Backtrack (Filmkritik)

Psychologe Peter Bower (Adrien Brody) kämpft selbst um Normalität in seinem Leben. Vor einem Jahr ist seine kleine Tochter wegen seiner Unachtsamkeit bei einem Autounfall ums Leben gekommen, seitdem muss seine Frau ständig Tabletten nehmen und er selbst, konnte seinen Beruf eine Zeit lang nicht ausüben. Sein väterlicher Mentor Duncan (Sam Neill) hat ihm aber aktuell ein paar Patienten überwiesen, die Peter aus seiner Lethargie reissen sollen.

Besonders ein junges, schweigsames Mädchen namens Elizabeth Valentine (Chloe Bayliss), die immer wieder auftaucht in seiner Praxis und genau so plötzlich wieder verschwindet, hat seine Aufmerksamkeit erregt. Bei seinen Recherchen findet er schließlich eine Verbindung zu seiner eigenen Vergangenheit und einem tragischen Ereignis in seiner Jugend, dass er seit Jahren erfolgreich verdrängt hat. Was ist der Zusammenhang zwischen den vergangenen und den aktuellen Ereignissen?

Backtrack Adrien Brody

Hier handelt es sich um einen australischen Mystery-Thriller von Produzent und Drehbuchautor (Das Ritual, Die Bücherdiebin) Michael Petroni, der in seiner Funktion als Regisseur, nun erst seinen zweiten Film abliefert. Die Geschichte an sich richtet sich dabei klar an ein erwachseneres Publikum, denn sie geht doch stark in die Drama Richtung und auf plakative „Jump-Scares“, wird größtenteils verzichtet (ganz ohne geht scheinbar nicht bei einem Film mit Geister-Thema, aber das ist ja nicht wirklich schlimm.)

Es gibt somit zwar klar Abschnitte, in denen man sich gruseln soll und das durchaus auch tut, doch liegt der Schwerpunkt klar auf der Reise eines gebrochenen Mannes, zurück ins Leben. In diesem speziellen Fall muss er eben in eindeutigem zweideutigem Sinne, mit den Geistern seiner Vergangenheit abschliessen. Dabei überzeugt vor allem die trostlose Stimmung, die eine gewisse Hoffnung zwar nach außen hochhält, diese aber hinter der Fassade, kaum spürbar ist bzw. der Schein ihrer Anwesenheit, nicht mehr aufrecht erhalten werden kann.

Mit den Geister-Effekten wird dann auch sehr sparsam umgegangen, denn diese Wesen sind hier die meiste Zeit über Botschafter, sie wollen auf etwas hinweisen (meistens ein Verbrechen oder eine große Ungerechtigkeit, was denn auch sonst) und nicht Leute angreifen (Ouija) oder diese übernehmen (Insidious). Ziemlich klassisch im Prinzip, getragen von einer Inszenierung, die sich selbst sehr ernst nimmt, auf Humor völlig verzichtet und zum Glück Ansätze für den der unfreiwilligen Art, bereits im Keim erstickt.

Adrien Brody (Wrecked) macht seine Sache wirklich ausgezeichnet. Man spürt richtig wie sehr er sich wünscht, dass doch alles wieder so wie früher wäre oder dass zumindest so etwas wie Alltag in sein Leben und das seiner Frau zurück kehrt. Seinen ihm eigentlich wichtigen Beruf übt er daher teilweise nur halbherzig aus, bis seine neue Patientin Elizabeth auftaucht. Auf seiner Suche nach Wiedergutmachung sind sämtliche Entscheidungen nachvollziehbar, er wird nie zum Helden stilisiert, sondern ist ein ganz normal verzweifelter Mann, der Antworten sucht.

Die engagierte und interessierte Polizistin, die ihn teilweise bei seiner Suche hilft, wird von Robin McLeavy (Abraham Lincoln Vampirjäger) auf eine sehr lebendige Art gespielt, sie wird schnell zu der Figur, die sich natürlich auf Grund ihrer Neugierde in Gefahr begeben muss und man als Zuschauer dabei hofft, dass sie heil das Finale des Filmes erreichen wird. Sam Neill (Event Horizon) schaut in einer kleinen Nebenrolle mehrere Male als Ruhepol vorbei, der Peter und sein Handeln hinterfragt und ihn in die richtige Richtung lenkt.

Insgesamt daher trotz der Unerfahrenheit des Regisseurs ein sehr routinierter Film mit sehr guten Darstellern, der eindeutig seine spannenden und bedrückenden Momente hat und wieder mal zeigt, dass die wahren Monster auf der Erde nicht geisterhaft, sondern ziemlich lebendig sind. Wer jedoch einen Horrorfilm, großartige Höhepunkte oder wirklich neue Ideen erwartet, der wird sicher enttäuscht sein. Perfekt aber auf jeden Fall für einen verregneten Sonntag Nachmittag würde ich sagen.

„Backtrack“ bekommt von mir 6,5/10 „Geist-reich“ nicht mit lebend gleichsetzende Empfehlungspunkte.


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