Bang Bang Baby (Filmkritik)

Wir schreiben das Jahr 1963. Stepphy (Jane Levy) träumt von einer Karriere als Sängerin, während sie sich liebevoll um ihren kranken Vater George (Peter Stormare) kümmert und in dessen Werkstatt Autos repariert. Ihre Wünsche scheinen jedoch eben wegen ihrer Lebenssituation, Träume zu bleiben. Bis plötzlich das Auto des Rockstars Bobby Shore (Justin Chatwin) genau bei der Reise durch ihre kleine Stadt, eine Autopanne hat.

Zwischen Stepphy und ihm entwickelt sich schon bald eine Beziehung und auch ihre berufliche Karriere, scheint gesichert zu sein. Blöd dabei ist nur die Tatsache, dass nach einem Unfall in der örtlichen Chemiefabrik, die Körper der Menschen der Stadt beginnen, seltsame Mutationen aufzuweisen. Diese Tatsache und die damit verbundene Quarantäne, könnte ein kleines Problem darstellen.

Bei dieser kanadischen Produktion führt Jeffrey St. Jules Regie, der hiermit nach einigen Kurzfilmen, sein Debüt feiert und auch das Drehbuch beigesteuert hat. Bereits 2014 lief der Film auf einigen Festivals und ist dieses Jahr nun auch bei und ganz heimlich für das Heimkino erschienen. Ich persönlich bin auf den Film gestossen, da ich Fan von Jane Levy (Evil Dead, Don´t Breathe, Monster Trucks) bin und wissen wollte, was sie denn aktuell so treibt und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Das Abenteuer an sich, ist schon ein sehr schräges. Die Atmosphäre und Mentalität der 60er Jahre wird gekonnt eingefangen und die Handlung wird immer wieder mit echt – und ich das meine ich wirklich so, jede Szene löst Emotionen aus – unterhaltsamen, interessanten und auch skurrilen Gesangseinlagen weiter geführt. Egal ob nun Stepphy über ihre Einsamkeit singt, ihr Vater über die Liebe zu seiner Tochter oder zum Titel spendenden Song abgetanzt wird, ich bin sonst nicht so der Freund von singfreudigen Filmen, aber das hat mir richtig gefallen.

Die Mutationen bringen dann eine tragikomische, morbide und auch traumhaft unberechenbare Ebene in die Story, aber ohne dabei rein auf Schauwerte zu setzen und auf die Charaktere zu vergessen. Natürlich wird es Menschen geben, die bei einem Lied, bei dem Stepphy mit einem Mann „singend streitet“ und sich – wenn der Kerl genug gereizt wurde – das mutierte Gebiss seitlich in seinem Hals meldet und die dritte, monströse Stimme übernimmt, geistig aussteigen und sich fragen, was denn das für ein Film sein soll, aber ich finde das großartig.

Über die Settings, die oft wie damals eben üblich auch genau so aussehen, über die Kostüme, die Musik bis hin zur Grundstimmung wird hier eine Welt geschaffen, in die man schnell hineingezogen wird. Man kann was die Auflösung betrifft jetzt nicht alles ganz logisch finden und es wird eigentlich nichts erklärt, jedoch ist das in diesem Fall sehr passend und so ergibt sich umso mehr Spielraum für Interpretationen. Zusätzlich ist die Besetzung genau so geworden, dass ich mir keine anderen Schauspieler in den jeweiligen Rollen vorstellen könnte.

Jane Levy (Fremd in der Welt) singt alle ihre Songs selbst und ich muss sagen, ich würde mir sofort eine CD von ihr kaufen (oder eben auf Schallplatte oder MP3, ihr wisst schon was ich meine). Auch ihre Gesichtsausdrücke bei den Liedern zeigen einfach, dass sie voll in ihrem Element ist. Die Loyalität ihrem Vater gegenüber, der Wunsch ihren Traum zu leben und einfach eine kindliche Faszination der Welt gegenüber strahlt ihre Figur permanent aus und es ist mir nicht schwer gefallen, mit ihr mit zu fiebern.

Peter Stormare (Kill´Em All) als ihr Vater singt seinen Song ebenfalls selbst und dabei kann man durchaus feuchte Augen bekommen. Er leidet einerseits und gibt sich dem Alkohol hin, will dennoch für seine Tochter die richtigen Entscheidungen treffen. Justin Chatwin (Urge) schließlich verleiht seinem Rockstar mehrere Ebenen, er ist der strahlende Frauenheld mit den lockeren Sprüchen, im Inneren ist er im Prinzip jedoch ein einsamer Kerl, der sich auch nur nach Liebe sehnt. Er und Levy haben außerdem auch eine starke Chemie miteinander.

Insgesamt daher ein Film, bei dem ich nicht genau sagen kann, wem ich ihn nun empfehlen würde. Ich als Freund von schrägen Storys und der Hauptdarstellerin bin voll auf meine Kosten gekommen und werde mir dieses Abenteuer auch sicher bald wieder mal ansehen, einfach weil es mich in eine bestimmte Gefühlslage versetzt, die ich spannend finde. Zusätzlich ist das Gesamtergebnis nur schwer zu vergleichen mit anderen Produktionen und es fehlt völlig der „more of the same“ Charakter, was ich in letzter Zeit nur selten behaupten konnte.

„Bang Bang Baby“ bekommt von mir 8/10 persönliche Freiheit erlangende Empfehlungspunkte.


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