The Big Bang (Filmkritik)

Privatdetektiv Ned Cruz (Antonio Banderas) erlebt gerade die beste Zeit seines Lebens. Nicht nur dass er durch den Auftrag eines Klienten mit Julie Kestral (Sienna Guillory) seine absolute Traumfrau gefunden hat, auch wertvolle Diamanten befinden sich in seiner unmittelbaren Reichweite, er muss sie nur noch finden. Einziges Problem ist jedoch, dass er gerade von den drei korrupten Cops Frizer (Thomas Kretschmann), Poley (William Fichtner) und Skeres (Delroy Lindo) befragt wird und diese nicht gerade zimperlich mit ihm umgehen. Also beginnt Ned damit seine Geschichte zu erzählen, an deren Ende er einen Plan entwickelt haben sollte, wie sein persönliches Happy End doch noch zu Stande kommen kann.

The Big Bang Film

Das ist doch mal wieder ein herrlich schräger Mix, den uns Regisseur Tony Krantz mit der Beteiligung von einigen mehr oder weniger bekannten Hollywoodstars hier auf die Leinwand gezaubert hat. Irgenwo angesiedelt zwischen klassischem Noir-Krimi verbunden mit existentiellen Thrillerelementen und gewürzt mit einigen wohl platzierten sarkastischen Sprüchen, ergibt sich so eine Mischung mit Seltenheitswert. Ein Erlebnis also, dass man wohl entweder eindeutig zu schätzen weiß, oder damit so gar nichts anzufangen weiß und es einfach nur langweilig findet. Ich gehöre übrigens zur ersten Gruppe von Menschlein.

Die Handlung wird ja bis auf die letzten Minuten ausschließlich von der Hauptfigur in Rückblenden erzählt, die nahtlos übergehen in die Befragungssituation in der Jetztzeit, wo drei Cops die Wahrheit erfahren wollen. Die Geschichte von Ned Cruz beginnt mit dem Kurzauftritt von James Van Der Beek als exzentrischen Filmstar, dem Cruz verfängliche Fotos vorlegt, die bereits die Presse in die Finger bekommen hat. Darauf hin schießt der Filmstar seinen Kleinwüchsigen Sexkumpel mittel einer unbekannten Waffe wie eine Rakete aus dem Fenster. Kurz danach die Frage eines Cops an den Privatdetektiv, was denn hier passiert sei. Antwort: „His name is Russell, he is a white dwarf gone supernova“! Hm, schon irgendeine Idee in welche Richtung dieser Film gehen wird? Eben, ich auch nicht, aber es machte ziemlich Spass es herauszufinden.

Was folgt ist die Story eines riesigen Russen, den man wohl am Besten als unzerstörbare Killermaschine bezeichnen kann. Der sucht seine wahre Liebe, der er über mehrere Jahre in Briefen aus dem Gefängnis seine Gefühle ausgeschüttet hat. Was danach für unseren Hauptcharakter folgt ist die Bekanntschaft mit einer Schauspielerin, die es als ihre größte Rolle sieht die Ärzte glauben zu lassen, dass sie an einer seltenen Krankheit leidet, wo die Betroffenen sich selbst essen. Dann das Treffen mit dem von Rapper Snoop Dogg gespielten Sexregisseur, der gerade mitten in den Dreharbeiten zu einem Endlosporno namens „The Black Hole“ steckt. Dann die Bettgeschichte mit der Kellnerin, die ihre ausgeprägte Liebe für Teilchenphysik eindrucksvoll mit ihren Ganzkörpertattoss unter Beweis stellt. Hab ich schon den exzentrischen Millionär erwähnt, der den titelspendenden Urknall mittels des sogenannten Gott-Partikels nachstellen will?

Wenn ich das hier so schreibe dann wundere ich mich echt, dass diese schrägen Einzelteile im gesamten so gut zusammen passten und den Film nicht völlig lächerlich bzw. konstruiert erscheinen ließen. Abgesehen von der Regie ist dies natürlich vor allem den tollen Darstellern zu verdanken, allen voran unserem Lieblingsspanier Antonio Banderas. Er ist unglaublich cool und gelassen, aber trotzdem verletzlich und voller Emotionen. Eine vielschichtige Performance also, die ihn in bester Spiellaune präsentiert. William Fichtner darf sich von seiner psychopatischen Seite zeigen und Thomas Kretschmann ist einfach nur ein eiskalter Mistkerl. Sienna Guillory (Resident Evil 2) als Liebesobjekt bekommt da weit weniger zu tun, sieht aber gut aus und passt perfekt ins Bild der unerreichbaren Angebeteten.

Noch besser fand ich aber die bezaubernde Autumn Reeser (Smokin Aces 2), die als quirrlige Kellnerin einfach nur zum Verlieben ist. Als Banderas sie fragt wann sie Dienstschluss hat, gibt sie wohl die beste Antwort, die ein normaler Typ wie du und ich wohl nie zu hören bekommen wird: Ned: „When do you get off“? Fay: „In about 14 minutes after I start fucking.“ Was folgt ist eine echt hübsch gemachte, irgendwie lustige und auch erotische Sexszene, was wirklich selten vorkommt, da sonst solche Sequenzen ja nur zur Streckung der Handlung benützt werden. Nicht aber hier, da lernt man doch echt noch was über Physik im Bett, wär hätte das gedacht.

Ein etwas anderer Film also, der seinen skurrilen Genre- und Ideenmix lässig von den schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten tragen lässt und damit großartig unterhält. Von absolut real bis ziemlich fantastisch ist hier alles dabei, einfach anschauen und dann entscheiden, ob man das Gesehene hassen oder lieben möchte.

The Big Bang bekommt von mir 8,5/10 mit Knalleffekt einschlagende Empfehlungspunkte.


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