Best Of Worst Case: PG: Psycho Goreman (Filmkritik)

Mimi (Nita-Josee Hanna) und Luke (Owen Myre) sind Geschwister. Er ist der nette, zurückhaltende, sie ist die überdrehte, abgehobene und durchgeknallte (nicht im netten Sinne) Schwester. An ihrem Bruder lässt sie kein gutes Haar und eigentlich ist sie grundsätzlich ein bisschen ein Tyrann. Und mit ein bisschen meine ich: zu 100%. Sie lässt sich von niemanden herumkommandieren, schon gar nicht von ihren Eltern. Die Mutter (Alexis Kara Hancey) ist ein wenig hilflos, liebt ihre beiden Kinder aber. Und der Vater Greg (Adam Brooks) sieht sich als potentielles Opfer von #metoo, in dem Sinne, dass er die Möglichkeit für etwas verantwortlich gemacht zu werden als Ausrede nimmt, einfach nichts zu tun. Nämlich gar nichts. Weder im Haushalt, noch in der Erziehung, noch sonstwo.

Alles ändert sich (haha, genau), als Mimi und Luke einen Edelstein finden, der sich als Kontrollinstrument für ein uraltes, universelles Böses herausstellt. Natürlich erwacht dieses Übel und fängt gleich mal an, die Menschen in nächster Nähe zu dezimieren. Aber es hat die Rechnung nicht mit Mimi gemacht, denn als die Kleine entdeckt, dass sie den Dämon mit dem Edelstein kontrollieren kann, prallen Welten aufeinander. Und kurz gefasst: Mimi gewinnt.

Aber nicht nur Mimi und ihre Familie bemerken, dass da etwas im Busch ist, sondern auch der gelaktische Rat, der den Dämon damals verbannt hat. Und jetzt, wo er wieder erwacht ist, gilt es einzuschreiten und ihn ein für allemal zu stoppen. Vielleicht auch mit Methoden, die genauso bestialisch sind wie seine, aber hey – immerhin macht man es aus der richtigen Motivation heraus.

Als ich den Trailer gesehen habe war mir klar: Diesen Film muss ich mir ansehen und jede Sekunde davon genießen. Wie oft kommt es im Jahr 2021 vor, dass man mit hirnloser Freude einen Film gucken kann, dessen Hauptfiguren eine tyrannische Minderjährige und ein uralter Dämon, der die Welt vernichten will, sind. Das ganz noch dazu in einer Machart, die an die besten „guilty pleasure“-Momente aus güldenen Power-Rangers Zeiten erinnert? Eben. Wirtschaftlich gerechnet dürfte es diesen Film überhaupt nicht geben.

Regisseur und Drehbuchautor Steven Kostanski („The Void„) hat sich wohl einen Traum mit diesem Film hier erfüllt und ich gestehe es gleich vorab: Wer so eine Prämisse auf diese Art und Weise umsetzt, der hat bei mir schon mal aus Prinzip gewonnen. Und tja, der Film hat einige Schwächen, keine Frage. Die sind sogar offensichtlich, aber wenn hier jemand mit so viel Liebe zur Sache geht, dann schau ich da einfach drüber hinweg.

Fangen wir mit den Schwächen an: Die Figur der Mimi ist grenzwertig. Die Kleine ist einfach der Prototyp eines Kindes, welchem wohl viele einfach gern den Hintern versohlen würden. Man kann es drehen und wenden wie man will: Die Kleine ist ein Übel. Eine kleine Wurzel des Bösen inmitten der Welt. Die Inkarnation des Egoismus, wenn man so will. Sie. Sie. Sie. Nichts anderes zählt. Und natürlich gibt es am Ende ein Szene, die zeigen soll, dass sie im tiefsten (Ab)Grunde ihres Herzens ihre Familie liebt, nur: Ich habe es keine Sekunde lang geglaubt. Die Kleine ist einfach „das Böse“. Wehe, wenn die mal erwachsen wird und so etwas wie „Macht“ bekommt.

Wer also mit dieser Figur ein Problem hat, der oder die wird diesen Film hier entweder hassen oder schlichtweg nicht aushalten. Kann ich verstehen. Aber wen soll man den sonst einem Dämon gegenüberstellen, der andere mit einem Gedankengang zerfetzen kann? Eben. Psycho Goreman, oder PG, wie er mehr oder weniger liebevoll genannt wird, ist das ultimative Böse. Und trotzdem wirkt er neben Mimi eigentlich sympathisch, weil im Gegensatz zu ihr, hat er ein klares Motiv, klare Beweggründe und klare Ziele. Mimi ist einfach nur aus Prinzip eine Tyrannin. Da ist ziemlich rasch klar zu wem man eigentlich in Wahrheit hält.

Die Familie rund um das Geschwisterpaar ist mehr oder weniger die Erklärung, warum Mimi ist, wie sie ist. Vater und Mutter scheitern beide kläglich. Der eine weil er sich nicht bemüht und die andere, weil ihre Bemühungen vergeblich sind. Dass Sohn Luke dabei der einzige ist, den man als Zuseher:in mögen kann, ist da schon irgend wie klar. Und dass dieser Sohn Albträume hoch drei hat (ja, die sieht man im Film) ist auch absolut nachzuvollziehen (sucht mal Parallelen zu den Besten, die im Traum auf ihn zukriechen und seiner Familie).

Auch das Drehbuch hat einige Schwächen, teils weil man sich zu lange auf Witzen ausruht und teils, weil Witze auf der Meta-Ebene doch irgendwie konterkariert werden sollten. Wie schon bei anderen Filmen erwähnt: Wenn ich mich darüber lustig mache, dass in solchen Szenen in solchen Filmen immer zu viel gelabert wird, dann ist das witzig, aber das legitimiert nicht, dass ich es dann genauso mache. Dann muss ich diese Erwartung selbst brechen (James Gunn zB beherrscht das meisterhaft). Auch eine der Actionszenen in der Mitte ist einfach nicht kreativ genug. Da treffen völlig abstruse Figuren aufeinander und alles was passiert ist mehr oder weniger ein Faustkampf. Schade.

Trotzdem: Die Stärken des Films überwiegen für mich klar, denn die pyhsischen, praktischen Effekte sind eine Augenweide. Die Brutalität des Films ist extrem, aber durch die klar als Masken und Gummi zu erkennenden Utensilien halt primär witzig und lustig anstatt abschreckend und eklig. Und wenn man sich mal an das Humor-Tempo gewöhnt hat (großartig die Szene als PG mit Greg telepathisch Kontakt aufnimmt, während dieser am WC sitzt), dann sind auch viele der Witze wirklich witzig.

Mein Lieblingsmoment ist allerdings, als die Liebe siegt. Denn „Thank you for teaching me the power of love.“, wie es so schön gesagt wird. Mit dem Zusatz: „I will now use this power to destroy the galaxy. Das nennt man dann halt einfach konsequent.

„PG: Psycho Goreman“ bekommt von mir, also klare Zielgruppe, 9 von 10 Punkten.

Best of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: Effekte, Story):

Viele gute Ideen, super Figuren-Design, altbackene und deswegen grandiose Effekte, witzige Momente, ein ziemlich cooler Antiheld (der immer, wenn er eine Backstory erzählen will, unterbrochen wird) und die richtige Menge an comichafter Brutalität, schaffen es für mich über die Schwächen im Drehbuch und die (je nach Ansicht) nervigen Figuren hinweg doch eine Menge an Unterhaltung zu bieten. Wenn man weiß, worauf man sich einlässt.

Fazit: Die Welt braucht mehr solche Filme.


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