Best Of Worst Case: Extinction – The G.M.O. Chronicles (Filmkritik)

Ein Retrovirus, das eigentlich als Werkzeug der industriellen Gentechnik konzipiert war, ist außer Kontrolle geraten und verbreitet sich nun rasant, während es wahllos alle Organismen unseres Ökosystems miteinander kreuzt: Pflanze mit Tier mit Mensch. Dabei erweisen sich die meisten Pflanzen als resistent gegen die komplexere DNA von Mensch und Tier umgekehrt führen jedoch die einfachen Gene der Pflanzen vor allem beim Menschen zu grotesken Mutationen, in den meisten Fällen sogar zum Tod. Innerhalb einer Woche wurden so 90% der Menschheit ausgelöscht und der Rest kann nicht mehr unbedingt als Menschen bezeichnet werden. Jedoch blieb ein verschwindend geringer Bruchteil der Erdbevölkerung resistent gegen das Virus und versucht nun, in diesem radikal neuen und sich ständig verändernden Ökosystem seine Nische zu finden.

Tom Keller ist einer dieser Überlebenden und hat sich auf einer alten Militärbasis in der Eifel verschanzt. Nach und nach stoßen noch weitere Resistente zu ihm, und gemeinsam gelingt es ihnen, ein wenig Fuß in dieser neuen Welt zu fassen. Doch die G.M.O.s die genetisch modifizierten Organismen entwickeln sich ständig weiter, und schon bald bietet der Zaun der Basis keinen Schutz mehr. Zudem bahnt sich unbemerkt eine zweite Katastrophe an: Den Notstromaggregaten der Atomkraftwerke geht der Treibstoff aus, und ohne Kühlkreisläufe drohen weltweit zahllose Kernschmelzen.Und so bleibt den Überlebenden nichts anderes übrig, als ihre Trauer und ihre Differenzen beiseite zu schieben und gemeinsam nach einer neuen Heimat zu suchen.

Extinction

Was sich die Macher von „Extinction – the g.m.o. chronicles“ gedacht haben, kann ich nur erahnen. Was sie sicher aber sicher nicht gedacht haben ist: „Wir machen jetzt einen Film ohne Klischees, der coole Ideen bietet, starke und tiefe Charaktere, sowie eine spannende Geschichte.“ Oder okay, vielleicht haben sie sich das sogar gedacht. Aber rausgekommen ist etwas ganz, ganz anderes.

In kurzen Sätzen beschrieben, kann man „Extinction“ darauf reduzieren, eine wilde Mischung von Szenen aus an sich guten Filmen zu sein, die leider absolut nicht zusammenpassen und von einer Darstellerriege getragen wird, die zwar sicher Spaß am Dreh hatte, aber leider ein zu plattes Drehbuch. Was rausgekommen ist eine Art „Rosamunde Pichler“-Version eines „Zombiefilms“. Soll heißen: Schöne Landschaftsbilder und die „Production Value“ der Effekte ist sicherlich auf sehr hohem Niveau, da gibts nichts zu diskutieren. Auch die Monstertypen sind sehr gut gemacht und sehen gut aus – die ins bläulich, kalte gehende Farbgebung des Films sieht auch sehr klasse aus, aber die Szenen, liebe Leute, die Szenen …

Was sich in den Szenen abspielt ist eigentlich zu einem großen Teil dermaßen platt und peinlich, dass es sogar noch nicht einmal mehr witzig ist. Zum Beispiel dieser eine ruhige Moment, in welchem Hauptperson Tom Keller mit seiner „Love Interest“ über die Basis wandert und über ihre schlechten Väter sprechen … ich meine, wer schreibt solche Dialoge? Das tut ja schon beim Hören weh, wie weh muss das beim aktuellen aussprechen tun? Was hier alles an Klischees zusammenkommt … ich muss meine Aussage von vorhin zurückziehen: Rosamunde Pichler würde verblassen vor Neid.

Sicher verstecken sich in dem Film ein paar gute Ideen – ein Charakter zum Beispiel der nur im Schutzanzug rumläuft, weil er schon immer der Meinung war, dass sowas passieren würde. Oder ein Überlebender, der in einem Raum gefunden wird und auf die Frage, wovon er sich ernährt hat, eine sehr offensichtliche Antwort gibt, etc. Das sind Momente, in denen man Hoffnung schöpft, dass der Film doch noch gut werden, das Ruder noch herumgerissen werden kann – aber dann kommt sofort die nächste Szene und macht alles wieder kaputt. Alleine am Anfang des Films als Tom Keller zu einem Freund fährt und … ach, das hätte eine tragische Szene werden können, hier wird aber nur auf „Keller ist eine harte Sau“ gemacht. Generell ist der ganze Film auf die Figur / den Schauspieler des Tom Keller zugeschnitten … was dem ganzen nicht gut tut.

Angeblich wurde der Film mit einem Budget von rund € 100.000,– verwirklicht und da kann ich nur sagen: Hut ab. Wie bereits erwähnt, kann man über die Kamerarbeit und die Bilder nichts Schlechtes sagen – die sehen super aus. Aber wie so oft leider, mangelt es auch hier an drei grundlegenden Dingen:

Das Drehbuch ist von A bis Z geklaut und es ist einfach nicht lustig, bereits immer zu wissen, was als nächstes kommt, nur um hin und wieder mal negativ(!) überrascht zu werden. Dann das hölzerne Schauspiel, was ich allerdings darauf zurückführe, dass die Schauspieler sich streckenweise einfach nicht bemüht haben, die Dialoge irgendwie richtig „gut“ zu spielen, weil es bei den Dialogen streckenweise ja wirklich egal ist. Und drittens: Ich kann mir vorstellen, dass man stolz drauf ist, diesen Film gemacht zu haben, aber in jedem Lehrbuch für Regie und Cutter steht: If you can cut it – cut it! Und das gilt hier besonders. Wenn man den Film auf 90 Minuten (oder noch kürzer) gestutzt hätte, wäre es vielleicht ein kurzweiliger, spaßiger und flotter Film geworden, der völlig ohne die unnötig peinlichen Dialoge und die Pseudo-Tiefgründigkeit der Charaktere auskommt.

Was in dieser Form unter Strich bleibt ist ein visuell handwerklich gut gemachter Film, bei dem man sich umso mehr ärgert, dass nicht mehr Wert aufs Rundherum gelegt wurde. Man trachtete nach „Epik“ und endete bei „peinlich“. Warum auf dem Cover übrigens ein Vergleich mit „Herr der Ringe“ gezogen wird, kann ich mir übrigens bis heute hin nicht erklären …

„Extinction – The Genetically Mutated Organisms Chronicles“ bekommt von mir 4 von 10 die Welt vor dem Aussterben rettende Style-Punkte.

Best of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: Machart, Drehbuch):
Ein Lehrstück von einem Film, wie es nicht sein sollte. So etwas kommt raus, wenn Deutsche versuchen einen Ami-film zu machen und Hollywood zu kopieren. Sorry, so geht das nicht. Wenn auch da Artdesign super ist.

Fazit: Langwierig und langweilig.

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