Wicked Blood (Filmkritik)

Es sieht nicht rosig aus was die Zukunft von Hannah (Abigail Breslin) betrifft. Ihre Eltern sind tot, Onkel Frank (Sean Bean) ist der gefürchtetste Gangsterboss in der Gegend, Onkel Donny (Lew Temple) ist drogensüchtig und gleichzeitig auch ihr Vormund und ihre große Schwester Amber (Alexa Vega) ist zu sehr mit ihren eigenen Problemen und Liebschaften beschäftigt, als dass sie Zeit für sie hätte.

Doch Hannah hat einen Plan. Nachdem sie für Frank zu arbeiten begonnen hat und kleinere Lieferungen übernimmt, lernt sie den Biker Bill (James Purefoy) kennen, der zufällig auch noch Ambers neuer Freund ist. Er könnte die Rettung bedeuten für Hannah und ihre Liebsten, um nicht irgendwann als Drogentote irgendwo in der Gosse zu landen. Pech nur, dass man Frank normalerweise nur los wird, wenn man selbst in einem Leichensack abtransportiert wird.

Wicked Blood

Mit diesem Thriller/Drama meldet sich Regisseur und Drehbuchautor Mark Young vier Jahre nach seinem letzten Werk „The Killing Jar“ zurück. Wie bei seinem vorigen Film fällt dabei auf, dass er für B-Movie Verhältnisse einen sehr interessanten Cast zusammengestellt hat und dieser sich auch großteils in bester Spiellaune präsentiert. Leider war wohl deshalb kein Geld mehr für die Explosionen/Feuereffekte übrig, denn die sind fast durchgehend klar als CGI erkennbar.

Der Film selbst ist aus der Sicht von Hannah erzählt und dreht sich somit auch rund um ihre trostlose Situation, die musikalisch und mit einigen Kameraeinstellungen, sehr gekonnt eingefangen wird. Dabei wird schnell klar, dass sie entweder aufgibt und völlig in die Welt rund um sich eintaucht, oder einen Weg findet, doch noch mehr aus ihrem Leben zu machen. Dass ihre Methoden nicht nur gefährlich sondern langsam aber sicher auch radikaler werden, versteht sich dabei beinahe schon von selbst.

Die Handlung lässt sich viel Zeit, um die Figuren vorzustellen, ihre Beweggründe und ihre Beziehungen zueinander zu ergründen, wobei neben den klar guten und bösen Charakteren, doch auch einige mit Grauschattierungen unterwegs sind. Man sollte sich übrigens nicht vom Trailer täuschen lassen, dies ist vor allem ein Drama mit vielen Dialogen und nur wenigen, vor allem kurzen Actionszenen und trotz der brutalen Grundstimmung, wird fast völlig darauf verzichtet, übermäßig viel Gewalt zu zeigen.

Abigail Breslin („Haunter„, „The Call„) setzt hiermit ihre Serie von starken Auftritten fort und empfiehlt sich somit auch weiterhin als mögliche werdende Hollywood-Leading Lady. Ihre coole Art, wie sie hier ihre Emotionen überspielt und sie dann doch wieder wie einen Schlag ins Gesicht auf ihr Gegenüber loslässt, ist einfach sympathisch. Auch ihre inneren Monologe, wo sie Weisheiten aus ihrem Lieblingsspiel Schach als Metapher für ihren Master-Plan her nimmt, sind smart und sie verleiht diesen Aussagen eine Weisheit, die weit über ihr Alter hinaus geht.

James Purefoy („Solomon Kane„, „Ironclad„) als Bill hat zwar eine einschüchternde Aura, es wird aber schnell klar, dass er im Grunde ein guter Kerl ist. Die Rolle verlangt zwar nicht viel von ihm, doch er macht seine Sache gut, was man von Sean Bean („Cleanskin„, „Black Death„) nicht behaupten kann. Gut, den eiskalten, für seine Geschäfte auch über verwandte Leichen gehenden Gangster kann er natürlich auch im Halbschlaf spielen, aber ein wenig mehr Enthusiasmus bei der Sache, hätte seine Rolle sicher weniger beliebig gemacht.

Lew Temple („Unstoppable„, „The Lone Ranger„) hingegen, brilliert vor allem in den Momenten, in denen er auf seinen Drogentrips wild durch die Gegend hüpft und ist wirklich komisch/tragisch, wenn er dann versucht sich zusammen zu reissen bzw. von seiner Sucht weg zu kommen, das aber natürlich nicht hinbekommt. Alexa Vega („Machete Kills„, „Spy Kids„) ist die zickige große Schwester, was natürlich auch nur ihr Weg ist, sich vor weiteren emotionalen Verletzungen zu schützen. Jake Busey („Cross„) als wirklich ekliger Schlägertyp, rundet den starken Cast ab.

Insgesamt ein Film, der vor allem wegen seiner Hauptdarstellerin spannend ist und weil einfach einige Dinge vor und hinter der Kamera, gut zusammen passen. Wer keine großen Überraschungen sucht und Lust auf einen ruhigen Thriller hat, mit nachvollziehbaren Charakteren, der gut gemacht ist und nicht auf billige Schauwerte setzt, der ist hier richtig. Für Zwischendurch also eine Empfehlung nicht zuletzt deshalb, um sich noch mehr von Breslins Talent überzeugen zu lassen.

„Wicked Blood“ bekommt von mir 6,5/10 den schwarzen Schafen der Familie den Kampf ansagende Empfehlungspunkte.

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