Best Of Worst Case: Guardians (Filmkritik)

Experimente während dem Kalten Krieg gehen ja selten gut aus. So auch in diesem Fall. Ein Wissenschaftler erschafft übermenschliche „Helden“, welche sich zurückziehen aus der Welt und untertauchen. Der andere erschafft wenig, dafür explodiert viel und er kann danach alle möglichen Dinge, die mit Strom betrieben werden, beherrschen.

Als die Russen automatische Panzer bauen, übernimmt der aus der Versenkung zurückgekehrte böse Mann die Dinger, zerlegt gleich mal alles rundherum und macht sich daran die Welt zu erobern. Also gibt es nur eine Lösung: Die alten „Übermenschen“ aka „Helden“ müssen gefunden werden und sie müssen die Welt retten.

Entgegen der Erwartung ist „Guardians“ nicht der russische Gegenentwurf zu den Superheldenfilmen von Marvel oder DC, sondern zu dem Trash-B-Movie-Hit „Iron Sky„. Denn der Ton der beiden ist ziemlich ähnlich, auch wenn der Russe an das finnische Vorbild nicht rankommt, so ist die Riesenportion Selbstironie einfach köstlich anzusehen und hat absolut seine eigenen Stärken, die dem Film eine Riesenportion Eigenständigkeit und Großartigkeit verpassen, vorausgesetzt man weiß, worauf man sich einlässt.

Mit der Erwartung einen Superheldenfilm zu sehen geht man unweigerlich baden und sollte nicht mal in die Nähe von „Guardians“ kommen, denn die Superkräfte sehen zwar teilweise sehr cool aus, aber wirklich bringen tun sie nicht viel. So sind die Übermenschen auch nicht unbedingt sehr intellgent, wenn ich das mal so sagen darf.

Die Action – wenn sie passiert – sieht cool aus, kann aber halt gegen die aktuellen Effektgewitter im Kino natürlich nicht an. Allerdings muss man auch anmerken, dass die Russen umgerechnet 6 Millionen US Dollar zur Verfügung hatten und wenn ich mir ansehe, was die daraus gemacht haben – da stinken die Amis in Bezug auf „Value For Money“ ziemlich ab.

Aber egal, denn worum es in „Guardians“ wirklich geht, ist leicht erklärt: Ein ironischer Blick auf die Welt wie sie jetzt ist und die Rolle von Russland darin und zeitgleich eine Abrechnung mit allen amerikanischen Superheldenklischees (Kameraperspektiven inklusvie). Und das alles mit einer (zumindest in der Synchro) riesengroßen Portion absolut trocken präsentierten Humors.

Beispiel gefällig?

  • „Panzer bewegen sich auf Moskau zu und da sie neu aussehen und funktionieren, können wir mit Sicherheit sagen: Sie sind nicht von der Regierung!“ – aus einem Nachrichtenspot.
  • „Die Leute flüchten aus der Stadt, weshalb es überall Staus gibt – für viele beruhigend, weil es sie an ihren normalen Alltag erinnert“ – aus einer Nachrichteneinspielung.
  • „Sie sind dran, Latrine.“ – „Mein Name ist Larina. Und ich hätte ein Anliegen.“ – „Ja?“ – „Dürfte ich ihre Toilette nutzen?“ – Dialog am Anfang des Films.
  • „Diese Panzer zielen und schießen selbständig – und nach jedem Treffer bekommen sie ein SMS“ – Erklärung wie die High-Tech-Panzer funktionieren.
  • „Wir haben den Bösewicht gefunden – er war kurz auf Facebook eingeloggt. Die CIA hat uns angerufen und seinen Standort mitgeteilt. Die waren uns noch was schuldig wegen Trump und so.“
  • „Wir sollten die X-Men rufen und ein Bier trinken gehen“ – „Das geht nicht.“ – „Warum nicht?“ – „Die sind schon wieder in einer anderen Zeitlinie.“
  • „Ich habe meinen Bruder Wade getötet.“ – „Wade … Wilson?“ – „Ja.“ – „Sorry, dir das sagen zu müssen, aber der lebt. Der hat gerade vor ein paar Monaten einen extrem erfolgreichen Film gedreht.“
  • „Wir haben ihnen einen Anzug gebaut, der sie besser schützt und ihre – ganz ehrlich – sehr beeindruckenden Bauchmuskeln betont.“ – beim Anprobieren der „Superheldenkostüme“.

Und da gibt es noch Dutzende Beispiele mehr. Wer also diese Art von Humor mag (Hier! Ich! Ich!), der oder die kommt bei „Guardians“ auf seine/ihre Kosten. Zwischendurch kommt man natürlich ohne tragische Charaktermomente nicht aus (Der Wer-Bär hat Angst für immer ein Bär zu bleiben, der unsterbliche Stein-Mann hat all seine Liebsten zu Grabe tragen müssen), ich bin mir aber nicht sicher, ob die nicht auch ironisch gemeint sind, weil sie a) aus dem Nichts kommen, b) absolut keinen Beitrag zur Handlung leisten und c) nur unterstreichen wie platt und dünn die „Charaktere“ sind.

Die Story ist so genauso platt und die Gefahren, die lauern sind so austauschbar und so offensichtlich keine Gefahren für die Helden, wie es nur geht. Da wird ein Wissenschaftler angekarrt, der meint, wenn sie ihre Kräfte verbinden, dann können sie den Bösewicht besiegen – aber: Wenn sie was falsch machen, dann könnte das ihr Tod sein. Mhm. Okay. Wie überraschend.

Wie funktioniert diese „Die Vereinigung der Kräfte“? Richtig. Sie geben sich mehr oder weniger die Hände. Wow. Was da alles schiefgehen kann. /sarcasmoff. Diese Dinge werden nicht kommentiert, aber so plakativ oft betont – das MUSS Satire sein. Oder der Dialog darüber, warum der Böse einen Riesenturm baut – ob er damit was vorhat, oder ob er einfach der Welt beweisen will, dass er „den Größten“ hat – großartig trocken und witzig. („Los – brechen wir auf! Wir müssen zum …“ – fällt ihr ins Wort „Phallussymbol“ – „Was? Nein. Zum Turm.“ – (wiederholt) „Phallussymbol.“).

Es gilt also: Wer einen „ernsten“ Superheldenfilm will: Finger weg. Wer den schrägen, durchgeknallten, skurrilen und völlig staubtrocken präsentierten Humor von „Iron Sky“ mochte: Schlagt zu – ihr werdet verdammt viel Spaß haben. Allein die Sequenz in der die Russen das Internet nach ihren Superhelden durchsuchen und diverse Vorkommnisse präsentieren und kommentieren ist – wenn man sich ein wenig mit den Superheldenfilmen der letzten Jahre beschäftigt hat – großartig und absolut witzig („Wade Wilson hat ein perverses Video auf Facebook gepostet … aber Zuckerberg hat es gelöscht“).

Best Of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: Story, Dialoge):
Dieser Film ist ein Must-See für alle Fans von B-Movies und Trashfilmen. Der trockene Humor, die vielen Anspielungen auf die (technischen) Verfehlungen Russlands, auf die Amerikaner, auf Superhelden-Klischees – einfach großartig.

Fazit: Sicher nicht für alle geeignet, aber für Menschen, die etwas mit dem hier bereits mehrfach erwähnten und an dieser Stelle absolut empfohlenen „Iron Sky“ anfangen konnten – unbedingt reinschauen!

Guardians


von Sarik Andreasyan [-]
Preis: EUR 3,99


von - [-]
Preis: -


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