gegen ein CGI-Monster kämpfen (wenn ihr wisst, wie ich das meine). Dieser typische Eindruck, dass Person A sich nur im Kopf vorstellen kann, wo sie hinschlagen muss, etc, das kommt hier sogar bei einem Kampf zwischen zwei echten Menschen vor, die sich gegenüberstehen … spannend. Ich wusste nicht, dass sowas überhaupt möglich ist.

Als Lehrfilm für Teenager vielleicht brauchbar und vielleicht ist das sogar die Zielgruppe, aber als Thriller oder ernst gemeinter Film um einen Abend vor dem TV zu verbringen leider unbrauchbar. Da sind wir (zum Glück) mittlerweile allesamt was Besseres gewohnt. Und das TV-Filme nicht schlecht sein müssen haben ja zB bereits „Blue Eyed Butcher“ oder „Lizzie Borden Took An Ax“ bewiesen.

Da die ganze Chose von „The Asylum“ produziert wurde, sollte das aber auch nicht weiter wundern, wobei sogar die schon bessere Filme produziert haben. Die sollen bei Creature-Features bleiben, da macht das alles Spaß. Bei solch einem ernsten Thema finde ich es eher schlimm, wenn man so amateurhaft vorgeht.

„Revenge Porn“ bekommt von mir 4 von 10 möglichen, leider in allen Fällen von System im Stich gelassen wordene, Punkte.


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