Power Rangers (Filmkritik)

Der gefallene Star-Football Spieler Jason (Dacre Montgomery), muss nach einem verpatzten Streich das restliche Schuljahr über nachsitzen. Dort sieht er mit Kimberly (Naomi Scott) und Billy (R.J. Cyler) zwei bekannte Gesichter wieder, obwohl er beide nur flüchtig kennt. Gleich an seinem ersten Tag hilft Jason Billy bei einem Experiment in der örtlichen Goldmine, wo sie zufällig auch auf Kimberly stoßen.

Gemeinsam mit dem leicht verrückten Zack (Ludi Lin) und der Außenseiterin Trini (Becky G.) finden sie nach einer von Billy ausgelösten Explosion, fünf Münzen in fünf verschiedenen Farben. Jeder nimmt sich eine und gemeinsam flüchten sie, da ihnen die Sicherheitskräfte durch den Lärm bereits auf den Fersen sind. Auf der Flucht wird ihr Auto von einem Zug gerammt, doch am nächsten Tag wacht jeder der Fünf in seinem/ihren Bett wieder auf, unversehrt und irgendwie stärker…

Als im August des Jahres 1993 die erste Folge der von Haim Saban kreierten „Mighty Morphin Power Rangers“ Serie über die amerikanischen Bildschirme flimmerte, ahnte noch niemand, was für ein riesiges Franchise daraus entstehen würde, bei dem Milliarden mit Merchandise verdient wurde und im Jahr 2017 gerade die neueste Variation der Serie im Fernsehen läuft. Beim aktuellen Film handelt es sich um den dritten abendfüllenden Film aus dem Universum, wobei es sich um ein Reboot handelt, dass die Handlung der Ursprünge der Serie neu erzählt.

Der unter der Regie des Südafrikaners Dean Isrealite (Project Almanac) entstandene Film, sollte einige Fortsetzungen nach sich ziehen, jedoch war das Einspielergebnis eher bescheiden. Durch starke Verkaufszahlen was Spielzeug und den Heimkinomarkt betrifft, wurden diese Ideen aber noch nicht verworfen. Dass man es heutzutage am mit Superhelden und sonstigen Überwesen überschwemmten Kinomarkt schwer hat, noch dazu mit einer Entstehungsstory von jungen, unerfahrenen und mit Idealen ausgestatteten Menschen, die sich nicht ständig sarkastisch über sich selbst lustig machen, das ist mir völlig klar.

Die Original Serie und ihre Ableger sind ja mehr oder weniger ein klarer Fall von Turbo-Trash. Dass man das so nicht bringen konnte im Jahr 2017, ist logisch, daher ist man den einzigen Weg gegangen, der möglich war. Ja genau, die Macher wagen es doch tatsächlich, die Power Rangers und ihre Geschichte ernst zu nehmen und auch so zu inszenieren. Kombiniert man dann diese Grundstimmung mit der typischen Story rund um eine exaltierte Schurkin, Helden in Rüstungen gegen Steinwesen und einen Riesenroboter vs einen Goldriesen, dann ist diese Mischung schon gewagt, doch ich muss sagen, sie hat für mich funktioniert.

Eines kann man der Produktion nämlich im Vergleich zu einigen anderen auch aktuellen Blockbustern nicht vorwerfen und das ist seelenlos zu sein. Wie man sich hier Zeit nimmt die fünf Helden vorzustellen, das wirkt echt und wie sie spielen, da ist irgendwie diese direkte Energie/Emotion spürbar, eben genau diese rohe, unmittelbare Ausstrahlung die Teenager oft an den Tag legen (auch wenn die Darsteller wie so oft, ein paar Jahre älter sind als ihre Figuren). Die wissen noch nicht wer sie sind, wo sie hin wollen und zu wem sie gehören, aber wir Zuschauer erkennen freilich sofort, dass sie als Rangers ihre wahre Familie finden werden.

Ich finde den Aufbau in keiner Weise zu lange, nie langweilig sondern im Gegenteil, angenehm nostalgisch unterhaltsam. Ich kann mich noch erinnern wie ich mir irgendwann beim Schauen dachte, dass ich diesen Film als Kind uneingeschränkt geliebt hätte. Das Finale mit all der für das Franchise typischen Zerstörungswut, dem Trash-Faktor und dem infantilen Humor, ist dann mehr Hommage als Höhepunkt der Handlung. Für mich ist das Beste am Schluss dann eben nicht die Effektorgie – die wirklich gut aussieht und auch sehr stimmig daher kommt – sondern die Tatsache, dass die Fünf sich endlich vertrauen und als Team funktionieren.

Von den Schauspielern muss ich fast Elizabeth Banks (Pitch Perfect 2) als erste erwähnen, denn sie hatte so offensichtlich ihren überdrehten Spass bei der Sache, dass es eine Freude ist ihr zu zusehen. Irgendwie ist sie bei all dem Wahnsinn dann doch auch wieder unheimlich und bedrohlich und die Arroganz funkelt ihr aus den Augen. Von den Rangern machen alle ihre Sache gut, doch haben ein paar mehr Highlights als andere vorzuweisen. Dacre Montgomery (Stranger Things Staffel 2) ist sympathisch und mutig aber nicht blass als Jason und somit ein guter Anführer der Truppe.

Naomi Scott (Terra Nova, sie darf bald die Jasmin in der Aladdin Realverfilmung spielen) als Kimberly mochte ich sehr auf Grund ihrer Ausstrahlung und was sie für eine Energie in die Gruppe bringt. RJ Cyler (War Machine) als Billy ist das Herz des Teams, der nicht immer den Zeitpunkt erkennt, wann er nicht mehr weiter reden sollte. Becky G. (Gnome Alone) zeigt als Trini gekonnt diese nach außen abgeschottete Art und Ludi Lin (Aquaman) als Zack überspielt seine Angst gerne mit irren Aktionen.

So und was ist nu mein Fazit? Ich habe als Kind zwar diverse Power Rangers Serien manchmal gesehen, war aber nie ein Fan oder habe die Serie regelmäßig verfolgt, wie es etwas bei den Teenage Mutant Ninja Turtles der Fall war. Was den aktuellen Film betrifft muss ich aber sagen, dass er ganzheitlich gelungen ist und auch wenn der ruhigere, ernste Schwerpunkt des Filmes einige überraschen wird oder er ihnen nicht passen wird, das ist schon eine feine Sache so. Der Inhalt bei einem Film der Power Rangers heißt ist klar, aber da ist durchaus auch gar nicht so wenig Herz drinnen. So und nun gehe ich Figuren kaufen, für meinen kleinen Neffen, vielleicht lässt er mich ja auch mitspielen.

„Power Rangers“ bekommt von mir 8/10 mit ernster Infantilität das Böse gemeinsam bezwingende Empfehlungspunkte.

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