Mowgli (Filmkritik)

Mowglis (Rohan Chand) Eltern werden von dem Tiger Shere Khan (Benedict Cumberbatch) getötet. Aus Mitleid bringt der schwarze Panther Bagheera (Christian Bale) das Menschenjunge zu einem Wolfsrudel, welches sich letztlich dazu entscheidet, den Jungen wie eines der ihren aufzuziehen. Aber Shere Khan schwört eines Tages wiederzukehren und den Jungen zu töten.

Baloo (Andy Serkis) trainiert den Jungen (und die anderen Wölfe), damit diese stark werden und dem Rudel keine Schande machen. Aber alle Tiere im Dschungel wissen: Eigentlich ist Mowgli ein Mensch und er wird nie ein richtiger Wolf. Außerdem lauert Shere Khan da draußen und sein Tag wird kommen …

„Mowgli“ beweist für mich eine Sache sehr gut: Alle Starpower und Rechenpower der Welt reichen nicht, wenn a) das Drehbuch nicht gut ist und b) der Regisseur nicht weiß was er will bzw. was er macht. Das klingt jetzt nach einer harten Aussage, aber es trifft absolut ins Schwarze. Denn mit einer Schauspieler*innen-Riege, die Christian Bale („The Dark Knight„), Benedict Cumberbatch („Sherlock„), Cate Blanchett („Herr der Ringe„), Naomie Harris („Rampage„), Peter Mullan („Children Of Men“) und noch weitere, beinhaltet, sollte ein Film schon mal halb gewonnen haben.

Dem ist leider nicht so. Sicher, die Leistungen der Sprecher sind (im Original) unumstritten, allerdings mangelt es an einer mitreißenden Inszenierung und auch an einem meiner Ansicht nach falschen Umgang mit dem CGI. Wem sagt der „Uncanny Valley-Effekt“ nichts? Oh … okay, dann versuche ich das mal in einem Satz zu erklären: Computergenerierte (oder gemalte) Bilder, die versuchen die Realität zu kopieren, dann aber in bestimmten Details so unecht aussehen (oder sich so unecht bewegen), dass man beim Zusehen trotz der Nähe zum realistischen Abbild sich einfach nach und nach unwohl fühlt, weil „irgendwas nicht stimmt“.

Diesen Effekt hatte ich bei Mowgli die meiste Zeit über – am stärksten ausgeprägt beim Tiger Shere Khan, der einfach … falsch aussieht. An anderen Stellen sieht das CGI gut aus, aber wehe die Tiere bewegen sich – dann wirkt es so wie es ist: Nämlich mit dem Computer erschaffen.

Naturgemäß trägt auch die Inszenierung dazu bei, wie ein Film wirkt und da kann ich Andy Serkis nur leider sagen: Netter Versuch, leider ging er daneben. Wuchtige Momente, wie zB ein Kampf mit den Affen geht emotional und spannungsmäßig völlig in die Hose. Andere Momente hingegen – das Rennen um die Mitgliedschaft im Rudel – sind gut inszeniert, scheitern dann dafür streckenweise am Schnitt.

Der Film ist jetzt nicht per se schlecht, er ist nur fürchterlich belanglos und vor allem einfach nicht besonders gut gemacht. Man merkt einfach, dass Serkis entweder bzgl. Regie oder beim Umgang mit so viel Computereffekten wenig Erfahrung hat (also als Regisseur von Filmen mit so vielen Computereffekten. Als Schauspieler steht seine Erfahrung mit Effekten völlig außer Frage), denn das CGI wirkt die ganze Zeit über platt und absolut nicht plastisch.

Drehbuchautorin Callie Kolves hat hier ihr erstes Drehbuch abgeliefert und ich muss leider sagen, dass auch hier keine Glanzleistung vorliegt. Ja, man merkt, was sie vorhatte. Man erkennt den Plan. Und weil man ihn erkennt, erkennt man auch, wie sehr er gescheitert ist. Einerseits Humor und Szenen einbauen, die aus dem Disney-Film kommen könnten und diesen dann mit (unpassenden) Horrormomenten zu konterkarieren … das passt nicht. Ich denke da gerade an eine Trophäe im Zelt des Jägers, die absolut unnötig und unpassend war. In einem anderen Film: okay. Hier kam es aus dem Nichts und erschien mir einfach völlig unpassend in seiner Härte und bezogen auf die restliche Stimmung des Films.

Auch der von Serkis so oft betonte „neue Blickwinkel auf eine beliebte Geschichte“ bleibt meiner Ansicht nach völlig außen vor. Mowgli. Shere Khan. Bagheera. Baloo. Menschen. Was ist denn daran neu bitteschön? Wer über die technischen Mängel hinwegsehen kann kann ruhig 2 Punkte draufschlagen. Der Film bleibt leider … belanglos.

„Mowgli“ bekommt von mir 5 von 10 möglichen, an der technischen und inhaltlichen Hürde scheiternde, Punkte.

Der Film ist auf Netflix zu sehen.


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