Halloween Kills (Filmkritik)

Natürlich ist es nicht zu Ende. Gerade als Laurie (Jamie Lee Curtis), ihre Tochter Karen (Judy Greer) und ihre Enkelin Allyson (Andi Matichak) dachten, sie hätten Michael Myers (James Jude Courtney, Nick Castle, Airon Armstrong) endgültig besiegt und getötet, da steht er aus den Flammen wieder auf und mordet weiter.

Nur, dass er dieses Mal nicht unbedingt hinter Laurie her zu sein scheint. Stattdessen bewegt er sich quer durch die Stadt und mordet scheinbar ohne Rücksicht. Aber seine Taten bleiben nicht ohne Folgen, denn die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Haddonfield, vor allem jene, welche die schreckliche Nacht vor 40 Jahren überlebt haben, blasen zum Widerstand.

Auch wenn das vielleicht in der Form nicht unbedingt die beste Idee ist …

Ja, der Film hat sich um ein paar Monate verzögert, aber 2021 haben wir ihn nun also. Den Nachfolger zum Nachfolger bzw. zum Reboot oder Soft Reboot oder wie immer man das auch jetzt nennt. Nochmals zusammengefasst: „Halloween Kills“ ist die Fortsetzung von „Halloween 2018„, der alle Filme ab dem allerersten Teil einfach und schlichtweg ignoriert. Also eine eigene „Timeline“ sozusagen. Und „Halloween 2018“ war alles andere ein Trash-Film mit Michael, der sich selbst persiflierte, sondern ein harter, kalter Slasher, der allerdings ganz stark davon lebte, wie ernst er sich einerseits nimmt und wie stark man mit den Figuren mitfieberte. Allen voran natürlich Sarah Con, äh, sorry: Laurie Strode, die wieder von Jamie Lee Curtis gespielt wurde.

Und tja, es ist ja bekannt, dass es einen dritten und abschließenden Teil namens „Halloween Ends“ geben soll, der dann vermutlich im Oktober 2022 in die Kinos kommt. Warum man drei Teile daraus gemacht hat? Vermutlich, weil Trilogien halt irgendwie immer noch „in“ sind. Denn die Story an sich könnte geradliniger nicht sein: Michael Myers ist zurück und tötet wieder Menschen. Man will ihn aufhalten. Mehr ist da nicht. Da gibt es auch keine versteckten „Twists“ oder so. Zumindest bis jetzt nicht. Wer weiß, was im dritten Teil kommt, denn in diesem Teil hier wird schon sehr stark nun, ‚angedeutet‘ ist untertrieben, dass Michael „pure evil“ ist und kein Mensch. Und je mehr Hass ihm entgegenschlägt (oder Angst), desto stärker wird er (angeblich).

Wie ist nun also dieser zweite, oftmals geringschätzig als „Lückenfüller“ bezeichnete, zweite Teil geworden? Nun, in erster Linie eines: kompromisslos und brutal. Wie viele Menschen hier auf ziemlich extrem körperliche Art und Weise ermordet werden ist schon ein Wahnsinn. Was man überall an Mordwerkzeugen wo reinstechen kann, nun, da hat sich jemand vermutlich wirklich mal hingesetzt und eine Liste gemacht, die dann abgearbeitet wurde. Von Halogenlampen in Hälse, über Messer in so ziemlich alle Körperregionen, die man sich denken kann, bis zu Mistgabeln – es kommt alles vor. Einmal kommt sogar jemand mit einem Bügeleisen als Waffe in der Hand kurz ins Bild (wobei das nur im Hintergrund ist und ich das mehr als Zeichen dafür gesehen habe, dass der „Mob“ sich einfach alles geschnappt hat, was in Reichweite war). Ich kann nur wiederholen: Mehr Handlung gibt es nicht.

