Harte Ziele – Hard Target (Filmkritik)

In New Orleans organisiert der skrupellose Geschäftsmann Emil Fouchon (Lance Henriksen) gemeinsam mit seinem eiskalten besten Mann Pik van Cleef (Arnold Vosloo) Treibjagden für gelangweilte Reiche. Dabei werden jedoch keine Tiere gejagt, sondern meist obdachlose Menschen ohne Angehörige sind das Ziel. Doch aktuell ist ihnen ein Fehler unterlaufen, denn Natasha (Yancy Butler) sucht nach ihrem vermissten Vater und stellt lästige Fragen.

Im Normalfall wäre Natasha für Fouchon nur ein kleines Problem, das schnell und effektiv beseitigt gehört, wenn sie nicht den arbeitslosen Seemann Chance Boudreaux (Jean-Claude Van Damme) dafür bezahlen würde, ihr bei ihrer Suche zu helfen. Der hat nicht nur einen scharfen Spürsinn und kennt die richtigen Leute, er ist auch dank seiner militärischen Vergangenheit, nicht gerade leicht auszuschalten. Und ja, das ist noch eine ziemliche Untertreibung.

Hard Target

Im Jahr 1993 entstand unter der Regie von Hong Kong Action-Legende John Woo (Mission Impossible 2) der erste große amerikanische Film, der jemals von einem chinesischen Regisseur gedreht wurde. Die verantwortlichen Universal Studios waren deshalb so nervös, dass sie Sam Raimi als Produzenten engagiert haben, um das Projekt zu überwachen und um notfalls einspringen zu können für Woo, sollte dieser scheitern. Echte Probleme gab es jedoch nur mit der Rating-Agentur, denn Woo musste dutzende Schnitte vornehmen, bevor der das für das US-Kino nötige R-Rating bekommen hatte.

Das Drehbuch stammt von Chuck Pfarrer, der in einem Cameo-Auftritt auch die Rolle des verschollenen Vaters der Hauptdame mimt, und basiert auf dem Film „The Most Dangerous Game“ von 1932, der wiederum die Verfilmung der Kurzgeschichte aus dem Jahr 1924 war. Woo wollte ursprünglich ja Kurt Russell für die Hauptrolle haben, doch der hatte wegen anderen Rollen gerade keine Zeit. Deshalb wurde schließlich Jean-Claude Van Damme – die erste Wahl des Studios – als Held verpflichtet. Eine perfekte Wahl, denn bis heute ist dies einer der besten Filme des belgischen Action-Helden.

Warum das so ist, nun da kommen einige Faktoren zusammen. Die gesamte Inszenierung ist darauf hin getrimmt, Van Damme irgendwo zwischen cool und drei bis vier Stufen drüber, in Szene zu setzen. Unterstützt von zahlreichen gezielt eingesetzten Zeitlupen, einem zeitweise an Western erinnernden Score und den unglaublich vielsagenden Blicken des Helden, erzeugt der Gesamtmix regelmäßig und auch bei wiederholter Sichtung immer wieder einen ganz bestimmten Satz in meinem Kopf: „Wie lächerlich cool ist denn das bitte?“. Und dann kommt da noch die Frisur dazu. Irgendwie tragen seine einzigartigen langen Haare (zumindest kenne ich sonst keinen Film mit ihm und einer solchen Haarpracht) einiges zum Kultstatus dieses Filmes bei.

Bezeichnend für all die gelungenen, jeden Anspruch auf Realitätsnähe verworfen habenden Action-Szenen, finde ich die Sequenz, in der Van Damme ein brennendes Holzstück, mit dem er gerade geschlagen worden wäre, einfach mit der Hand festhält (ja, er greift somit mitten ins Feuer). Denn er ist wütend und Menschen die er mochte, wurde Leid zugefügt. Darum tut ihm diese Aktion auch nicht weh und verletzt wird er dadurch auch nicht. Ja, so einer ist unser Jean und dafür lieben wir ihn. Kein Wunder dass Woo mehr körperlich anspruchsvollere Szenen eingebaut hat, nachdem er sehen konnte, dass sein Hauptdarsteller physisch dafür bereit war.

Jean-Claude Van Damme steuert ja mittlerweile auch schon auf seinen 60er zu und hat mir zuletzt sehr gut gefallen mit seinem ironischen Ausflug in Welcome to the Jungle und seinem irren Bösewicht in Enemies Closer, mit dem er sich sozusagen zurück zu seinen Filmwurzeln besonnen hat. Als Chance ist vor allem körperlich eine Wucht, darstellerisch hat er sich in den kommenden Jahren um einiges verbessert, doch das ist hier völlig egal, sein reduziertes Spiel unterstützt sogar dieses allgegenwärtige „das war jetzt fast zu übercool, aber es hat ziemlich Spass gemacht“ Feeling, dass beinahe jede Szene mit ihm ausstrahlt.

Yancy Butler (Lake Placid vs Anaconda) als Dame in Not kann so unglaublich schön ihre Augen in Bewunderung und Erstaunen aufreissen und dabei Van Damme anstrahlen, dass es eine echte Freude ist. Lance Henriksen (Stung) als Oberschurke Fouchon ist herrlich überheblich und wirkt auf seine „jeden Moment könnte er völlig ausflippen“ Art ziemlich bedrohlich. Er hat sichtlich (wie eigentlich alle hier) ziemliche Freude an seiner Rolle, genau wie Arnold Vosloo (Die Mumie) als sein Handlanger, der seiner sadistischen Ader freien Lauf lässt, in entscheidenden Momenten aber durchaus überlegter handeln würde als sein Boss.

Insgesamt daher der perfekte Film, um sich zurück zu lehnen, eine Flasche Bier zu öffnen und sich an dem Geschehen zu erfreuen. Natürlich ist das Grundthema ernst und wenn man darüber nachdenken würde auch Menschen verachtend, doch auf dieser Ebene funktioniert der Film eben nicht, sondern genau so, wie es eben die 90er Jahre von ihm verlangt haben. Für mich persönlich eindeutig einer der besten Van Damme Filme überhaupt, da er so gekonnt überspitzt und gerade deshalb so bezeichnend zeigt, warum man die Filme des Belgiers als Action-Freund gerne sieht. Im Jahr 2016 kommt nun übrigens eine Fortsetzung mit Scott Adkins in der Hauptrolle für den Heimkino-Markt heraus. Leider ist bei der der Spassfaktor um einiges geringer.

„Harte Ziele“ bekommt von mir 8/10 das Ziel für Gerechtigkeit zu sorgen, nie aus den Augen verlierende Empfehlungspunkte.


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