Outside the Wire (Filmkritik)

Im Jahr 2036 tobt ein Bürgerkrieg in Russland, während das amerikanische Militär vor Ort von Robotern unterstützt versucht, dem Widerstand mit Friedensmissionen zu helfen. Wegen Befehlsverweigerung wird der Drohnenpilot Harp (Damson Idris), genau in dieses Gebiet geschickt und Captain Leo (Anthony Mackie) zugeteilt. Dieser ist weder Mensch noch Roboter.

Er ist ein Prototyp, sieht aus wie ein Mensch, kann fühlen und auch eigene Entscheidungen treffen. Bei einer heiklen Mission, wird nicht nur Harps Fähigkeit auf die Probe gestellt, auch außerhalb seines sicheren Platzes hinter seinem Monitor zu überleben, sondern Leo trifft schon bald Entscheidungen, die Harp sofort hinterfragen muss. Doch was steckt wirklich dahinter und verfolgt Leo vielleicht eigene Ziele, von denen er Harp nichts erzählt hat?

Ich persönlich hatte mit den letzten Action/SyFy/Fantasy Netflix-Filmen (The Old Guard, Project Power und natürlich Extraction) aus dem Jahre 2020, sehr viel Spaß. Auch Outside the Wire von Regisseur Mikael Håfström (The Rite) mit Anthony Mackie (Point Blank) als Hauptdarsteller und Produzent, reiht sich in diese Gruppe ein, doch finde ich ihn klar etwas schwächer als seine Vorgänger. Um darauf eingehen zu können, werden nun auch einige Spoiler folgen.

Was ist er bzw. gibt es hier einen „Twist“? Eine neuartige Technologie, ein künstliches Wesen, dass auch selbst entscheiden kann. Was wird da wohl beim Finale passieren? Richtig, wie immer wendet sich die Maschine am Ende gegen den Menschen, weil sie ihn als wahren Feind erkennt. Das einzige, was man hier als Bonusebene erwähnen kann, ist dass sich der Hass der Maschine nicht gegen alle Menschen richtet, sondern nur gegen seine Schöpfer (aka Amerika) und ebenso gegen sich selbst.

Nimmst du aus einer Kriegsmaschine die Menschlichkeit heraus aka ersetzt du den menschlichen Soldaten durch einen Roboter, dann bleibt nur mehr der Krieg. Somit sieht sich Leo als Monster und will sowohl die Schöpfung als auch die Schöpfer töten. Dabei hatte ich einerseits dieses Gefühl: „nicht schon wieder das Maschine richtet sich gegen Menschen“ Prinzip, andererseits gibt es dann diese erweiterte Ebene, was sich frischer anfühlt.

Gleichwertig als Figur und eigentlich ist es auch seine Geschichte, ist die Entwicklung von Harp. Er isst lässig seine Gummibärchen, während er mit einem Knopfdruck mit seiner Drohne, über Leben und Tod entscheidet. Einigermaßen plakativ werden ihm dann die Auswirkungen seiner Arbeit vor Ort präsentiert. Ganz spannend ist die aufgeworfene Frage, ob zwei zu opfern und 38 zu retten, immer die beste Variante ist. Hätte man nicht versuchen können alle zu retten? Und was ist wenn eine Million Menschen sterben, um 100 Millionen zu retten, ist das dann auch in Relation noch in Ordnung?

Natürlich werden diese Fragen nicht geklärt, doch genau wie bei der Ebene mit der Kriegsmaschine, kommt man durchaus ins Grübeln. Was wirklich sehr gut funktioniert und auch so aussieht, sind die Action-Sequenzen, wenn Leo mit seinen speziellen Fähigkeiten, Soldaten und Roboter beseitigt. Das ist dynamisch, stylish, übersichtlich geschnitten, technisch einwandfrei, richtig cool anzusehen und vor allem niemals langweilig.

Anthony Mackie (Synchronic) hat eine starke Präsenz als Leo, er ist effizient und konzentriert, doch ist auch sein Sinn für Humor stark ausgeprägt. Was er für eigene Pläne verfolgt, darüber tappt man bis zum Finale im Dunklen, doch man spürt schon genau, dass es hinter seiner glatten Fassade, noch mehr gibt. Damson Idris (The Commuter) als Harp ist ein guter Gegenpart zu ihm, denn er glaubt er wüsste alles, ist jedoch einigermaßen unsicher und zu Beginn auch nicht durchgehend sympathisch.

Somit ist dies teilweise ein Actionfest mit Buddy-Dynamik, doch das ist nur die Fassade, denn man will schon eindeutig eine Antikriegs-Botschaft senden. Ob das so funktioniert oder nicht zumindest teilweise aufgesetzt wirkt, muss wohl jeder selbst entscheiden. Subtil ist auf jeden Fall etwas anderes. Gut gespielt, bestechend gefilmt und zum Nachdenken anregend ist das Gezeigte dennoch eindeutig und Schauwerte gibt es einige.

„Outside the Wire“ bekommt von mir 6,5/10 beim Kampf Mensch gegen Maschine, einen zumindest vorübergehenden Gewinner bestimmende Empfehlungspunkte.


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