Ready or Not (Filmkritik)

Angst hat sie zwar, doch die Freude überwiegt. In wenigen Augenblicken wird Grace (Samara Weaving) ihren Freund Alex Le Domas (Mark O’Brien) heiraten und somit ein Mitglied einer unheimlich reichen Dynastie werden. Trotz ein paar seltsamen Familienmitgliedern und diversen kleineren Anfeindungen, verläuft die Hochzeit schließlich nach Plan.

Als sich Grace ihrer Hochzeitsnacht widmen will erfährt sie jedoch, dass sie zuvor an einem Spiel teilnehmen muss. Das ist seit Jahrhunderten Tradition und jeder Neuzugang im Clan der Domas, muss diese Zeremonie mitmachen. Grace zögert nicht, spielt mit und zieht aus einer ganz speziellen alten Box eine Karte, auf der Hide and Seek (Verstecken Spielen) steht…

Was die beiden Regisseure Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett (Southbound) hier mit wenig Aufwand auf die Beine gestellt haben, ist bitterböse Satire und unterhaltsames Genrekino zugleich und vermittelt Frauenpower so natürlich wie schon lange nicht (das hat Hollywood in krampfhaften „Post Hashtag metoo“ Zeiten, scheinbar etwas verlernt). Das wundert natürlich Niemanden, denn in Horrorfilmen gab es immer schon starke Damen.

Kein Wunder dass unter anderem Guillermo del Toro und Stephen King ihre Wertschätzung für das Projekt öffentlich verkündet haben. Ich fang dann auch gleich mit Samara Weaving an, die nach The Babysitter und Mayhem wieder mal beweist, dass sie in diesem Genre zu Hause ist. Als plötzlich Jagt auf sie gemacht wird ist ihr zunächst alles zu viel, doch ihre Peiniger zerren einfach so lange an ihren Nerven, bis es ihr reicht.

Somit wächst sie nicht wie das normale Finalgirl über sich hinaus, sondern wird einfach unheimlich wütend, weil hier scheinbar alle völlig irre sind. Mit alle sind die lieben Reichen gemeint, ein sehr schönes wenn auch billiges (haha, Ironie) Feindbild, doch irgendwo haben alle Klischees ihren wahren Kern. Wie die dann umgehen mit ihrem Leben außerhalb der Norm, bei dem vertuschte Morde kein Problem sind und auch Kinder schon eingeweiht werden in die blutigen Familientraditionen, das ist herrlich ignorant.

Man hätte das Geschehen auch leicht so aufziehen können, dass möglichst kreative Morde im Mittelpunkt stehen, doch man konzentriert sich lieber auf die Figuren. Auch wird Grace nie zur Superfrau, selbst wenn sie ausflippt. Innerhalb dieser Atmosphäre ist es dann sogar möglich, dem von Adam Brody (Shazam) gespielten, alkoholsüchtigen Schwager von Grace, so etwas wie ein besseres Ende als den übrigen Domas Mitgliedern zu wünschen.

Neben den nie inflationär eingesetzten Gewaltspitzen ist es dann vor allem das Finale, dass sozusagen ganze Räume mit Blut tränkt. Das kann man auf Grund des „Over the Top“ Charmes des Szenarios durchaus übertrieben finden, ich finde es jedoch sehr stimmig und zusätzlich noch äußerst zufrieden stellend. Natürlich kommt neben dem Horror auch der Spaß nie zu kurz, was hier in einer stimmig ineinander fließenden Form geschafft wird und neben der Grundsituation von Charakteren wie der von Drogen aufgedrehten und ziemlich schusseligen Melanie Scrofano (Wolves) – mit der Rolle der Emelie hatte sie sichtlich ihre Freude – noch verstärkt wird.

Was soll ich noch sagen: Unangenehm, witzig, zum Ärgern, Kopfschütteln und richtig breit Grinsen. Horror-Komödien sind somit nicht tot, zumindest solange sie so viele Emotionen abdecken und gut durchdacht und gespielt sind, wie es hier der Fall ist. Was dies dadurch jedoch nicht ist, ist ein rein auf Geschwindigkeit setzender Partyfilm. Wer den nämlich erwartet, der wird wohl enttäuscht sein. Samara Weaving macht ja als Nächstes als Bösewicht in „Guns Akimbo“ Jagt auf Daniel Radcliffe, das wird ein klarer Fixtermin für mich.

„Ready or Not“ bekommt von mir 7,5/10 der Braut Hochzeiten für immer abgewöhnende Empfehlungspunkte.


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