Snake Eyes: G.I. Joe Origins (Filmkritik)

Als Kind musste er mit erleben, wie sein Vater ermordet wurde und jetzt als Erwachsener, bestimmt noch immer die Rache an dem dafür verantwortlichen Mann sein Leben. Deshalb führt der als Snake Eyes (Henry Golding) bekannte Mann auch ein Leben im Untergrund und arbeitet für die Yakuza. Als er jedoch für seine Arbeitgeber seinen Kollegen und Freund Tommy (Andrew Koji) töten soll, lehnt er sich auf.

Gemeinsam flüchten sie daraufhin nach Japan, wo sich Tommys Dojo befindet und dieser möchte, dass Snake auch zukünftig an seiner Seite weilt, als seine rechte Hand. Dafür muss er jedoch eine dreiteilige Aufnahmeprüfung bestehen, die vielen bereits das Leben gekostet hat. Snake nimmt die Herausforderung an, doch nebenbei verfolgt er seine eigenen Ziele, was den Erfolg bei seinen Prüfungen, eindeutig sabotieren könnte.

Wenn Spielzeug-Figuren zum Leben erweckt werden, dann sollte das Endergebnis wohl vor allem eines tun und das ist Spaß machen. Das taten die beiden ersten Verfilmungen der G.I.Joe Actionfiguren von Hasbro auch (auf einer „Guilty Pleasure“ Ebene), auf „Geheimauftrag Cobra“ aus dem Jahr 2009, folgte 2013 „Die Abrechnung„. Aktuell war es Zeit für ein berüchtigtes Reboot, um genau zu sein sollte es sich hier um den Start eines zusammenhängenden Universums diverser Hasbro-Titel handeln (wie etwa M.A.S.K. oder Micronauts).

Ja, alle wollen sie irgendwie den Erfolg des MCU kopieren. Dafür hat man sich für eine Entstehungsgeschichte entschieden, eine sogenannte Origin-Story, um genau zu sein geht es um die Geschichte rund um den niemals sprechenden und genau so selten seine Rüstung abnehmenden Ninja Snake Eyes. Regie führte der Deutsche Robert Schwentke, der sich mit R.E.D., R.I.P.D. oder The Time Traveler´s Wife einen Namen als Garant für oberflächliche Blockbuster-Kost gemacht hat und mit seinen Verfilmungen der Divergent Fortsetzungen Insurgent und Allegiant dafür gesorgt hat, dass niemals der zweite Teil des zweigeteilten Finales der Trilogie, das Licht der Filmwelt erblickte.

So viel mal vorab und als Info, um die Erwartungen etwas tiefer anzusiedeln. Achja, noch etwas, der Film gilt als Box Office Bombe aka als Flop – was ich in Covid 19 Kinozeiten mit all den zeitgleichen Veröffentlichungen auf Streaming-Diensten und den damit erweiterten Sichtweisen, was den finanziellen Erfolg angeht – so nur sehr selten richtig wahrgenommen habe. Kann man über den Film selbst nun auch nur Negatives berichten?

Nun wenn ich schon beim adjustieren der Erwartung bin, dann mache ich gleich damit weiter. Dies ist die Geschichte von zwei Männern und ihr Weg hin zu den ikonischen Figuren Snake Eyes und Storm Shadow. Fast alle anderen Figuren (bis auf eine) sind zweitrangig bzw. eben nur dabei. Ich mag Samara Weaving (Guns Akimbo) sehr gerne und auch als Scarlett macht sie einen coolen, vor allem schlagfertigen Eindruck.

Ähnlich wie Úrsula Corberó (Haus des Geldes) als Baroness werden beide Damen jedoch nur eingeführt (wohl für weitere Filme im gemeinsamen Universum), haben fast nichts zu tun und dabei nur eine minimale Screentime. Wirklich schade ist es dann gleich noch viel mehr, wenn man Iko Uwais (The Raid 2) als Hard Master hat und Peter Mensah (Scorpion King: Book of Souls) als Blind Master und beide ebenso so gut wie gar nicht nutzt. Aber gut, vielleicht ging es auch dabei nur um das Einführen bekannter Figuren.

