Best Of Worst Case: In der Gewalt der Riesenameisen – Empire Of The Ants (Filmkritik)

Marylin Fryser (Joan Collins) will unbedingt reich werden. Also plant sie, das auf einer Insel gelegene Dreamland Shore an einfältige Käufer zu verscherbeln. Zu diesem Zwecke lädt sie zu einer Tour ein. Dan Stokely (Robert Lansing) bringt die illustre Gesellschaft zur Insel und allem Anschein nach läuft ja alles eh ganz gut. Davon abgesehen, dass viele der Gäste nicht minder unsympatisch sind wie Marylin selbst.

Natürlich geht etwas schief. Denn auf der Insel lebt (scheinbar verursacht durch Sondermüll) eine Kolonie von Ameisen, die wirklich, wirklich groß geworden sind. Und die mögen die Eindringlinge so gar nicht …

1977 war das Jahr in dem „Empire Of The Ants“ veröffentlicht wurde und es war auch das Jahr in welchem „Kingdom Of The Spiders“ rauskam. Den letztgenannten dürften unter dem Titel „Mörderspinnen“ viele kennen, zumal auch Captain Kirk, eher bekannt unter seinem richtigen Namen William Shatner, mitspielte. Und das Ende war ein Hammer. Ich krieg heute noch Gänsehaut, wenn ich nur dran denke.

„Empire Of The Ants“ kam also im gleichen Jahr und hörte bei uns auf den Namen „In der Gewalt der Riesenameisen“. Allein an den beiden eingedeutschen Titeln kann man schon sehen, welcher Film in welche Kerbe schlägt. Zwar ist auch „Mörderspinnen“ vermutlich nicht das, was man einen Blockbuster nennen würde, aber es klingt zumindest nach einem Film den man erst nehmen kann. Während „In der Gewalt der Riesenameisen“ eher nach einem Exploitation-Film mit viel nackter Haut, schlimmen Dialogen, grottigen Effekten und literweise Kunstblut klingt. Nun, tja. Das mit den Dialogen und den grottigen Effekten stimmt. Wer nackte Tatsachen sucht oder viel Gore, der oder die ist hier falsch.

Tatsächlich versucht sich der Film ernst zu geben, was er durch eine etwas längere Phase der Charaktervorstellung macht, damit wir auch sicher mit den Protagonistinnen und Protagonisten mitleiden. Spannend dabei, dass der Charakter den Joan Collins spielt, zwar mehr oder weniger die Hauptrolle einnimmt, tatsächlich sind die Helden aber (wie üblich) die Herren in der Geschichte. Nämlich Dan, gespielt von Robert Lansing, und Joe, gespielt von John David Carson. Aber das macht nichts. Immerhin kommt eine Szene vor, die ich super fand, in welcher ein Lüstling mit Geld denkt, er könnte eine der Damen rumbekommen. Nun ja, er bekommt was. Aber nicht, was er erwartet.

Jedenfalls ist die Geschichte um die Riesenameisen dann doch ernster gemeint als man erwarten würde, was jedoch nicht bedeutet, dass auch nur annähernd so etwas wie Spannung aufkommt. Ja, es werden nicht alle Charaktere das Ende des Films erleben, aber so richtig jucken tut das dann doch niemand (von einem Charakter abgesehen). Emotionale Einbindung, irgendwer? Fehlanzeige.

Dafür merkt man ein paar andere Dinge: Allen voran, dass Joan Collins (wenn sie mal auf aus heutiger Sicht schrecklicher Frisuren verzichtet) eine bildhübsche Frau war. Das steht außer Frage. Sie kann sogar spielen, wenn sie will.

Nummer zwei: Die Wackelkamera ist keine Erfindung der Neuzeit. Auch 1977 war es schon so, dass man bei Angriffen der Monster lieber viel wackelte und den Eindruck erweckte, dass sich da was tut, anstatt eine Bildsprache zu wählen, die auch wirklich zeigt was passiert. Hatte sicher (wie auch heute oftmals) seine Gründe im Budget.

Nummer Drei: Auch damals hat man bereits Filme gedreht, bei welchem es völlig egal war, ob die Kontinuität gewahrt bleibt. Da hat man eine Gruppe um ein Lagerfeuer sitzen, dann gibt es eine Nahaufnahme (mit Wand im Hintergund) und dann schneidet man zurück und die Person sitzt woanders. Passt nicht zusammen. Fällt auf. Juckt nur niemand.

Nummer Vier: Zumindest bemühte man sich, die zusammenkopierten Bilder zu einem großen Teil zu kaschieren und wenn man jetzt mal drüber nachdenkt, dann hat das vermutlich ohne höhere Auflösung früher vielleicht sogar gut ausgesehen. Heute nicht mehr. Auch wenn viele Aufnahmen der Ameisen wirklich beeindruckend sind. Angst machen sie nicht. Realistisch sehen die zusammenkopierten Bilder auch nicht aus.

Nummer Fünf: Man kam mit wirklich irren Stories schon vor den 80igern durch. Ich sag nur: Ameisen. Indoktrinierte Kleinstadt. Arbeit in einer Fabrik, die Zucker abbaut. Ameisen, die nach Pfeifen der Werkspfeife schön brav in die Fabrik pilgern. Muss man gesehen haben, um es zu glauben (oder auch nicht).

Wäre das alles besser gemacht, dann hätte es aufgrund seiner absolut durchgeknallten Story sicher Kultpotential. So hat der Film zwar auch dieses Potential, aber eher weil man nicht packt, wie schlecht hier alles gemacht ist. Zugegeben: Es ist nicht so schlimm, dass es keinen Spaß macht, sich den Film anzusehen. Allerdings aus den falschen Gründen.

Regisseur Bert I. Gorden haben wir übrigens auch so tolle Streifen wie „Earth vs The Spider“ oder „The Amazing Colossal Man“ oder „Attack Of The Puppet People“ zu verdanken. Wenn ich das mal so nennen darf. Und mit H. G. Wells hat das ganze hier (wie der Film euch suggerieren möchte) genau nichts zu tun.

„In der Gewalt der Riesenameisen“ bekommt von mir 5,5 von 10 möglichen, leider nicht so großartig witzig seiend wie man sich das bei einem Titel dieses Namens erhofft, Punkte.

Best Of Worst-Case-Urteil (Trash-Faktor: Drehbuch, Schauspiel, Effekte):

Schlechte Effekte, wenig Blut, viel Wackelkamera und Schauspiel, welches man zum großen Teil 1977 vermutlich noch so nannte, machen den Film eher langweilig. Wenn nicht die Dialoge so schrecklich dumm-schön wären wie sie sind („I know you all think I just watched as she died.“ – „Why would we think that?“ – Schweigen, sich selbst verratend habender Blick), die Szenen nicht so albern („I will never leave Dreamland!“), die Anschlussfehler nicht so witzig und der „ernste“ Storytwist nicht so absolut irre. Weit enternt von spannend, aber interessant.

Fazit: Spannungsarm, hat aber irgendwie was. Wäre besser, wenn die Ameisenpuppen öfter vorkommen würden.


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