Snitch – Ein riskanter Deal (Filmkritik)

John Matthews (Dwayne Johnson) führt ein erfolgreiches Bauunternehmen und lebt mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in einem netten Häuschen. Als jedoch sein Sohn Jason aus erster Ehe durch einen sogenannten Freund in einen Drogendeal verwickelt wird und mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen muss, kommt John´s heile Welt schnell aus ihren Fugen.

Nach einigem hin und her kann der verzweifelte Vater endlich einen Deal eingehen mit der örtlichen Bezirksanwältin Joanne Keeghan (Susan Sarandon): er soll sich mit Hilfe eines seiner Mitarbeiter, der ein Exhäftling ist, in die örtliche Drogenwelt als Spitzel einführen lassen und sobald die Polizei einen der Bosse der Organisation festnehmen kann, wird Jason´s Haftstrafe drastisch verkürzt. John willigt ein ohne genau zu wissen, wie tödlich die Gefahr wirklich ist, in die er sich begibt.

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Regisseur Ric Roman Waugh hat sich, seit er seine langjährige Karriere als Stuntman an den Nagel gehängt hat, auf Actiondramen (Shadows of Death, Felon) spezialisiert. Inspiriert zu „Snitch“ wurde er durch eine Dokumentation über Änderungen im amerikanischen Drogengesetz, das gefangene Drogendealer dazu auffordern soll, ihre Kollegen auszuspionieren, um somit ihre Strafen zu mildern.

Am Ende des Filmes wird ein Text eingeblendet in dem steht, dass nicht gewalttätige Menschen in Amerika, die zum ersten Mal mit den Drogengesetzen in Konflikt geraten, mit härteren Strafen rechnen müssen, als Vergewaltiger oder Totschläger. Ach ja und am Anfang steht da natürlich: „Inspiriert von wahren Begebenheiten“. Der Anspruch ist euch klar? Tja, die Botschaft geht leider völlig unter, zum Umdenken oder auch nur sich Gedanken machen über die Drogengesetze wird das Gezeigte hier wohl kaum einen verleiten.

Vielmehr ist dies die Story eines Vaters, der für seinen Sohn so ziemlich alles tun würde und im Laufe der Ereignisse über sich hinauswächst. Klingt irgendwie bekannt, oder? Ist es auch, doch die wahre Spannung und für mich auch der Grund warum der Film unterhaltsam war zum Anschauen, ist der Darsteller, der diese Rolle übernommen hat. Dwayne Johnson (Faster), der einzige Exwrestler, den man als echten Schauspieler bezeichnen kann, der gleichzeitig auch ein Star ist, der Massen in die Kinos locken kann.

Zu Beginn seiner Karriere im Jahre 2005 gleich mal einen schwulen Bodyguard (Be Cool) zu spielen, das zeigte schon damals seine Vielseitigkeit. Ich meine welcher Wrestler würde das denn spielen? Einige Jahre später, mit viel Ironie und noch mehr physischer Präsenz ist „The Rock“ nun an der Spitze angelangt und hat in „Fast and Furious 6“ gerade erst bewiesen, dass er an Coolness nicht zu überbieten ist und er es körperlich sowieso mit allen Herausforderern aufnehmen kann.

Und dann spielt er in „Snitch“ plötzlich einen stinknormalen Typen, der von einem Drogendealer eine Waffe vor sein Gesicht gehalten bekommt und dann vor lauter Angst nicht mal hinsehen kann. Und das Beste daran für mich: das glaubt man ihm zu 100 Prozent. Ich meine alles in mir hat bei dieser Szene geschrien „Hallo, du bist The Rock! Schnipp mit den Fingern und der Kerl liegt am Boden und seine Waffe ist verbogen!“ Aber nichts dergleichen passiert, eher hat man Angst, dass ihm etwas passieren könnte.

Für Fans und solche, die es noch werden möchten, ist es somit eine besondere Freude, Johnson in ungewohnter Rolle in diesem Drama zu beobachten, das mit einem minimalen Actionanteil auskommt und sich nur auf die Figuren und deren Interaktionen verlässt. Auch Susan Sarandon als schnippisch karrieregeile Staatsanwältin, Barry Pepper als abgebrühter Undercovercop, Jon Bernthal als zunehmend verzweifelter Exhäftling und Benjamin Bratt als eiskalter Drogenboss sind charismatisch und hauchen ihren Figuren durchaus interessantes Leben ein.

Außer einer Schießerei zwischendurch und einer Verfolgungsjagd gegen Ende kommt die Spannung hier als nur durch die Atmosphäre an sich zu Stande und das gelingt gerade durch die Performances aller Beteiligten, ziemlich gut. Zusätzlich ist das gesamte Szenario in gelblich/grüne Farben getaucht und wirkt so zunehmend bedrohlich, je weiter man in diese Welt eindringt.

Somit ist dies insgesamt ein Film, der vor allem interessant ist, da er Dwayne Johnson als echten Schauspieler zeigt. Die Botschaft kommt wie gesagt nicht so wirklich rüber und auch der Rest ist hier zwar routiniert gemacht, aber alles andere als spektakulär (nein, nicht wegen der fehlenden Action). Typische „The Rock“ Fans sollten ihre Erwartungshaltung vor dem Anschauen daher unbedingt ändern, es gibt nämlich keinen einzigen Moment, in dem er souverän alle Gegner aus dem dem Weg räumt.

„Snitch – Ein riskanter Plan“ bekommt von mir 6/10 für den Sohn in die Drogenhölle hinab steigende und wieder heraus humpelnde Empfehlungspunkte.


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