Hard Target 2 (Filmkritik)

Nachdem der professionelle Kämpfer Wes Baylor (Scott Adkins) bei einem Titelkampf seinen besten Freund tödlich verletzt hat, flüchtet er samt seinen Depressionen und Selbstvorwürfen nach Thailand. Dort finanziert er seinen Alkohol- und Tablettenkonsum mit Schaukämpfen im Untergrund, bei denen er immer als Gewinner hervorgeht. Bei einem Fight mit gehobenen Klientel, spricht ihn eines Tages ein Mann namens Aldrich (Robert Knepper) an.

Baylor bekommt ein verlockendes Angebot und daher lässt er sich auf einen vermeintlich letzten Kampf ein, der ihn in den Dschungel führt. Aldrich hat jedoch ganz andere Pläne, leitet er doch eine sehr spezielle Gesellschaft für Superreiche wie die eiskalte Sofia (Rhone Mitra), die gerne Jagd auf Menschen machen. Abgesichert durch den örtlichen General, der natürlich bestochen wurde, soll Wes nun das nächste Opfer sein.

Hard Target 2

Bereits vor über zwanzig Jahren durfte Jean-Claude Van Damme in John Woo´s Hard Target – bis heute einer meiner Lieblingsfilme von ihm – aus seinen Jägern die Gejagten machen. Ich habe zwar keine Ahnung warum nach so langer Zeit eine Fortsetzung nötig war, doch Regisseur Roel Reine ist ein Profi wenn es um ebensolche geht. The Marine 2, Death Race 2 und Death Race: Inferno, The Scorpion King 3 oder 12 Rounds: Reloaded und noch ein paar mehr stammen von ihm. Leider haben diese Filme trotz schwankenden Unterhaltungswert fast immer eines gemeinsam: sie sind mehr oder weniger deutlich schwächer als das Original.

Was Hard Target 2 betrifft, nun der hätte wohl besser funktioniert, wenn er einen anderen Titel bekommen hätte und zwangsläufig in meinem Kopf keine Verbindung mit dem ersten Teil entstanden wäre. Außer dass die Thematik ähnlich ist, ist nun nämlich alles anders. Kein absichtlicher Humor, keine Satire oder zum Schmunzeln anregende überspitzte Sequenzen. Man nehme zusätzlich einen farblosen Helden und Bösewichte, die allesamt entweder arrogante, selbstgerechte oder feige (manche vereinen auch alle drei Attribute in ihrem Charakter) Kotzbrocken sind, fertig ist die unwürdige Fortsetzung.

Der Höhepunkt für mich ist dann die verpatzte Hommage an John Woo und seine Liebe zu Tauben, die gerne mal in Zeitlupen bei Explosionen oder Schießereien durch das Bild fliegen. Als Baylor erstmals in Thailand aufwacht, da fand ich sie noch ok. Aber im Finale. Ja, das Finale. Da fehlte nur noch, dass er über einen der Vögel drüber stolpert oder ihm einer ins Gesicht fliegt, dann würde diese Szene so wirken, als wäre sie eins zu eins aus einem dämlichen Spoof-Film ohne jeglichen Niveau heraus kopiert.

Dass Adkins kämpfen kann, daran habe ich schon lange keine Zweifel mehr. Leider können seine Mistreiter mit seinen Fähigkeiten nicht mithalten und daher wirken einige der Fights zu sehr choreographiert bzw. einstudiert. Er hält sich offensichtlich zurück, um nicht sofort zu gewinnen, was bei einem Kampf gegen Rhona Mitra besonders auffällt. Dafür wird die geniale Thailänderin JeeJa Yanin, Hauptfigur ihrer eigenen Martial Arts Filme (Chocolate) in ihrer Heimat, in einem kurzen Gruppenkampf am Schluss verschwendet. Die gewählte Kulisse hingegen – der Dschungel ist wunderschön und bedrohlich zugleich – wirkt exotisch und bietet einige Schauwerte.

Scott Adkins finde ich noch immer super in seiner besten Rolle als Yuri Boyka in den Undisputed Filmen, von denen auch bald der vierte Teil mit ihm erscheinen soll. Seine physische Stärke und seine Fähigkeiten sind ebenso beeindruckend. Er ist jedoch ein Schauspieler, der einen Regisseur braucht, der auch was das Spielen betrifft, das Beste aus ihm heraus holt und das kann Roel Reine nun mal nicht. Somit ist er zwar nicht schlecht als Antiheld, jedoch kann er mit seiner Performance keinerlei Akzente setzen.

Robert Knepper (Hitman) ist ja mit negativen Rollen bestens vertraut und was er als Aldrich so von sich gibt, das tut schon einigermaßen weh. Diese „Geld ist Macht und ich bin der Beste und ich kontrolliere dein Leben“ Mentalität, die zelebriert er dermaßen, dass man den Kerl einfach hassen muss. Auch Rhona Mitra (Underworld: Ryse of the Lycans) ist eine von sich selbst überzeugte, zynische Mistschlampe (sorry wegen der Ausdrucksweise, aber das beschreibt sie nun mal am Genauesten) und deshalb ist ihr erwartungsgemäß gewaltsames Ableben durchaus ein Ereignis, das man sich herbeisehnt.

Insgesamt daher leider ein Film, den man sich höchstens wegen einem der Hauptdarsteller ansieht und dann zu der Gewissheit kommt, dass man alle schon in besseren Produktionen gesehen hat. Alles riecht hier nach Auftragsarbeit, Highlights gibt es keine und spannend ist die Sache eindeutig auch nicht wirklich. Es gibt jedoch auch klar schlechtere Beiträge im Action-Genre, doch leider hatte ich dank des Namens eben immer den ersten Teil vor meinen Augen und so gesehen ist dieser Film ganzheitlich eine Enttäuschung.

„Hard Target 2“ bekommt von mir 4,5/10 vor allem im Bereich der unfreiwilligen Komik sein Ziel sicher treffende Empfehlungspunkte.


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