Creature (Filmkritik)

Irgendwo in Louisiana wartet eine Kreatur darauf, dass eine Gruppe Teenager vorbei kommt, damit es einen Teil davon töten und fressen kann und sich mit dem anderen Teil paaren. Dazu kommen noch ein paar Einheimische, die von dieser Kreatur wissen und die Teens – die Männer der Truppe sind übrigens Marines, die in Afghanistan waren – von der Legende dieser Kreatur erzählen und warnen. Aber die Kids hören nicht und fahren sogar zu dem Ort, an welchem „Lockjaw“, halb Mensch und halb Krokodil, gelebt hat. Und wie durch ein Wunder … das Monster existiert und beginnt damit die Kids einen nach dem anderen umzubringen … oder auch nicht. Und da gibt es eine/n Verräter/on in der Gruppe der Kids. Oder auch nicht. Und irgendjemand ist der Vater eines der Mädels. Oder auch nicht. Und die Kreatur muss sich mit dem gleichen Blut (also Inzest) paaren. Oder auch nicht. Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung. Aber das dürfte auch für den Regisseur dieses Streifen gegolten haben …

Creature
(Lockjaw. So furchterregend, wie er/es auch im Film wirkt.)


„Creature“ beginnt wie ein klassisches „Creature Feature“: Unbekannte Person wird vom Monster gefressen. Nur dass bei „Creature“ eine Frau in einem Sumpf(!) baden geht, sich völlig nackig auszieht(!) und DANN von dem Monster gefressen wird. Wer sich jetzt bereits fragt, was zum Teufel das soll, der oder die liegt völlig richtig. Warum badet eine Frau in einem Sumpf? Weil es dort ach so idyllisch ist? (ist es nicht) Weil es das zu ihrem Haus gehörige Biotop ist? (Ist es nicht)
Vermutlich hätten wir beim Ansehen des Films bereits jetzt wissen müssen, was uns erwartet. Aber das haben wir nicht. Was waren wir blauäugig.

Ehrlich gesagt, erholt sich der Film dann sogar eine Zeitlang und macht ein paar Dinge richtig. Die Charaktere werden vorgestellt, es wird eine Pinkelpause gemacht und die Einheimischen getroffen. Die sind klarerweise abartig, entstellt und sehr, sehr seltsam. Eines des Kids findet eine Info über „Lockjaw“, wird von den Einheimischen gewarnt und die Partykids – nochmals die Herren, die dabei sind, sollen U.S. Marines darstellen – entscheiden sich, dass es ja total lustig wäre, wenn man das angebliche Geburtshaus von „Lockjaw“ ansehen und dort campen würde. „Lockjaw“ ist übrigens der Name des Monsters.

Es kommt wie es kommen musste: Die Kreatur ist echt und beginnt zu morden. Und ab hier beginnt der Film seinen rasanten Abstieg. Und zwar wirklich rasant. Zum Beispiel stürmt das Monster die Lagerstätte und rammt ein Zelt, in welchem eines der Kids liegt. Die Zeltbewohnerin kommt später wieder vor. Aber wie sie von A nach B kam, den Angriff überlebt hat, etc. Keine Ahnung. Außerdem – da bin ich mir aber nicht mehr sicher – wird die Dame eigentlich vor ihrem zweiten Auftritt schon gefressen. Trotzdem ist sie dann wieder da. Oder: Das Monster braucht das Blut der eigenen Sippe (was ein paar Mal erwähnt wird) und deshalb wird eines der Kids geopfert – aber warum wird dann eine Dame andere geraubt, um für Lockjaw als Paarungsopfer herzuhalten? Sind die auch noch Geschwister? Sind die alle Geschwister? Es fühlt sich streckenweise an, als hätte man hier zwei oder drei Drehbücher für alle möglichen Twists gehabt, dann alle drei drei gedreht und aus diesen Stücken dann den Film gemacht, ohne darauf zu achten, welche Aufbauszene zu welcher Auflösung gehört.

Und von Kontinuität IN den Szenen hat wohl auch noch nie jemand was gehört. Da wird ein Kerl VOR einer Hütte umgebracht und der Mörder geht hinein. Dann tut sich in der Hütte was und IN DER HÜTTE nimmt er von dem Kerl, den er VOR der Hütte gemeuchelt hat etwas mit.
Dann gibt es noch drei Einheimische, die offensichtlich Angst vor dem „Creature“ haben. Aber dann doch nicht. Und dann doch wieder. Und dann … ach, ich hör hier jetzt auf.

