Best of Worst Case: Iron Sky (Filmkritik)

Die amerikanische Präsdentin stellt sich der Wiederwahl und nachdem schon lange kein Ami mehr am Mond war, ist es ein guter PR-Trick genau da hinzufliegen und ihn als Besitztum der USA zu deklarieren. Dummerweise werden die beiden Astronauten dabei von einer Gruppe Nazis erwischt, die sie für eine Vorhut einer Invasion halten. Denn im Jahr 1945 hat sich ein Teil der deutschen Streitkräfte auf die dunkle Seite des Mondes zurückgezogen, um dort ihre Invasion zur Erde vorzubereiten und die größte Vernichtungswaffe namens „Götterdämmerung“ zu bauen.

Deshalb senden die Mond-Nazis zwei ihrer Leute und einen scheinbar „umgepolten“ Ami zur Erde, um Energiequellen aufzutreiben, welche die „Götterdämmerung“ aktivieren können, damit sie die Erde endgültig unterjochen können. Und das passt auch der Frau Präsidentin sehr gut in den Kram, schließlich ist noch jeder Präsident wiedergewählt worden, solange er nur einen Krieg vom Zaun gebrochen hat …

Iron Sky Film Crew

Also was an „Iron Sky“ alles an Ideen drinsteckt ist unglaublich – der Film ist zwar Trash in Reinkultur, dafür aber fast perfekt gemacht. Aber eins nach dem anderen: Zuerst einmal sieht der Film verdammt gut aus. Die Effekte sind zwar klar als solche zu erkennen, sind aber mit viel Liebe zum Detail gemacht worden und die große Raumschlacht am Ende braucht sich vor einigen anderen aktuellen Sci-Fi-Filmen (*hust* Darkest Hour *hust*) nicht verstecken – da weiß man, wo das Geld hingeflossen ist.

Vom Drehbuch kann ich auch nur schwärmen – anfangs sind ein paar Längen in der Handlung, die aber spätestens mit dem „Arisierer“ verpufft sind – was da alles an Anspielungen, Wortmeldungen und Doppeldeutigkeiten über den Schirm huscht, ist schon erste Sahne. Und ich ziehe meinen Hut vor den Machern, die keine Kompromisse eingangen sind und so ziemlich allem und allen ans Bein pinkeln:

  • Sei es vom „schwarzen Ami“, der auf den Mond geschickt wird, weil er halt schwarz ist und sich das gut verkaufen lässt (der dann „arisiert“ wird und wie eine – ich zitiere: Schneeflocke – rumläuft)
  • einem Raumschiff zur Marserforschung (namens „George W Bush“), das sich als mit Atomraketen gespickt herausstellt
  • das Entsetzen der „alten Nazis“ über eine Gruppe Skinheads, die sich auch Nazis nennen
  • den Größenwahn mancher Kulturen („Ich gestehe hiermit, dass unser großer Führer diese Raumschiffe mit seinen eigenen Händen erbaut hat und-“ Alle lachen. „Jaja, schon gut, Nordkorea – setz dich wieder hin“)
  • die politischen peinlichen unglaubwürdigen Versprechen („Wer hat seine Raumschiffe, wie vereinbart NICHT bewaffnet?“ Finnland hebt die Hand, peinlich berührt. „Aha!“ „Aber ihr Amis habt euer Wort ja auch gebrochen!“ Antwort: „Ja, aber WIR tun das IMMER! So sind wir nunmal!“)
  • bis hin zu der Gehirnwäsche der Nazis
  • den plumpen Wahlkampfreden der Politiker
  • und dem blöden Volk, das darauf reinfällt

wird hier alles durch den Kakao gezogen. Manches eher subtil im Hintergrund, manches mit der Faust aufs Auge. Auch wenn viele Witze (verdientermaßen) auf Kosten der USA gehen („Und ihr seid sicher, dass ihr eine Militäraktion startet und nicht aufgrund der Rohstoffe hinwollt? Wie wir alle wissen verwechselt ihr das gern mal …“).

Am besten ist der Film, wenn er einfach auf seine irre Idee baut und diese super ausspielt – etwas später wird er ein wenig bombastisch und zu einer (kurzen) Effektorgie – das passt nicht so gut ins Konzept, ist aber schön anzuschauen und dauert nicht lange. Wer einen ernsten Film erwartet – und wer könnte das bei dieser Story? – wird mit Tränen in den Augen und Wut aus dem Kino kommen, aber alle die die Grenzen ihres Humors testen mögen und über politische Anspielungen, Situationskomik, Slapstick und absolut – zwischen den Zeilen lesbare – köstliche Dialoge genießen kann, sollte bitte diesen Film anschauen. Und das Ende, ja das Ende hat es in sich.

„Iron Sky“ ist ein verdammt gelungener Trash-Film, der meiner Meinung nach dem Hype gerecht wird – immer mit dem Vorwort: TRASH-Film. Also nicht zu viel erwarten und einfach die schrägen Ideen wirken lassen. Dann kann man den Film auch genießen – im Unterschied zu den meisten anderen Trashfilmen darf man aber hier auch sogar hin und wieder das Hirn einschalten.

„Iron Sky“ bekommt von mir 8,5 von 10 die Erde übernehmen wollende Invasionspunkte.

Best of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: Idee):
Ansehen. Punkt. Technisch einfwandfrei. Witzig und politisch nicht korrekt. Zum Gernhaben.

Fazit: Kaufen. Ansehen. Lachen.

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