Mit viel gutem Willen könnte man auch sagen, der Film thematisiert, was mit einer verängstigten Bevölkerung geschieht, wenn sie in Panik gerät und versucht, Recht und Ordnung selbst in die Hand zu nehmen. Allerdings ist das sehr, sehr wohlwollend ausgedrückt, denn ja, das Thema kommt vor, und ja, es gibt natürlich ein unschuldiges Opfer, aber – ganz ehrlich – bei der Menge an Leichen in diesem Film fällt das im Grunde gar nicht weiter auf. Und ja, das ist so tragisch wie es klingt. Zumal der Film absolut nichts Neues zum Thema Lynchjustiz beisteuern kann und den Mob eigentlich nur als Grund nutzt, um den Bodycount zu erhöhen, denn Michael mordet sich eigentlich „nur“ durch alle, die er vor 40 Jahren am Leben gelassen hat. Warum und wieso? Keine Ahnung. Ist halt Michael. Wenn man so sagen will. Und ja, das ist spannend gemacht, super gefilmt, extrem brutal und – ich kann es nur wiederholen – wirklich spannend.

Immer vorausgesetzt man erwartet sich keine Überraschungen und – was bei diesem Teil hier extrem auffällt – man hält es gut aus, wenn Menschen absolut dumme Entscheidungen treffen. Denn so ziemlich alle hier treffen dumme Entscheidungen. Abgesehen davon, dass etabliert wird, dass Michael quasi eh nicht sterben kann (mal schauen, wie sie das im dritten Teil lösen), so wäre es ja zumindest sinnvoll, wenn man sich als Gruppe zumindest nicht aufteilt um einzeln(!) nach ihm zu suchen. Gerade jene, die vor 40 Jahren dabei waren (und es ist unglaublich wie oft im Film betont wird, dass sie vor 40 Jahren dabei waren. Weil vor 40 Jahren passierte etwas Schlimmes. Und die Überlebenden der vor 40 Jahren passierten Ungerechtigkeit kommen in diesem Film vor. Die sind jetzt älter, weil es gab vor 40 Jahren eine schreckliche Nacht. Und da waren sie dabei. Übrigens waren die dabei in dieser Nacht … ihr wisst schon: Vor 40 Jahren. Also vor 40 Jahren, da passierte was. Und da waren … schon genervt? Ja, so ging es mir im Film auch. Noch dazu sieht man(!) in Rückblenden, dass die Personen dabei waren …).

Und was der Film (zumindest bei mir) nicht geschafft hat: Die neuen Figuren haben mich alle völlig kalt gelassen. Ja, sie haben die Nacht vor 40 Jahren (hey! Wusstet ihr, dass vor 40 Jahren in dieser Nacht … nein, ich höre eh schon wieder auf) überlebt. Ja, das war ein Trauma. Und nein, ich hab mir nicht gemerkt, wer wer ist. Fans, die den ersten Film auswendig kennen, die werden vermutlich ihre Freude dran haben. Ich dachte mir nur: Muss man wirklich jede noch so kleine Rolle aus dem allerersten Film wieder aufgreifen und hier unterbringen? Aber egal.

Alles in allem geht es ja trotzdem nicht um Logik oder so, also lass ich das dumme Verhalten der Bevölkerung mal beiseite (wann hat Michael übrigens begonnen, seine Opfer in Dioramen zu arrangieren? Hab ich was verpasst?), akzeptiere zähneknirschend, dass Laurie quasi nicht vorkommt, frage mich, warum die letzte Szene sein musste und warum man diesen Mord so „arthouse“-mäßig künstlich gemacht hat, während man die anderen sehr klar in Szene setzte (ganz ehrlich: Wenn die Figur aus der letzten Szene im nächsten Teil wieder lebendig auftauchen sollte, ich würde es sofort akzeptieren, weil so wie diese Szene geschnitten ist … ich könnte nicht sagen, was da wirklich passiert ist), und dann – tja, dann ist „Halloween Kills“ ein ziemlich spannender, wenn auch extrem brutaler Slasher geworden. Aber nur dann.

Wenn ich nicht „Spannung“ als Maßstab nehme, sondern andere Dinge, wie Logik, Verhalten der Charaktere, Dialoge (auch im englischen Original) und so weiter, dann würde der Film weit schlechter abschneiden. Aber: Hey. Es ist Halloween. Im Grunde weiß man, was man bekommt.

Unter uns gesagt: Die beste Szene (von der Inszenierung her) ist die erste, als Michael aus dem Haus kommt, zwischengeschnitten mit Laurie, Karen und Allyson. Ich sag nur „No! Let it burn! Let it burn!“.

„Halloween Kills“ bekommt von mir, unter den oben genannten Gesichtspunkten, 7,5 von 10 Punkten.


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