The Loved Ones (Filmkritik)

Brent (Xavier Samuel) verliert seinen Vater während dieser ihm das Autofahren beibringt. Die beiden scherzen miteinander als plötzlich ein verletzter Mann auf der Straße steht und Brent das Auto herumreißt und damit an einen Baum knallt.

Jahre später. Brent ist psychisch labil, hat zwar ein paar Freunde und sogar eine Freundin, ist aber alles andere als eine ausgeglichene Person. Seine Mutter hat sich von ihm entfremdet und er trägt eine Rasierklinge um den Hals, die er dazu nutzt, sich selbst zu verletzen. Die Schuld am Tod seines Vaters trägt er mit sich, denn niemand außer ihm hat den verletzten Mann – der Grund weshalb er das Steuer herumriß – gesehen.

Als Lola (Robin McLeary) ihn zur Ballnacht einlädet und er ablehnt, weil er bereits mit seiner Freundin Holly (Victoria Thaine) verabredet ist, weiß er noch nicht, dass dies der Auslöser für eine Nacht in der Hölle ist und sein Leben einerseits auf den Kopf stellen und andererseits wieder auf die richtige Bahn lenken wird …

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Puh. Was Sean Byrne (Drehbuch, Regie) da geschaffen hat ist ein kleines, gemeines, hinterhältiges und eiskaltes Miststück von einem Film. Meine Erwartungshaltung aufgrund des Plakats (ich habe es vermieden mir den Trailer anzusehen) war es mit einem klassischen Teenie-Slasher zu tun haben, aber da lag ich gewaltig daneben. „The Loved Ones“ liegt weit näher bei „Hostel“ als bei „Scream„. Ganz ehrlich. Der Film ist in sehr dreckige Farben getaucht und beleuchtet anfangs das Leben von Brent, das zwar nicht völlig trostlos ist – er hat eine liebevolle Freundin, die mit seiner labilen Persönlichkeit umgehen kann und bei der man das Gefühl hat, dass sie genau die Person ist, die er braucht, als auch mindestens einen guten Freund (gespielt von Richard Wilson, aus „The Proposition“) -, aber völlig überschattet von dem traumatischen Unfalltod seines Vaters.

Als er am Abend der Ballnacht aufwacht und feststellen muss, dass er entführt wurde und Lola ihn als ihren neuen Auserwählten betrachtet, geht ein Höllenritt los, denn weder Brent noch die Zuseher sich vor dem Film so vorstellen konnten. Xavier Samuel („Fury„) spielt Brent und dessen Wandlung wirklich grandios, das Leid auf seinem Gesicht, das Entsetzen, aber auch die Wut und – ganz, ganz spät – das Lächeln. Die sagen mehr aus als hunderte Worte. Vor allem, da es nicht allzu lange dauert bis er überhaupt nicht mehr reden kann, war es für diesen Film mit Sicherheit wichtig einen Schauspieler zu finden, der die gesamte Bandbreite an Emotionen mit seiner Mimik abdecken kann und der wurde mit Xavier Samuel gefunden und gecastet.

Aber das hilft alles nichts, wenn seine Gegenspieler/in langweilig geschrieben oder schlecht gespielt sind und auch hier Entwarnung auf allen Ebenen. Das Gespann Lola und ihr Vater sind so furcheinflössend, wie schon lange keine Eltern-Kind-Beziehung mehr. Das halbwegs gestörte Verhältnisse (manche Dinge werden nur angedeutet) zwischen den beiden und die „etwas“ psychotische Ader von Lola sind es dann auch, die diesen Film über einen durchschnittlichen Torture-Porn erheben, sondern wirklich etwas Eigenständiges daraus machen, denn der Fokus ist nicht die Folter (auch wenn die sehr realistisch inszeniert ist und beim Zusehen GROSSES Unwohlsein auslöst), sondern die durchgeknallten Charaktere, die sie durchführen.

Robin McLeavy („Backtrack„) ist wahrhaftig großartig und dabei völlig von der Rolle, aber trotzdem immer glaubwürdig. Genau das macht sie auch so gruselig und unheimlich. Genauso gruslig, wenn auch auf eine stoische und gehorsame Art und Weise, ist ihr Vater, gespielt von John Brumpton („Romber Stomper“, „The Hunter“ oder „Crawlspace“). Der Mann ist ohne ein Wort zu sagen nur aufgrund seiner Blicke oder Gesten (man hebe den Hammer) absolut furchteinflößend.

Um die Ereignisse, die Brent passieren, herum gibt es noch zwei andere Nebenstränge, nämlich die (kurzen, aber logischen) Versuche von Holly Brent zu finden und die tatsächliche Prom-Night an der Mia (Jessica McNamee) und Jaime (Richard Wilson) teilnehmen. Während Wilson klar als Comic Relief gedacht ist wird er von der Emo-Braut (von der sich später herausstellt, warum sie ist wie sie ist) absolut perfekt konterkariert. So knochentrocken, ernst und depressiv (und dabei gleichzeitig so sexy) war schon lange keine Frau im Kino mehr. Dass deren Geschichte letztlich in die von Brent einfließt – ohne dass sie sich im späteren Verlauf des Films auch nur über den Weg laufen – ist wohl klar. Habe ich schon erwähnt, wie grandios scharf (und gleichzeitig absolut unantastbar) Jessica McNamee in dem Film wirkt? Nein? Okay. Dann habe ich das hiermit getan.

Vor allem weiß der Film visuell und spannungstechnisch absolut zu überzeugen. Die Mischung aus entsättigten Farben, gekonnt gesprenkelt mit doch klaren Farbstichen (Lolas pinkes Kleid) und surrealen, fast witzigen kleinen Details (der Disco-Ball in der Küche), sorgen für einen bodenständigen Film, der mich genauso mitgerissen hat wie „Eden Lake„, mit dem Unterschied hier am Ende das bekommen zu haben, was ich brauchte. Ein Lächeln. Wenn auch eines mit tragischem Hintergrund.

Hut ab vor Sean Byrne, der hier wirklich einen unangenehmen aber nicht perversen, brutalen aber nicht voyeuristischen, spannenden Film geschaffen hat, der hart an der Grenze ist, aber immer auf der – in meinen Augen – richtigen Seite bleibt, um nicht als Torture-Pron abgetan zu werden, sondern tatsächlich eine Geschichte um Schuld/Sühne und Vergebung zu drehen, gemischt mit einer der irrsten Eltern-Kind-Kombination seit Jahren.

„The Loved Ones“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, absolut von vorne bis hinten spannende und ziemlich harte, Punkte.


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