Dann bleibe ich gleich mal bei den Darstellern. Henry Golding (The Gentlemen) habe ich bisher noch nie gesehen, doch eines beschreibt ihn sicherlich nicht und zwar die Worte, mit denen man Snake Eyes beschreiben würde. Besonnen, überlegt, als Ninja so gut wie jedem Feind überlegen. Jetzt muss man schon festhalten, dass er hier noch jünger ist und man nicht genau weiß, wie viel Zeit zwischen den Ereignissen hier und dem Zeitpunkt, zu dem er zu der Person wird, die wir in den vorigen Filmen kennen gelernt haben, vergangen ist.

Dennoch, das ist schon ein ziemlicher Unterschied, auch wenn ich Golding durchaus sympathisch finde. Tragischer und weit mehr innerlich (und weniger plakativ) zerrissen, ist Andrew Koji (Warrior) als Tommy. Treu seinem Clan gegenüber, scheitert er an der aufgestauten Wut, die Rückschläge und Angriffe seiner Feinde, in ihm auslösen. Die Story hier ist schon klar sein Abstieg vom ehrenwerten Krieger, während Snake endlich die Gedanken an Rache ablegen kann und innerlich sein Zentrum findet.

Diese Dynamik zwischen beiden und das Zusammenspiel, ergeben dann auch den stärksten Reiz hier. Haruka Abe (Cruella) als Akiko darf man dabei ebenfalls nicht vergessen, denn sie ist das Bindeglied zwischen beiden Männern. Früher war sie selbst Außenseiterin, heute kümmert sie sich um die Sicherheit des Clans, ist dabei Snake gegenüber sehr skeptisch, empfindet jedoch Sympathie für ihn und sieht seinen Schmerz, während Tommys Abstieg an ihr etwas vorüber geht.

Die Action an sich ist fetzig, genau wie die Farbgebung, doch teilweise etwas verschnitten und insgesamt ist jetzt nichts dabei, was man anderswo nicht schon (noch) besser gesehen hätte. Was im Vergleich mit den beiden Vorgängern fast völlig weggelassen wurde, das ist der Humor. Das passt zur tragischen Ebene des Filmes, jedoch wäre ein (absichtlicher) Lacher bei der einen oder anderen Szene, sicherlich nicht schlecht gewesen.

Auch wenn man nicht den Anspruch hat Blockbuster ganz einfach für das zu zerlegen, was sie sind, kann man hier also einiges aussetzen. Schwentke ist für mich einfach auch viel mehr ein Handwerker und keiner, der bei Filmen seine Vision verwirklichen möchte. Dafür ist dieser klar asiatische Schwerpunkt für eine amerikanische Produktion in der Covid Zeit mit all dem Hass gegenüber bestimmten Menschengruppen, doch sehr erfrischend. Oder eine Huldigung an den Zeitgeist politisch korrekter Produktionen. Seht es einfach wie ihr wollt.

Ja, man hat hier durchaus seinen Spaß und sogar eine gewisse Tragik ist dabei und er fühlt sich die meiste Zeit über sehr anders an, als die beiden ersten Filme aus diesem Universum. Der Weltaufbau ist mir jedoch ein wenig zu plakativ und durch (noch) mehr Training, hätte man wohl bei den Martial Arts Szenen, nicht so viel schneiden müssen. Dennoch, wirklich ärgern über verschenktes Potential wie etwa zuletzt bei Infinite, musste ich mich nie. Wie gesagt, die gute alte Erwartungshaltung eben.

„Snake Eyes“ bekommt von mir 6,5/10 die innere Ruhe nicht unbedingt anstrebende, doch letztendlich findende Empfehlungspunkte.


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