The Protégé – Made for Revenge (Filmkritik)

Als Kind wurde sie von Auftragskiller Moody (Samuel L. Jackson) gerettet und nun ist Anna (Maggie Q) selbst eine der Besten, in diesem blutigen Gewerbe. Alles auf dieser Welt geht jedoch einmal zu Ende und neuerdings versucht ein in die Jahre gekommener und kranker Moody, manche Sachen in seinem Leben zurecht zu rücken. Deshalb lässt er Anna nach einem jungen Mann suchen.

Damit haben die beiden jedoch unabsichtlich in ein Wespennest gestochen, denn kurz darauf gibt es die ersten Toten im Team und am Ende steht Anna alleine da. Doch ihre Gegner kennen sie schlecht, denn so leicht gibt sie sicherlich nicht auf. Auf ihrer Suche nach den Verantwortlichen, trifft sie auf den charismatischen Rembrandt (Michael Keaton), der zu einer Schlüsselfigur bei Annas Weg zur Vergeltung wird…

Martin Campbell ist ein Regisseur, der für einige Blockbuster verantwortlich war. Die beiden Zorro-Filme mit Antonio Banderas, oder der erste Pierce Brosnan Bond Goldeneye und der erste Daniel Craig Bond Casino Royale zum Beispiel. Das war dann auch sein letzter Hit, denn seit Green Lantern wurde es eher ruhig um ihn. Zuletzt The Foreigner aus dem Jahr 2017 war zwar routiniert, aber unspektakulär.

Nun ist er zurück mit The Protégé, der in Amerika ins Kino kam und bei uns zwei Monate später als Blu-Ray erscheint, also direkt ins Heimkino wandert. Ob er das so verdient hat sei mal dahingestellt, auf jeden Fall regiert auch hier die Routine. Das ist einerseits eine feine Sache, andererseits fehlen natürlich die Überraschungen. Spannend ist dann ironischerweise die größte Stärke hier, denn der kann man durchaus ambivalent begegnen.

Die Rede ist von Maggie Q und Michael Keaton, die mit ihren geistreichen Sprüchen, ihrer Chemie miteinander bzw. der sexuellen Spannung und ihrem mehr oder weniger im Hintergrund laufenden Machtkampf, für frischen Wind sorgen. Das ist witzig und macht wie gesagt den größten Reiz des Filmes aus, doch es muss einem dafür auch etwas egal sein bzw. muss man darüber hinweg sehen und das ist der Altersunterschied zwischen den beiden.

Maggie Q ist Jahrgang 1979 (also knapp über 40) und Keaton wird bald 70. Ja, er hat sich gut gehalten und sieht jünger aus als er ist aber dennoch, das ist schon etwas schräg und fällt natürlich auch bei den Action-Szenen auf, bei denen er des öfteren offensichtlich durch einen Stuntman ersetzt wurde. Besonders lustig sind die fast 30 Jahre zwischen ihnen dann wenn man bedenkt, dass Samuel L. Jackson – ihr Ziehvater hier – nicht einmal drei Jahre älter ist als Keaton.

Prinzipiell egal und fällt nicht immer auf? Das sehe ich genau so, aber hier ist es mir eben gerade deshalb aufgefallen, weil diese Verbindung eine Schlüsselrolle für den Film darstellt. Diese Tatsache macht den Film nun auch nicht schlecht – denn es funktioniert ja auch – und ist so gesehen wohl auch ein Plus, weil man dann über etwas reden kann, denn sonst würde der Film sicherlich noch schneller im Einheitsbrei ähnlicher Produktionen verschwinden.

Maggie Q (Death of Me) ist souverän, stark und hat eine intensive Ausstrahlung hier und die Rückblenden was die Vergangenheit ihres Charakters betrifft, sind von eindringlicher und spürbarer Härte geprägt. Michael Keaton (The Founder) genießt seine Überlegenheit, mit der er seiner Umwelt ständig begegnet und auch einen gewissen spitzbübischen Charme hat er sich behalten und Samuel L. Jackson (Hitman’s Wife’s Bodyguard) feiert eindeutig die Rolle des alternden Ziehvaters, der nach Wiedergutmachung sucht.

Also die Stars sind in bester Spiellaune, die Chemie zwischen ihnen stimmt und technisch gibt es wenig auszusetzen. Das Problem ist eher, dass man den Schmerz der Hauptfigur zwar sieht und spürt, doch irgendwie nie richtig an sich heran lässt, dafür ist das Setting einfach viel zu stylish und bei einem coolen Actionfilm hat man zwar Spaß, doch man fiebert nicht wirklich mit. Also der unheimlich tragische Background von Anna, passt nicht zur verspielten Art von zahlreichen anderen Momenten, die an sich funktionieren, doch weniger, wenn man die Story als Ganzes betrachtet.

Lässt man jedoch sämtliche Überlegungen weg bzw. kommen sie einem gar nicht erst in den Sinn, dann ist dies ein beinahe nostalgisch anmutender Actionfilm mit einer starken Lady, die nicht automatisch besser ist als alle Männer, sondern eben besser als all die Männer, die sich ihr gegenüber überlegen fühlen. Echte Highlights oder Szenen die ich öfters sehen wollen würde haben mir zwar gefehlt, doch auch die Sicherheit einer gewissen Routine, ist immer wieder einmal eine feine Sache.

„The Protégé“ bekommt von mir 6/10 die prägenden älteren Herren dezimierende Empfehlungspunkte.


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