Prototype 2 (Game-Review)

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Ohne Rücksicht auf Verluste bahnt sich in „Prototype 2“ der Militärler James Heller seinen Weg durch New York. Wie schon im ersten Teil des Action-Krachers sind es Hellers überbordende Superkräfte, die nicht nur für ein riesiges Gemetzel, sondern auch für nackte Unterhaltung sorgen. Einzige Bedingung, um „Prototype 2“ als das, was es ist, zu genießen, ist, das eigene kritische Denken (und etwaige Gefühle der Empathie mit unschuldigen New Yorker Passanten) ein wenig zurückzuschrauben und sich auf das Feuerwerk einzulassen, das sich in rasanter Geschwindigkeit vor den eigenen Augen entfaltet.

Über den Plot gehen die Meinungen auseinander, zumindest erwecken Rezensionen wie diejenige auf der IGN-Webseite diesen Anschein. Die erzählte Handlung sei brüchig, heißt es dort; man kaufe es Heller nicht ab, angesichts seines rüden Auftretens jemals eine Familie gehabt zu haben; außerdem bleibe unklar, weswegen der vermeintliche Hauptgegner James Mercer eigentlich auf die Idee kommt, Heller mit übermenschlichen Fähigkeiten auszustatten, wo dieser doch Mercer einen Kopf kürzer machen wolle.

Unsere eigenen Erfahrungen mit „Prototype 2“ fallen jedoch viel Positiver aus, was die Handlung und das Storytelling des Titels angeht. Nicht nur ist es einfach falsch zu behaupten, Mercers Vorgehen sei nicht nachvollziehbar, die Erzählweise wartet hingegen sogar mit vielen gut gemachten Flashback-Sequenzen auf, die allesamt die Figur Hellers greifbar und plausibel machen – zumindest so plausibel, wie es angesichts der Grundausrichtung von „Prototype 2“ überhaupt geht. Denn dass man es nicht gerade mit einem braven Kinderspiel, sondern einem völlig überdrehten Superhero-Erlebnis zu tun hat, zeitigt natürlich auch jenseits des unmittelbaren Gameplays Folgen.

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Über den Grund dafür, dass sich Stimmen kritisch zum Plot äußern, können wir nur Vermutungen anstellen. Denkbar wäre, dass die Rezensenten den „Radnet-Code“, der dem neu gekaufen Titel beiliegt, nicht vor Spielbeginn eingelöst haben. Denn offenbar dient der nur 100 KB große Download dazu, bestimmte in den Spielverlauf integrierte Teilbereiche freizuschalten. Möglicherweise sind davon auch die erwähnten Filmclips betroffen, die das Gesamterlebnis reichhaltiger machen. Wer „Prototype 2“ nicht gebraucht, sondern „frisch“ kauft, sollte daher unbedingt vor Spielstart einen Ausflug in den Playstation Store oder hinüber auf den xBox Marktplatz machen.

Für all jene, die bereits den ersten Teil, also „Prototype 1“ gespielt haben, birgt der Ansatz des Zweitlings keine großen Überraschungen. Wie gewohnt ist die Hauptfigur dermaßen überdrüber, dass der Spieler das Gefühl bekommt, mit Leichtigkeit jede nur denkbare Herausforderung annehmen zu können. Schnell mal auf einen Wolkenkratzer klettern, ein paar Passanten massakrieren, ein paar grauslich aussehende Gegner um die Ecke bringen – das alles geht genauso leicht von der Hand wie es völlig sinnfrei ist. Und es ist tatsächlich dieser Aspekt des sich-total-austoben-Könnens, der „Prototype 2“ zu einem ganz speziellen Spielgenuss macht.

Die Rahmenbedingungen für ein spaßiges Spielerlebnis sind gut: Selbst auf der mitunter problembehafteten PS3 sieht alles tip-top aus, von einigen wenigen Problemen mit der Framerate abgesehen. (Die Installation ist auf Sonys Konsole ebenfalls angenehm kurz.) Nicht nur die Optik, sondern auch die Musik ist von hoher Qualität und lässt erahnen, dass mit viel Sachverstand und vor allem auch genügend Entwicklungszeit gearbeitet wurde. Kleinigkeiten wie die Verwendung echter Trommeln im Score oder die Differenziertheit in der Aussteuerung der Controller-Vibrierfunktion sprechen eine deutliche Sprache, die wir gerne hören. Ach ja, was wir auch gerne hören, ist 5.1-Ton, der in „Prototype 2“ geboten wird – Super Sache!

Am Schluss noch eine Randnotiz: Die Entwickler von Radical Entertainment haben sich entschieden, Heller als Afroamerikaner in Szene zu setzen. War hier ein Motto ausschlaggebend wie etwa „Solange Obama noch Präsident ist, brauchen wir auch mal einen zünftigen, gewaltbereiten, schwarzen Superhelden“? Wie auch immer, das Resultat ist natürlich in Ordnung, und vor dem Abgewählt-Werden braucht sich Heller auch nicht zu fürchten…

„Prototype 2“ wird alle jene zufrieden stellen, die sich eine verbesserte Fortsetzung des ersten Teils gewünscht haben. Wir geben dem Spiel 8,5 von 10 Punkten.


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