Incarnate (Filmkritik)

Dr. Ember (Aaron Eckhart) hat eine Gabe: Er kann sich in die Gedanken von anderen Menschen hineinversetzen. Also nicht im Sinne von Empathie, sondern wirklich seinen Geist in den Geist der anderen transportieren. Das hilft ungemein, da es in der Welt Dämonen gibt, die Besitz von Menschen ergreifen und diese zu willenlosen Puppen machen.

Mit einem dieser Dämonen hat Dr. Ember eine Rechnung offen und wie es aussieht hat dieser Dämon, gemeinhin „Maggie“ genannt, Besitz des jungen Cameron (David Mazouz) ergriffen. Nun liegt es an Dr. Ember und seinem Team, den Dämon auf immer zu verbannen …

Warum funktioniert etwas in einem Film und in einem anderen Film nicht? Hm. Das ist immer wieder eine gute Frage und liegt natürlich, wie so oft, am Drehbuch und an der Inszenierung. So ist das Ende dieses Films sehr stark vom wohl bekanntesten „Exorzistenfilm“ überhaupt geprägt, nur das ich hier bei „Incarnate“ emotional eher mit einem „aha“ reagiert habe. Schade eigentlich.

Aber gehen wir einen Schritt zurück: Der Film beginnt nämlich ziemlich cool und hat fast schon „Constantine„-Flair. Ein Mann betritt eine Bar. Zeitlupen. Alles ist stylisch. Die Musik „Sail“ von AWOLNATION donnert aus den Boxen. Perfekt inszenierte Coolness.

Und dann baut der Film ab. Denn so gut wie die erste Szene wird er die ganze Laufzeit über nicht mehr. Das wäre ja halb so schlimm, denn Coolness ist ja auch nicht das erste, was man bei so einem Film erwarten würde. Schlimm ist es allerdings, dass versucht wird die fehlende Coolness durch Drama und „erschütternde Enthüllungen“ auszugleichen und selbst das nur leidlich funktioniert.

Aaron Eckhart spielt super und man glaubt den guten Mann im Rollstuhl tatsächlich, dass er Rollstuhlfahrer ist. Auch sind ein paar seiner Szenen wirklich gut geworden, als er etwa einen Vater, der sich nicht für seinen Sohn interessiert und die Frage stellt, warum er helfen sollte ein „Because your(!) son(!) needs you!“ entgegenschleudert und ihn vom Sessel kippt, um ihn gleich darauf wütend mit einer Hand an der Gurgel von Angesicht zu Angesicht zu zeigen, dass ihm dessen Verhalten so überhaupt nicht passt.

Auch ein oder zwei unerwartete Reaktionen/Jump Scares gab es, die mich durchaus kalt erwischt haben, aber ganz im ernst: In Summe ein Film von der Stange, der sich übrigens auch um seine eigene, interne Logik nicht so viel schert bzw. hat man vielleicht während dem Dreh das Drehbuch geändert, aber von „ich konnte im Schlaf in den Geist von anderen eindringen“ bis hin zu „ich muss eine Nahtod-Erfahrung haben, damit ich etc“ ist es halt doch ein weiter Weg und vor allem ein großer Unterschied.

Wie dem auch sei: Irgendwie schienen die Macher nicht so richtig gewusst zu haben, wo sie hinwollten und damit bleibt auch die Emotion bzw. die Spannung ein wenig auf der Strecke. Eckhart ist super und spielt auch gut – vor allem seine grummeligen Momente fand ich toll.

Nettes Detail: Der junge Cameron wird von niemand anderem als David „Bruce Wayne“ Mazouz gespielt. Da war er allerdings noch eine ganze Ecke jünger und – ganz ehrlich – viel zu tun hat er nicht gerade.

Alle anderen Figuren sind da, bleiben aber blass und so richtig zünden will die ganze Sache nicht. Sicher – so richtig langweilig wird es auch nie, aber es ist sicher kein Film über den man nach zwei Tagen noch spricht, eher ein Film der Kategorie „Hast du was Neues gesehen?“ … „Nein, eigentlich … ach, doch. Diesen einen Film mit dem Gotham-Batman.“ … „Und wie war er?“ … *grübel* „Eh ganz okay. Man verpasst aber nix, wenn man ihn nicht sieht.“

Kurz gefasst: Das Erwähnenswerteste an dem Film ist, dass Aaron Eckhart in „The Dark Knight“ Two-Face gespielt hat und David Mazouz in der Gotham-Serie den jungen Bruce Wayne spielt. Und die beiden sind hier gemeinsam vor der Kamera. Mehr ist hier tatsächlich nicht erwähnenswert, merke ich grade.

„Incarnate“ bekommt 5 von 10 möglichen, so vor sich hinplätschernde, Punkte.


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