Herz aus Stahl – Fury (Filmkritik)

Im April 1945, kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges, rücken die Alliierten Streitkräfte nach Deutschland vor. In dieser Zeit befindet sich die Besatzung des US-amerikanischen Sherman-Panzers „Fury“, unter dem Kommando von Sergeant Don „Wardaddy“ Collier (Brad Pitt), weit hinter den feindlichen Linien. Hoffnungslos in der Unterzahl versuchen sie, ohne Hoffnung auf Unterstützung, alleine die Übermacht der verbleibenden deutschen Streitmacht zu zerschlagen.

Fury Film

Regie bei diesem Film führte David Ayer, den man derzeit wegen „End of Watch“ und „Sabotage“ kennt und auf dessen nächstes Projekt „Suicide Squad“ (eine DC-Comicverfilmung) man schon gespannt wartet. Wie bei seinen meisten vorangegangenen Projekten, führte Ayer hier nicht nur Regie, sondern war auch für das Drehbuch zuständig.

Bisher hatten seine Filme dadurch bedingt, und verbunden mit der Tatsache, dass es sich meist um Projekte mit einem kleinen Budget gehandelt hat, bei denen er sich kreativ austoben konnte, immer eine sehr eigenständige Note. Mit „Fury“ bekam er die Möglichkeit ein größeres Projekt, mit einem höheren Budget und gleich mehreren erstklassigen Schauspielern umzusetzen (und gleichzeitig für „Suicide Squad“ zu üben).

Dabei verzichtet er ein kleines Stück weit auf seine persönliche Note und macht dennoch etwas völlig eigenständiges. Der Film versetzt seine Zuschauer zurück in den zweiten Weltkrieg und damit verbunden ins Jahr 1945. Irgendwie erschließt sich mir nicht, warum diese Zeit für Filmemacher so unwahrscheinlich beliebt ist, aber hier ist es wieder einmal so weit.

Ayer gelingt es in seiner Geschichte erstklassig den Horror des Krieges einzufangen – oder zumindest eine cineastische Variante davon. Wenn ungefähr zu Beginn des Films etwa der neue Bugschütze Norman (Logan Lerman) mit etwas Wasser und einer Bürste die Überreste seines Vorgängers innerhalb des Panzers entfernt (unter anderem etwas was aussieht wie ein halbes Gesicht), ist nicht nur Norman zum Kotzen zu mute.

Hier verbrennen Soldaten bei lebendigem Leib und ihre Überreste werden durch Panzerbeschuss wahlweise durch die Luft geschleudert oder pulverisiert. Dabei wird nie der Eindruck vermittelt, die Amerikaner wären besonders harte Jungs, oder die deutschen Truppen grausame Menschen, die es verdient hätten zu sterben. Aber es ist Krieg – und damit der endet, müssen noch eine Menge Leute sterben.

Dabei ist auch klar, dass die Deutschen das Land verteidigen – immerhin ist es ihr Land. So authentisch die grundlegende Inszenierung auch ist, es gibt zwei Dinge, die mich doch etwas irritiert haben. Erstens scheint hier beinahe jeder mit Brandspurmunition zu schießen. Zwar wird das damit erklärt, dass die Panzerschützen ja auch wissen sollen, wohin sie schießen, aber es gibt Szenen, in denen sie von allen verwendet wird.

Diese wirken sehr surrealistisch und stellenweise könnte man meinen, man habe es wahlweise mit einer Lasershow oder einer Szene aus „Star Wars“ zu tun. Zweitens bekommt man schnell mit, dass Ayer scheinbar keine ruhigen Momente mag. Ja es gibt sie, ja man nimmt sich auch dafür genügend Zeit und ja sie funktionieren auch sehr gut (gerade als Kontrastprogramm).

Was ich damit meine ist dann, dass man sich hier relativ sicher sein kann, dass, wenn es eine Zeit lang weniger los war, gleich wieder wahlweise etwas explodiert oder jemand sterben muss. Dabei sind die Actionszenen spektakulär inszeniert und was den im Film eine wichtige Funktion einnehmenden Panzer betrifft, so machen sie mangelnde Geschwindigkeit mit einer Menge Feuerkraft wett.

Bei den Schauspielern stechen vor allem drei heraus. Dass Brad Pitt (World War Z) sehr gut darin ist Nazis in ihrer Anzahl zu reduzieren hat man bereits in „Inglourious Basterds“ gesehen. Seine aktuelle Rolle als Wardaddy unterscheidet sich von der damaligen des Lt. Aldo Raine. Don „Wardaddy“ Collier ist ein harter Hund, der bereits einiges vom Krieg gesehen hat, was einige Spuren hinterlassen hat (auch körperliche).

Man hat nie das Gefühl, dass er seine Arbeit gerne macht (auch wenn er der Meinung ist, den „besten Job der Welt“ zu haben) sondern, dass das was er tut gemacht werden muss. Was ebenfalls gelungen ist, ist die Tatsache, dass Wardaddy, obwohl er zweifelsohne ein harter Hund ist, gerne auch seine menschliche Seite zeigt, beispielsweise wenn es um seine Jungs oder die zivile deutsche Bevölkerung geht.

Logan Lerman (Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen) als Norman Ellison erlebt gleich zu Beginn einen der schlimmsten Tage seines Lebens. Norman wurde eigentlich als Schreiber ausgebildet und ist momentan total überfordert mit seiner neuen Tätigkeit als Schütze. Der Schrecken des Krieges wird dabei vor allem über seine Person transportiert und, Hand aufs Herz, es würde kaum jemandem anders gehen.

Shia LaBeouf (Lang lebe Charlie Countryman) ist in letzter Zeit vor allem durch diverse schräge Aktionen aufgefallen. In seiner Rolle des Richtschützen Boyd „Bible“ Swan zeigt er jedoch, dass er ernste Rollen durchaus glaubhaft spielen kann. Dann gibt es da noch Lader Grady „Coon-Ass“ Travis (Jon Bernthal – „Snitch„) und Fahrer Trini „Gordo“ Garcia (Michael Peña – „End of Watch„).

Alles in allem gelingt es bei „Herz aus Stahl“ die Atmosphäre des zweiten Weltkrieges, mit einer eigenständigen Portion Realismus einzufangen. Die Geschütze fliegen tief und dennoch bleibt genug Zeit für die jeweiligen Charaktere („Suicide Squad“ kann kommen!).

Der Film „Herz aus Stahl“ bekommt 8/10 den übermächtigen Gegner in die Knie zwingende Empfehlungspunkte.


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