Kill´Em All (Filmkritik)

Nach einer großen Schießerei, bei der einige Leute sterben, werden ein paar Überlebende ins Krankenhaus gebracht. Ein Mann namens Philip (Jean-Claude Van Damme) ist nur leicht verletzt, weswegen sich die engagierte Krankenschwester Suzanne (Autumn Reeser) um ihn kümmert. Plötzlich stürmt ein bewaffneter Kerl das Gebäude, ihm folgen vier weitere Killer und sie sind scheinbar auf der Suche nach Philip.

Am Ende des Konflikts sind alle in dem Spital tot. Nur Suzanne nicht, weswegen sie die beiden FBI Agenten Holman (Peter Stormare) und Sanders (Maria Conchita Alonso) in die Mangel nehmen und eingehend befragen. Was genau ist wirklich passiert in diesem Gebäude, welche Rolle hat Suzanne gespielt und sind wirklich alle Beteiligten ums Leben gekommen?

Dies ist das Regiedebüt von Peter Malota, den eine langjährige Freundschaft mit Jean-Claude Van Damme verbindet. Seit ihrem ersten gemeinsamen Film „Double Impact“ aus dem Jahr 1991, bei dem er für die Stunts zuständig war, folgten zahlreiche weitere Engagements in Van Damme Produktionen, bei denen er ebenfalls für Stunts und auch die gesamte Kampf- bzw. Actionchoreographie zuständig war (unter anderen etwa bei Universal Soldier, The Quest und Replicant).

Trotz des bereits bekannten Schemas, dass Van Damme die letzten Jahre angewendet hat, er inszeniert sich – entweder ironisch über sich selbst lachend oder wie hier als zäher, vom Leben gezeichneter einsamer Wolf – hat mich dieser Film dann überrascht. Ich meine der Filmtitel und der Sprecher aus dem Trailer ist eine Sache, dem die ernste Inszenierung in den Szenen mit Van Damme gegenüber steht, aber was hier wirklich unterhaltsam ist, sind die Momente mit der von Autumn Reeser gespielten Krankenschwester und wie sie befragt wird.

Wie sie dabei mit sarkastischen Sprüchen ihre unangenehme Lage kommentiert, das hat mich mehrmals Grinsen lassen, zumal sie mit Peter Stormare ein tolles Gegenüber hat und er erfreulicherweise nicht nur für einen Mini Cameo-Auftritt mit dabei ist. Dabei erfolgen immer wieder Schnitte zu den vergangenen Ereignissen im Spital. Ist das nun wirklich so passiert oder hat sie Details ausgeschmückt oder weggelassen und ist Van Dammes Charakter wirklich tot?

Fragen über Fragen, von denen die Action gekonnt abgelenkt. Was den Martial Arts Teil betrifft, da hab ich mir nichts großartiges mehr erwartet und sie haben es hier auch manchmal versäumt, beim Einsatz von Stuntmen wirklich gut zu schneiden, aber die Kämpfe sind zumindest nicht langweilig. Vor allem Van Dammes Sohn Kristopher Van Varenberg, der in fast allen seiner letzten Filme mit dabei war und sich nun Kris Van Damme nennt, hat scheinbar trainiert und darf in einem Fight mit seinem Daddy, seine schnelle Beinarbeit unter Beweis stellen.

Jean-Claude Van Damme (Hard Target) ist als Philip von Anfang an körperlich angeschlagen, was aber gut zu seinem geistigen Zustand passt, den ihm das Drehbuch dank seiner Kindheit verpasst hat. Er wirkt zwar müde, doch nie so, als würde er aufgeben wollen. Ungleich lebendiger ist Autumn Reeser (The Big Bang) als Suzanne. An seiner Seite ist sie nur kurz die „Dame in Not“, packt jedoch schon bald ihre Kampfkünste aus und brilliert dann in den trockenen Wortgefechten, die bei ihrem Verhör stattfinden.

Ob sie was zu verheimlichen hat, will Peter Stormare (Rupture) als FBI-Agent erfahren und das macht er auf eine ziemlich provokante, für eine billige Produktion bei der es ihm wohl nicht um seine Weiterentwicklung als Künstler gegangen ist, ziemlich spielfreudige Art und Weise. Ein Wiedersehen mit Maria Conchita Alonso (Predator 2) gibt es hier ebenso, auch wenn sie nicht viel mehr tut, als den Konflikt bei der Befragung, im Rahmen zu halten. Daniel Bernhardt (John Wick) als Bösewicht macht dafür genau wieder das, was er am Besten kann und das ist gegen Leute zu verlieren, denen er im wahren Leben, körperlich überlegen wäre.

Insgesamt daher ein Van Damme Film, den ich nicht unbedingt nur wegen ihm, sondern vor allem auch wegen dem gesamten „Drumherum“ zu schätzen weis. Die Auflösung hat mir ebenso gefallen, da hätte ich gerne noch mehr gesehen, angeblich ist aber für 2018 sowieso schon eine Fortsetzung geplant. Den sehr ernsten, politischen Hintergrund der hier als Basis für die Ereignisse genommen wird, das könnte manchen Sehern durchaus weniger gefallen, ich fand das Gesamtergebnis jedoch durchaus stimmig.

“Kill´Em All“ bekommt von mir 6,5/10 mit der Vergangenheit endgültig abschließen könnende Empfehlungspunkte.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.