99 Homes – Stadt ohne Gewissen (Filmkritik)

Für den Bauarbeiter und alleinerziehenden Vater Dennis Nash (Andrew Garfield) ist es der schlimmste Tag seines Lebens. Gemeinsam mit seiner Mutter Lynn (Laura Dern) und seinem Sohn Connor (Noah Lomax) wird er aus seinem eigenen Haus geworfen. In seiner Not und um sein Heim zurückzubekommen beginnt Dennis für genau den Mann zu arbeiten, der ihn ursprünglich auf die Straße gesetzt hat – den Immobilienmakler Mike Carver (Michael Shannon).

99 Homes

Regie und Drehbuch bei diesem Film stammen von dem Amerikaner Ramin Bahrani. Der nimmt sich an dieser Stelle eines (nicht mehr ganz) aktuellen Problems an. Banken leihen einem Hausbesitzer Geld für Renovierungen oder neue Annehmlichkeiten, um im Anschluss die Kreditraten so lange zu erhöhen, bis der besagte Hausbesitzer nicht mehr zahlen kann und in weiterer Folge das Haus verliert.

Bahrani lässt den Anfang aus und springt gleich zum unschönen Ende der Geschichte. In den ersten Minuten erlebt der Zuschauer wie Dennis Nash sein eigenes Haus räumen muss. Er und seine Familie bekommen nur ein paar Minuten, um das Nötigste einzupacken. Der Rest wird von den Arbeitern des Immobilienmaklers einfach vor die Tür gestellt.

Das Ganze wird, wie das meiste in dieser Geschichte, mit einer dynamischen Optik inszeniert, wodurch der Eindruck einer Dokumentation entsteht. Im Laufe der weiteren Geschichte wird dann einiges klar. Einerseits ist der Handel mit geräumten Immobilien ein hartes Geschäft. Hart insofern, da jedes geräumte Haus ein paar zerstörte Existenzen mit sich bringt.

Andererseits ist der Immobilienmakler nicht das Problem. Auch wenn der von Michael Shannon gespielte Mike Carver keine sympathische Person ist, ist der dennoch nicht die Person die das Problem verursacht. Carver und seine Leute heben lediglich die Scherben auf. Wenn der dann erzählt er würde eigentlich lieber etwas anderes machen, ist das gut nachvollziehbar.

Michael Shannon (Man of Steel) spielt die Rolle erstklassig. Als Carver sind ihm die Schicksale derer, die er auf die Straße setzt gleichgültig (aber ich nehme an das müssen sie auch wenn man so einen Job hat). Dennoch schafft man es hier und da diesem Charakter eine nachvollziehbare menschliche Seite zu verleihen.

Auf der anderen Seite ist Andrew Garfield (The Amazing Spider-Man) als Dennis Nash. Nash beginnt aus der puren Not heraus für Carver zu arbeiten. Carver nimmt Nash unter seine Fittiche und so beginnt Nash im Laufe der weiteren Geschichte, in die Fußstapfen seines neuen Bosses zu treten. Garfield spielt die Rolle prinzipiell großartig, wirkt aber trotz seines aktuellen Alters von zweiunddreißig Jahren deutlich zu jung für die Rolle.

Die Geschichte ist über weite Teile gut, verliert aber deutlich im letzten Drittel. Das Ende gibt dann ebenfalls enttäuschend wenig her. Hier kommt deutlich das Gefühl auf, Bahrani wären die guten Ideen ausgegangen.

Alles in allem ist „99 Homes“ eine interessanter Film und eine noch interessantere Charakterstudie. Die beiden Hauptdarsteller sind beide hervorragend und können in ihren jeweiligen Rollen überzeugen. Einziges Manko ist der letzte Teil der Geschichte inklusive dem Ende, das leider etwas planlos wirkt.

Der Film „99 Homes“ bekommt 7/10 das eigene Heim verlierende Empfehlungspunkte.

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