Project Power (Filmkritik)

Eine Droge, die von diversen Dealern überall in New Orleans verkauft wird und den Konsumenten für jeweils fünf Minuten unberechenbare Superkräfte verleiht? Da hat die Polizei keine Chance mehr und ein einzelner Mann, kann da ein ganzes Squad auslöschen. Frank (Joseph Gordon-Levitt) ist Cop und auch er schluckt bei Bedarf eine dieser Pillen, um eine Chance gegen diese neue Art von Gegnern zu haben.

Dabei bekommt er seinen Vorrat von der jungen Dealerin Robin (Dominique Fishback), die zur Zielscheibe des Exsoldaten Art (Jamie Foxx) wird. Der wiederum wird von der Polizei gesucht, da er mit dem Ursprung der Pillen in Verbindung gebracht wird. Doch Art möchte nur seine entführte Tochter zurück bekommen und so müssen er, Robin und Frank ein Team bilden, um gegen die übermächtigen Drahtzieher im Hintergrund eine Chance zu haben.

Die beiden Regisseure Henry Joost und Ariel Schulman (Nerve) arbeiten bei all ihren Projekten zusammen, so auch bei diesem neuen Blockbuster von Netflix, der 85 Millionen Dollar gekostet hat. Was man hier bekommt ist dann ein unglaublich kurzweiliges, optisch ansprechendes und mit Sogwirkung ausgestattetes Spaß-Produkt (wirklich, selten vergehen beinahe zwei Stunden so schnell wie hier), dass bekannte und etablierte Themen nimmt und diese irgendwie in ein Gewand packt, das sich frisch anfühlt.

Dabei ist das Ganze ein schöner Spiegel, auf die Gesellschaft und das Individuum bezogen. Wir wären gerne mehr als wir sind, besser und stärker, warum also nicht gleich Superkräfte? Am Besten natürlich ohne jeglichen Aufwand, also ist Kraft in Pillenform eindeutig perfekt. Nach fünf Minuten ist diese dann verpufft und der nächste Kick muss her. Erwartet wirklich jemand was anderes von unserem Instant-Lebensstil? Und die wahre Macht bekommen hinter den Kulissen schließlich die, die diese sowieso längst besitzen.

Also das ist nun überhaupt kein Gegensatz zu meinen eingangs erwähnten Worten, denn man spürt diese Gedanken und muss lächeln, aber zum Nachdenken kommt man nicht bzw. soll das auch gar nicht. Denn sonst würden wohl auch moralische Gedanken kommen, etwa die über den Cop, der selbst die Pille nimmt und von einer jungen Dealerin kauft und ohne Zweifel als einer der Helden dargestellt wird. Oder über Jamie Foxx Figur und wie er immer wieder Leute bedroht und tötet, auch Robin entführt und dennoch der zweite Hero ist. Freilich ist das beim Betrachten völlig egal, ich wollte es nur gesagt haben.

Optisch ist die Sache extrem ansprechend und die gewählten Perspektiven schaffen es auch immer wieder, dass man sich als Zuschauer in den Action-Momenten integriert fühlt (wartet auf die Szene mit der Eislady im Tank, wo von innen der draußen stattfindende Kampf gefilmt wird). Die Effekte sind top und beim Finale drücken sie auf perfekte Weise den Ausbruch der aufgestauten Gefühle einer der Hauptfiguren aus.

Freude hat man auch mit der Vielfalt, denn keine Kraft wird zwei mal gezeigt. Selbstheilung, Feuer-und Eiskräfte, biegsame Glieder, riesiges Wachstum, Knochen als Waffen, das alles kennt man aus der Superheldenwelt (hallo X-Men) und hat hier ihren Ursprung in der Tierwelt. Was ist nun eigentlich die Botschaft hier? Du bist nichts ohne künstlich herbei geführte Kräfte? Nein, die Messsage ist viel schöner und wird durch Robin (Dominique Fishback aus „The Hate U Give“) thematisiert.

Finde etwas in dem du richtig gut bist, besser als alle Anderen – deine persönliche Superkraft – baue darauf auf und halte daran fest. Robin hat selbst nie eine Pille genommen, doch sie ist Rapperin und beherrscht die Macht der Worte. Schön wie Fishback dieses Erwachen spielt, wo sie die Schüchternheit immer mehr ablegt und den Kampfgeist ausbaut. Jamie Foxx (Robin Hood) als Art ist ein Mann mit einer Mission und in Sachen Coolness, kann ihm wirklich keiner das Wasser reichen.

Am meisten Spaß hatte ich (und wohl auch er selbst) mit dem von Joseph Gordon-Levitt (Snowden) gespielten Frank. Draufgänger-Cop mit großem Herzen, losem Mundwerk, Clint Eastwood Zitaten und wenn er eine Pille schluckt, dann wird seine Haut kugelsicher, was will man eigentlich mehr von einem Bullen? Richtig, mit diesem Mix kann man nur wunschlos glücklich sein. Darstellerisch und visuell eine Wucht und von den Botschaften zum Diskutieren anregend, auch hier bin ich mit dem Paket äußerst zufrieden.

Falls es weiter geht – und es scheint sich hier um einen Hit zu handeln – dann haben die Macher laut Interview die Idee, die Story der Pillen in diverse andere Genres zu verlegen. Also wie könnte man zum Beispiel einen Horrorfilm machen, der sich rund um Superkräfte verleihende Pillen dreht? Da hätte auch ich schon einige Ideen und ich finde den Ansatz sehr interessant, auch wenn man die Figuren hier mag und gerne mehr von ihnen sehen würde.

„Project Power“ bekommt von mir 8,5/10 die Macht in den meisten Fällen alles andere als weise nutzende Empfehlungspunkte.


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