Best of Worst Case: Lord Of The Elves/Clash of the Empires (Filmkritik)

Das Dorf von dem „Halbmenschen“ Goben (Sun Korng) und seiner Familie wird von den „Steinmenschen“ überrannt. Diese entführen das gesamte Dorf (also alle 10 Personen) und darunter befindet sich auch Gobens Mutter, die Heilerin des Dorfes – da ein echter „Dschungelmensch“ sich das nicht gefallen lassen kann, machen sich Goben, sein Vater und seine Schwester auf ins Land der „Riesen“, um diese um Hilfe zu bitten und den Stamm wieder aus den Fängen der blutrünstigen „Steinmenschen“ zu befreien …

Lord-of-the-Elves Film

Manche Dinge glaubt man erst, wenn man sie tatsächlich gesehen hat. Oder besser: Bei manchen Dingen weiß man erst wie unverschämt sie eigentlich sind, wenn man den dazu gehörigen Film gesehen hat. Zu genau diesen Dingen gehört die Aufschrift „Für Fans von DER HOBBIT und DER HERR DER RINGE Trilogie“ auf der Rückseite der „Lord of the Elves“-DVD. Wer dafür verantwortlich ist? Na wer wohl? Richtig – The Asylum.

Und so sehr ich einen guten Trashfilm mag, das ist ja bekannt, so sehr hat mich das bei diesem hier geärgert. Das liegt nicht daran, dass der Trashfaktor eventuell zu gering wäre, oh nein, bei weitem nicht, sondern dass nach ein paar absoluten „ok“ Filmen wie „Bigfoot“ oder „Hold your breath“ wieder ein Film rauskommt, der sowas von kein Herz und keine Seele hat, dass es beim Anschauen fast schon wehtut. Nicht zu können(!) ist eine Sache, aber nicht zu wollen(!) eine ganz andere.

Dabei ist die Idee von „The Asylum“ ja gar nicht neu – wir nehmen ein großes, bekanntes Filmereignis, bauen es kostengünstig und dumm nach und nennen es fast 1:1 so, wie das Original (hat hier aber nicht geklappt, die Tolkien-Foundation hat mit einer Riesenklage gedroht) und Leute, die beim Kauf nicht genau hinsehen, kaufen dann das „falsche Stück“ auf DVD. Man verstehe mich nicht falsch – ich finde die Strategie sehr frech und dreist, aber bitte, wer nicht genau hinsieht, hat halt Pech gehabt, da ist nichts Verwerfliches dran – immerhin waren viele dieser Filme zwar mit wenig Budget gemacht, aber immerhin trashig unterhaltsam.

Was „Lord Of The Elves“ bietet ist allerdings eine Frechheit – das ist Trashfilm auf dem untersten Niveau, der Film macht nicht mal im Ansatz Spaß – dabei hätte es so schön werden können. Christopher Judge (bekannt als Teal’c aus Stargate) hat im englischen eine verdammt coole Stimme und bringt jeden noch so seichten Mist extrem gut rüber. Und Bai Ling (Ria, die nervigste Figur aus Crank 2) sieht in ihrem Indianer/Steinzeit/Was-auch-immer-Bikini einfach wirklich … gut aus. Wirklich.

Von allen Anderen im Film will ich nicht reden, weil allein das Denken daran schon weh tut. Vom Anführer der Riesen (die übrigens genauso groß sind wie die Steinmenschen), der die billigste Kopie eines Saruman ist, die man sich nur vorstellen kann – dessen Dialog mit Teal’c sogar inhaltlich fast gleich mit dem von Saruman ist und der sich sichtlich darum bemüht, genauso zu sprechen wie Christopher Lee (gib es auf, Mann – Christopher Lee ist der König!) – angefangen, weiter über die Hohepriesterin der Bösen (die hat, glaube ich, ohnehin nur eine einzige Zeile) bis hin zu den mit Grunzlauten sprechenden bösen Steinmenschen, denen man offensichtlich Überbleibsel aus der letzten Twilight-Verfilmung in den Mund geklebt hat und den Befehl zum Grunzen gleich mit dazu.

Ach, das tut weh. Dabei wäre da so viel Spaß drin gewesen – ein wenig besserer Schnitt, ein bisschen mehr Herzblut, ein oder zwei Minuten vor dem Dreh überlegen was man dreht und es hätte trashig und witzig werden können, aber das hier ist reine Abzocke. Ich kann mir den Dialog im Schneideraum richtig vorstellen:

Cutter: He, Boss, was soll ich tun, ich habe hier das Material zu einem halbfertigen Tarzanfilm gefunden. Soll ich das löschen?
Boss: Bist du irre? Hast du nicht irgendwo noch Schnipsel von dieser alten Dschungel-Stargatefolge rumliegen? Und ein paar Cuts aus Willow?
Cutter: Ja, warum?
Boss: Weil ich gestern eine Filmrolle von Crank 2 gefunden habe, die offensichtlich vergessen wurde, da ist Bai Ling drauf. War wohl so eine „Drogenrausch-Szene“, wie das aussieht.
Cutter: Schön, und?
Boss: Was, und? Nimm das Zeug, halte dich an die Story von Herr der Ringe und schneide einen coolen Trailer.
Cutter: Einen coolen Trailer?
Boss: Ja, irgendwas, dass aussieht als hätten wir eine Massenschlacht!
Cutter: Aber da sind maximal zehn Leute …
Boss: Schnauze. Und einen Kampf mit Flugsaueriern.
Cutter: Aber …
Boss: Schnauze. Und kennst du diesen Jungen von nebenan, der immer so mit den Augen rollt, wenn er lacht?
Cutter: Ja, warum?
Boss: Film ihn ab und pack ihn in den Trailer. Vielleicht kannst du ihm ja noch beibringen „precious“ zu sagen …
Cutter: ok. Mach ich. Aber … Boss?
Boss: Ja?
Cutter: Was mach ich dann mit dem Trailer?
Boss: Na was schon, du füllst ihn mit irgendwelchen Szenen auf bis er 90 Minunten hat, was sonst?

So ungefähr muss das gelaufen sein. Es ist irre. Echt. Völliger Mist. Dabei gibt es sogar die eine oder andere halbwegs witzig Szene. Als zum Beispiel eine Lagerstätte der „Steinmenschen“ gefunden wird und noch Essensreste auf dem Spieß hängen. Einer der „Guten“ ruft: „Oh nein, das war Gamgee!“ Und ein zweiter sagt: „Das war unser Gärtner!“
(für alle Banausen unter euch: Samweis Gamgee ist Frodos Begleiter in Herr der Ringe. Er war Frodos Gärtner).

Also Leute, lasst euch gewarnt sein. Sogar ich als Trashfan kann euch von „Lord of the Elves“ nur abraten. Das hält in Summe niemand aus. Echt nicht.

„Lord of the Elves – das Zeitalter der Halblinge“ erhält von mir 3 von 10 Punkten, wovon zwei für die Szenen mit Bai Ling gutgeschrieben werden (wenn sie nicht spricht) und ein Punkt ist für Christopher Judge reserviert (wenn er nicht versucht zu spielen, sondern nur spricht).

Best of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: 9,5):
Eigentlich eine Schande, dass für so einen Film tatsächilch jemand ein Budget bekommen hat. Und noch eine größere Schande, dass Teal’c da mitspielt Nur was für wirklich extrem Trashfans. Andererseits auch wiederum Lehrstück darüber, wie gut „The Hobbit“ eigentlich ist. Von „Herr der Ringe“ gar nicht erst zu reden.

Fazit: Als Negativbeispiel: perfekt. Ansonsten: Pfui.

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