Die beste aller Welten (Filmkritik)

Adrian (Jeremy Miliker) wächst bei seiner drogenabhängigen Mutter Helga (Verena Altenberger) auf. Die hat nicht nur eine sehr schräge und stark abhängige Truppe als Freunde oder besser: Bekannte, sondern auch das Jugendamt (oder neu: Kinder- und Jugendhilfe) im Nacken. Zumindest fühlt es sich für sie so an. Sie kämpft sich miesen Jobs durch und versucht so gut es geht ihrem Sohn ein halbwegs normales oder zumindest angenehmes Leben zu bieten. Dazu gehören gute Stimmung und Musik mit Gitarre am Lagerfeuer, aber auch Drogenparties bei denen alle absolut zugedröhnt herumliegen.

Und Adrian bekommt erklärt, dass es einen Dämon gibt, der die Leute dazu bringt, schlimme Dinge zu tun. Dass der Dämon nur eine Metapher ist und der Abenteuergeschichten liebende Adrian, dass vielleicht ein wenig zu wörtlich nimmt, ist eine andere Sache …

Ich habe nur Gutes über „Die beste aller Welten“ gehört und da bin ich dann schonmal aus Prinzip skeptisch. Wir hatten den Film seit Monaten Zuhause rumstehen gehabt und hatten irgendwie nie richtig Lust ihn uns anzusehen. Zu hart das Thema, zu deprimierend und zu düster. Dachten wir. Bis wir ihn doch unlängst gesehen haben und ich muss sagen: Alle Lobeshymnen sind berechtigt. Großen Respekt vor Adrian Goiginger, ser hier ein mehr oder weniger biografisches Stück Film geschaffen hat, welches eine ähnliche Ausgangslage hat wie viele andere, aber etwas schafft, was ein Film dieser Art bis dato (zumindest von denen, die ich kenne) noch nie geschafft hat: Er stellt die drogenabhängige Mutter nicht als schlechte Mutter dar, sondern als eine Mutter, die ein Suchtproblem hat und trotzdem das beste ist, was ihrem Sohn wohl passieren konnte. Es ist einfach in jeder Interaktion absolut auffällig, wie sehr die gute Frau ihren Sohn liebt.

Dass Helga immer wieder Rückfälle hat und mit ihrer Sucht immer wieder kämpft ist dabei Teil der Spannung, weil man immerzu wartet, dass etwas Schreckliches passiert (tut es auch, aber anders als erwartet) und es einfach ein Glücksgriff war, den Cast zu haben, den Goiginger hier versammelt hat. Allen voran ist Jeremy Miliker ein Wahnsinn. Der junge Mann spielt sich durch die Emotionen und alles davon ist absolut glaubwürdig und toll. Dem könnte man stundenlang zusehen und es würde nicht langweilig werden. Ganz abgesehen davon, dass er einfach auch die besten Dialoge im Film hat.

Verena Altenberger als seine Mutter steht dem wenig bis nichts nach und gibt alles. Von der Mutter, die absolut im Drogenrausch wegpennt, bis zu Panikattacken, weil der Sohn plötzlich verschwunden ist und Auftritten vor der Lehrerin, rausgeputzt und seriös: Die kann das alles locker.

Was ich aber am allermeisten an dem Film schätze ist der absolut ehrliche Umgang mit den Figuren. Da gibt es keine per se schlechten Menschen, es gibt nur Menschen. Und die sind mal gut und mal schlecht, auch wenn sie es vielleicht nicht immer so meinen. Es gibt absolut nachvollziehbare Szenarien und Reaktionen und keine Sekunde des Film ist irgendwie übertrieben oder langweilig. Das Jugendamt sind nicht die Bösen und die Drogenabhängigen nicht die Guten. Tatsächlich bemühen sich alle mit ihrem Päckchen durch das Leben zu kommen, die einen schaffen es besser, die anderen vielleicht auch gar nicht.

Ich hatte ein wenig Angst davor, wie der Film enden wird, weil wir ja alle wissen: Wenn Filme so gelobt werden in Österreich, dann sind es meist depressive Enden oder irgendwas mit Nazi-Aufarbeitung. In diesem Fall kann ich für beides Entwarnung geben. Die letzte Szene im Film ist eine der schönsten, die ich seit langem in einem Film gesehen habe und sie braucht nicht einmal Worte. Auch die Reaktionen von Leuten herum fand ich toll (so zB den Sanitäter, der fragt, was denn getrunken wurde und in der Panik erfolgt nur Gestammel, woraufhin der Sani sich zu der Person dreht und sie völlig überraschend und laut anbrüllt: „Antwort! Jetzt!“ Die Person gibt aus Reflex und Schock wie aus der Pistole geschossen die richtige Antwort, woraufhin der Sani sich – wieder völlig ruhig und nicht im Ansatz wütend, zum Kollegen umdreht und ihm sagt, was er als nächstes machen soll. Ich fand das eine grandiose Situation).

Was ist „Die beste aller Welten“ denn nun? In erster Linie eine Liebeserklärung von Adrian Goiginger an seine (mittlerweile verstorbene) Mutter. Und die funktioniert völlig ohne Überzeichnung, Pathos und Kitsch. Jede Sekunde im Film ist zu spüren, dass diese Frau ihren Sohn liebt und jeden Tag ihr bestes gibt. Nicht umsonst trägt auch das (sehr gute) finale Musikstück im Film den Titel „Fia Di“ (Für unsere deutschen Leser*innen: „Für dich“).

Ich hätte es nicht gedacht, aber „Die beste aller Welten“ ist tatsächlich so gut, wie alle gesagt haben. Teilweise schwer anzusehen (ich sage nur „Du trinkst jetzt!“-Szene), aber in Summe einfach ein wunderschönes Erlebnis. Danke dafür!

„Die beste aller Welten“ bekommt von mir 9,5 von 10 möglichen, mit einem grandiosen Cast einen grandiosen Film abliefernde, Punkte.


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