Man kann „Creature“ schon ansehen, dass es ein Film ist, der mit ein paar gar nicht so schlechten Ideen punkten wollte (es gibt einen Twist nach etwa zwei Dritteln des Films, der völlig okay ist und den man nicht kommen sah) und endlich stellt eine Frau in einem Film die korrekte Frage:
Marine erklärt Freundin: Bleib hier (allein) sitzen, während ich nachsehen gehe!
Sie: Ich will mitkommen!
Er: Hier bist du sicher!
Sie (mit skeptischem Blick): Ich bin hier allein sicherer als mit dir?!
Aber diese kurzen Momente retten den Film nicht.

Die Schauspieler machen alle ihre Sache so gut sie eben können, allen voran Sid Haig (Jackie Brown, Haus der 1000 Leichen, The Devils Rejects), der irre ist wie immer, oder Lauren Schneider, die einfach niedlich ist (von der man hoffentlich noch öfter was zu sehen bekommt), bis hin zu Dillon Casey. Es gibt allerdings doch auch Gründe, weshalb man von den meisten bis dato noch nichts gehört hat.

Dem Fass den Boden schlägt das Finale aus. Ich verrate es jetzt, weil es eh keinen Unterschied macht:
Zum einen ist es völlig langweilig und vorhersehbar und zum zweiten noch dazu schlecht inszeniert.

Anders ausgedrückt: Wenn ein Monster mit einem Biss einen Menschen in Stücke fetzen oder mit einem Prankenhieb erdrücken kann (was im Film ja vorher gezeigt wird), warum kann es dann minutenlang(!) auf dem Oberkörper eines der Hauptcharaktere herumtrampeln(!!) und der Kerl steht dann wieder auf und macht das Vieh mit Faustschlägen(!!!) alle? Und dann wird das Tier auch noch – kein Mensch weiß wieso – in ein Schlammloch gesogen. In Zeitlupe. Ein Schlammloch(!). Allerdings – Überraschung! – taucht es nochmals auf und reißt die Heldin mit sich. Warum man allerdings an dem Loch vorbeigehen muss, wenn rundherum gefühlte 200 Meter Platz sind, weiß ich auch nicht. Oder warum das Biest nicht aus dem Loch herausspringt, anstatt die Heldin hinunter zu ziehen. Oh, ich vergaß: Das Loch ist noch dazu mit Wasser gefüllt. Und unser Held springt ihr hinterher. Dann warten wir ein paar Sekunden, mit tragischer Musik, weil der Held ja jetzt tot ist (abgesehen davon, dass uns das in keiner Weise emotional berührt) und – nochmals Überraschung – die beiden tauchen wieder auf. Das Biest nicht. Was passier ist? Keine Ahnung. Vielleicht ist der Halballigator ja ertrunken.

Den Fehler an diesem Film zu suchen ist entweder – wie man es sieht – sehr schwer, weil es einfach so viele davon gibt, oder sehr einfach: Wer auch immer (Fred Andrews) bei diesem Film die Regie gemacht hat, sollte einfach nie wieder einen Film machen. Oder sich das nächste Mal für ein(!) Drehbuch entscheiden und vielleicht auch wissen, an welchem Film er gerade arbeitet. Ich weiß nicht, wie es passieren kann, dass ein Film um 3.000.000 Dollar so wenig Sinn und Spaß macht.

Wer einen Film mit einer Kreatur, die in einer Lagune wohnt ansehen will, der Spaß macht, sollte sich an „The Creature From The Black Lagoon“ (Der Schrecken des Amazonas) wenden. Ein Schwarz-Weiß-Film aus dem Jahr 1954. Der macht um ein vielfaches mehr Sinn und Spaß.

„Creature (2011)“ ist der schlechteste Film, den ich seit langem gesehen habe. Und das Schlimme dabei ist, dass er dabei glaubt ein innovativer, toller Film zu sein. Geklaute Szenen aus anderen Filmen, schlechte Schnitte, verwirrte, dubiose Story und peinlich inszeniert … der Film greift nach Größe und zeigt dabei nur, wie klein er ist. Schade.

„Creature“ bekommt von mir 4 von 10 möglichen im Sumpf lebenden Punkte (Keine Minusskala, weil dies kein Trash-Film ist. Es ist einfach „nur“ ein irrsinnig schlechter Film).


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.