Marvel’s Spider Man (Game-Review)

Peter Parker ist Spider-Man. Im Gegenzug um Marvel-Filmuniversum weiß das allerdings fast niemand, von Peters Ex-Freundin Mary-Jane einmal abgesehen. Tante May arbeitet in einer Einrichtung für Obdachlose (F.E.A.S.T.) und Peter arbeitet für Doctor Octavius, um wichtige Forschungen voranzutreiben. Idealismus pur.

Doch als Peter mit seiner Gönnerin in den Ränken der Polizei den Paten Fisk ins Gefängnis bringt, löst er damit eine Kette an Ereignissen aus, die sich noch bitter rächen werden. Denn das Machtvakuum, welches Fisk hinterlässt, lockt andere Übeltäter an und einer davon hat ein großes Hühnchen mit Norman Osborne, seines Zeichens Besitzer der Firma Oscorp und Bürgermeister der Stadt, zu rupfen und zögert auch nicht, zahllose Zivilisten für seine Rache zu opfern.

Und noch ehe Peter sich versieht ist Feuer am Dach oder besser: Die gesamte Stadt brennt und es fühlt sich tatsächlich nach einem verdammten Weltuntergang an …

Ich sag es gleich: Der Spider-Man-Fanboy hier ist mein Kollege Spideragent (falls euch der Name nicht Hinweis genug war). Ich kenne Spider-Man natürlich von früher aus Kindheitstagen, fand auch die Filme von Raimi und Webb (Amazing Spider-Man 2 fand ich großartig) zum Teil okay und zum Teil richtig gut.

Trotzdem war ich skeptisch ob dieses Spiels, denn so richtig Fan bin ich nicht und werde ich wohl auch nicht werden. Dachte ich. Wobei es so noch immer stimmt, denn ich glaube nicht, dass ich per se ein „Spider-Man“-Fan werde, aber ich bin ein Fan des Spider-Mans in diesem Spiel, wie generell von diesem Spiel hier, denn es ist wirklich großartig geworden.

Es wurde eh schon 1000de Mal erwähnt, ich sage es dennoch nochmals, denn ich konnte es nicht glauben: Hat man erst den Dreh raus, dann ist das Schwingen durch die grandiose Kulisse von Manhattan einfach ein Genuss. Wirklich. Ich habe nur 5 Mal die Schnellreisefunktion benutzt (weil man dafür ein Achievement bekommt), ansonsten bin ich überall per Netzschwung hin – ja, es macht wirklich so viel Spaß.

Dazu kommt die richtige Dosis an witzigen/sarkastischen/nachdenklichen Wortmeldungen von Peter, der sie immer wieder an Stellen einstreut und die bis zum Ende meiner Spielzeit (ich sag nur 100% …) nie genervt haben. Das Kampfsystem ist dynamisch und hat man auch hier erstmal raus, wie man mit den Gadgets, die Peter im Laufe der Zeit bekommt, gut umgeht, dann macht das richtig, richtig Spaß. Egal ob schleichend oder mit Knalleffekt durch die sprichwörtliche Vordertür – es gibt einfach nichts in diesem Spiel was sich nicht gut anfühlt (außer die Drohnenchallenge, die mochte ich nicht).

Die Story ist wie üblich so aufgebaut, dass alles immer weiter eskaliert und je später man in der Story ist, desto stärker werden die Gegner und desto mehr „Supergegner“ tauchen auf. Außerdem haben die Macher von Insomniac auch noch Miles Morales eingebaut, den man hin und wieder in kurzen Abschnitten auch spielt, genauso wie Mary-Jane, und die Kombination dieser verschiedenen Erzählstränge ist ebenfalls gut gelungen.

Von mancher Stelle habe ich gehört, dass die Stadt auf Bodenebene zu wenig belebt ist und die Menschen sich zu sehr optisch ähnlich sehen würde, aber ehrlich: So selten wie ich da unten zu Besuch war (erneut: Schwingen, yeah!) ist mir das selbst nicht aufgefallen. Und das Design von Manhattans Dächern und Häusern – wunderbar. Wirklich wunderbar. Wenn dann noch der ganze Sammelkram in der Gegend verteilt ist, es zwischendurch ein paar (sehr leichte) Logikspielchen (allesamt nach dem Tutorial optional), dann ist auch für Abwechslung gesorgt.

Apropos Abwechslung: Ihr könnt einen Haufen verschiedener Spider-Man-Kostüme freispielen, die allesamt verschiedene Fähigkeiten haben, die ihr jedoch nachdem Freischalten auch auf andere Anzüge übertragen könnt. Dazu braucht ihr mehrere Arten von Punkten, die ihr durch das Lösen von verschiedenen Nebenaufgaben bekommt. Dass die ganze Chose nicht monoton und/oder langweilig wird zeigt das gute Händchen der Entwickler*innen für Spielmechaniken. Die sitzen hier felsenfest im Spaßzentrum. Das ganze System fügt sich noch dazu wunderbar in die Welt und die Story ein.

Stichwort Story: Die DLC-Story „Die Stadt, die niemals schläft“ spielt nach der Hauptgeschichte, bietet im Grunde einfach mehr vom selben mit ein paar eingestreuten Storymissionen und neuen Charakteren bzw. Charakterentwicklungen, die – zumindest ich – so nicht kommen gesehen habe. Man liest zwar immer wieder Mal, dass Episode 2 einen Durchhänger darstellt, aber ehrlich: Ich fand sie von der Story her super. Wenn auch düster. Alles in allem fand ich den DLC richtig gut gelungen. Und das sage ich als einer, der die Minute nachdem er die Hauptstory abgeschlossen hat, gleich mit dem DLC weitergemacht hat. Von Übersättigung kann also – zumindest bei mir – keine Rede sein. Wenn es einen zweiten Teil gibt (der natürlich im Abspann angedeutet wird), dann immer her damit. Er braucht auch nicht besser sein als dieser Teil hier. Es reicht völlig, wenn er genauso gut wird.

„Spider-Man“ bekommt von mir 10 von 10 möglichen, alles aus anderen Open-World-Spielen klauende, aber fast perfekt zusammengesetzte, Punkte.


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