Coma (Filmkritik)

Viktor (Rinal Mukhametov) erwacht in seinem Bett, steht auf und geht zum Kühlschrank. Doch irgendetwas ist anders als sonst, denn das Gebäude beginnt sich langsam aufzulösen. Als er nach draußen stürmt bemerkt er, dass auch sonst Nichts mehr so ist, wie er es in Erinnerung hatte. Er wandert neugierig und verloren durch die Straßen, bis ihn plötzlich ein seltsames Wesen anfällt.

Eine kleine Gruppe von Menschen rettet ihn jedoch und Fly (Lyubov Aksyonova) eröffnet ihm schließlich, dass er sich im Koma befindet und alle Menschen hier landen, die das gleiche Schicksal mit ihnen teilen. Viktor muss sich nun in einer völlig neuen Welt zurecht finden, in der ganz eigene Gefahren lauern. Wird er sich zurecht finden und gibt es eine Möglichkeit, wie man das eigene Erwachen in der realen Welt herbei führen könnte?

Mit „Coma“ liefert der russische Visual Effects Künstler Nikita Argunov (Guardians), sein Debüt als Regisseur ab. Dabei ist ihm ein faszinierender Trip in eine veränderte Version unserer Welt gelungen, die auf den Erinnerungen der im Koma liegenden Menschen basiert. Die Mischung stimmt insgesamt und auch wenn dies vor allem ein Film ist, der unterhalten möchte, kommt man doch auch gegen Ende ins Grübeln, weil man sich eine bestimmte Frage stellt.

Mit der fange ich dann auch gleich an. Ja, es gibt genug Menschen, für die nur genau die Welt in der wir leben zählt und nur das auch existiert, was man sehen kann. Was ist aber, wenn du keine Lebensqualität mehr hast, weil du dich nach einem Unfall nicht mehr bewegen kannst oder ständige Anfälle dich quälen? Was, wenn es als Alternative zum Warten auf den Tod das Koma gäbe, in dem die Zeit viel langsamer abläuft, man wieder „heil“ ist und sein Leben ohne Krankheiten führen kann?

Für die einen wird das nicht echt sein, doch einige werden ihre schweren Schicksale, durchaus dagegen eintauschen wollen. Vermittelt wird diese Welt, die auch ihre Probleme hat, mit beeindruckenden Bildern. Die in sich übergehenden Erinnerungen, die dazu führen, dass zum Beispiel ein U-Boot mitten in einer Halle mehr oder weniger im Wasser schwebt, die Straßen, bei denen Schwerkraft außer Kraft gesetzt bzw. umgedreht wird, da sind die Schauwerte schon enorm.

Nett und sehr sympathisch finde ich auch den (ich nenne es hier einfach mal) „Rollenspiel-Ansatz“. Was das bedeuten soll? Nun, was du im richtigen Leben warst, kann hier bei ein paar Menschen zu besonderen Fähigkeiten führen. So kann die Krankenschwester durch das Auflegen ihrer Hände heilen oder der Architekt Gebäude bauen, in dem er sich die Pläne dafür in seinem Geist vorstellt.

Für die emotionale Einbindung sorgen schließlich die Darsteller, die sichtlich Freude an der Arbeit haben. Rinal Mukhametov (Attraction, Attraction: Invasion) als Viktor ist der nette Verlierer-Typ, genau die Art von Held, den man anfeuert, damit er endlich sein Potential ausschöpft und sich nicht hinter Selbstmitleid versteckt. Ihm zu Seite steht Lyubov Aksyonova (Guardians of the Night) als Fly, die zielstrebig und mit starker Persönlichkeit mehr als nur ein „Unterstützungs-Charakter“ ist. Auch alle Anderen passen perfekt in ihre Rollen.

Als Ganzes gesehen somit ein Abenteuer, dass funktioniert auf mehreren Ebenen. Visuell anders und spannend und emotional Gedankengänge anregend, ob man sich für diese Art von Koma entscheiden würde, wenn man selbst in seinem Leben sich an einem sehr dunklen Ort befindet. Dass die Handlung sich dabei dann der bekannten „Suche nach dem paradiesischen Ort, an dem keine Gefahren mehr lauern“ widmet, stört den Unterhaltungswert kaum.

„Coma“ bekommt von mir 8/10 die Realität immer (?) bevorzugende Empfehlungspunkte.


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