Guns Akimbo (Filmkritik)

In einer alternativen Version der Zukunft, gibt es eine kriminelle Organisation, die mit einem Untergrund-Kampfclub namens Skizm, das große Geld verdient. Der gewöhnliche Computer-Programmierer Miles (Daniel Radcliffe) hingegen holt sich seine Kicks, indem er sich in seinen Augen falsch verhaltende Menschen im Internet bloß stellt.

Als Reaktion wird er kurz darauf vom Gründer von Skizm aufgesucht, betäubt und als er danach wieder erwacht, sind zwei Pistolen jeweils an seine Hände geschraubt/genagelt. Er wurde hiermit offiziell für Skizm angemeldet und er soll dabei Nix (Samara Weaving) eliminieren, die tödlichste Spielerin von allen. Miles braucht um zu überleben einen Plan und zwar schnell…

Nach „Deathgasm“ ist dies erst der zweite Film als Regisseur vom Visual Effects Experten Jason Lei Howden (The Avengers, Man of Steel) und auch das Drehbuch stammt aus seiner Feder. Was daraus geworden ist? Nun ein schräger, lustiger und ziemlich stylisher Film, der trotz all der visuellen Schauwerte es schafft, dass einem die beiden Hauptfiguren nie egal sind, ja sogar richtig sympathisch werden.

Zuerst mal wird hier Situationskomik groß geschrieben. Die Auswirkungen, die an den Händen angeschraubte Pistolen auf den Alltag haben, das bekommt man gleich mehrfach zu sehen. Es gibt schon einen Grund warum Miles eine ganz schöne Zeit lang über seiner Unterhose keine Jeans trägt und „im Stehen Pinkeln“, nun sagen wir mal, das ist Nervenkitzel pur.

Dann kommt die Action hinzu. Vor allem wenn Nix aufräumt, dann ist das eine visuelle Freude und man fühlt sich mehr als einmal, an ein konstant Adrenalin förderndes Computerspiel erinnert. Dabei passen die schnellen Schnitte (von denen ich nicht immer ein Freund bin) und auch die wilden Kamera-Schwenks unterstützen den Achterbahn-Charakter der Inszenierung.

Zum Durchatmen gibt es immer wieder ruhigere, sowohl lustige als auch resignierende Momente für Miles und den Zuschauer, so dass man sich nie erschlagen vorkommt, von all dem Wirbel. Wenn man auf diese Art von überdrehtem Spaß steht (alle Anderen machen wohl sowieso einen weiten Bogen drum herum) dann ist das sogar klar ein Film, den man sich immer wieder ansehen kann/will.

Daniel Radcliffe (Victor Frankenstein) hat bei mir spätestens seit „Swiss Army Man“ sowieso gewonnen und es freut mich sehr, dass er auch weiterhin seinen ungewöhnlichen Rollen treu bleibt. Als Miles ist er so herrlich gewöhnlich – ein typischer Verlierer für viele seiner Mitmenschen – dass es umso mehr Freude macht, wenn er endlich auch mal aufdrehen kann. Und glaubt mir, er wird nie zum Übermenschen, er bleibt immer seinem Charakter treu.

Die zweite im Bunde ist Samara Weaving und sie ist für mich nach The Babysitter, Mayhem und Ready or Not sowieso schon eine der aktuellen Genre-Größen, was Horror/Action/Thriller betrifft. Als Nix ist sie zynisch und eiskalt, doch lernt man im Laufe der Zeit auch die Gründe kennen, warum sie so geworden ist. Großes Trauma, danach bist du eben nicht mehr die selbe. Gerade dieser kurze Blick hinter ihre Fassade, macht sie dann um einiges vielschichtiger.

Was soll ich noch sagen: wie man schön lesen kann, wurde ich bestens unterhalten. Hier passt für mich der Humor, die Action, die beiden großartigen Hauptdarsteller und auch das Ende ist konsequent und macht Lust auf mehr. Perfekt zum Abschalten und den Alltag einmal für kurze Zeit völlig hinter sich zu lassen. Danke dafür Mister Radcliffe/Mrs Weaving, hoffe man sieht sich bald wieder.

P.S.: Nach meinen Ausflügen mit erzwungen coolen und gewollt feministischen „Heldinnen“ (hallo Charlies Angels und Black Christmas, ja, ich habe euch bereits wieder verdrängt) bin ich mit Nix nun wieder versöhnt worden mit modernen Actionheldinnen. Nein, sie trägt keine sexy Kleidung und braucht auch nie die Hilfe eines Mannes, doch ihr jubelt man einfach zu, auch weil sie keinen Hass auf Männer ausstrahlt.

„Guns Akimbo“ bekommt von mir 9/10 die helfenden Hände sämtliche Konflikte gewalttätig lösen lassende Empfehlungspunkte.


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