Polar (Filmkritik)

Duncan Vizla (Mads Mikkelsen) ist einer der berüchtigtsten Killer der Welt, doch jeder Mensch geht früher oder später mal in den Ruhestand. Seine Firma will ihm die sehr hohe Pension jedoch nicht bezahlen, weswegen er von seiner Betreuerin Vivian (Katheryn Winnick) einen Auftrag bekommt, der eine Falle ist. Duncan entkommt jedoch diesem Anschlag, genau wie dem nächsten.

Daraufhin entführen sie seine Nachbarin Camille (Vanessa Hudgens), die schreckhafte und schüchterne junge Dame, hat Duncan als väterlicher Freund nämlich ins Herz geschlossen. Das hätten sie wirklich nicht tun sollen, schade um die viel zu kurzen zahlreichen Menschenleben die Duncan beenden muss, um sich durch eine kleine Armee von Gegnern zu Camille durch zu arbeiten.

Polar ist eine Webcomic-Serie von Graphic Novels, die im Jahr 2012 das Licht der Welt erblickt hat. Netflix hat sich die Rechte an der Verfilmung gesichert und der vor allem für seine Musikvideos (unter anderem für Metallica, Madonna oder Rammstein) gefeierte Schwede Jonas Akerlund (Lords of Chaos), hat die Regie übernommen. Ein Versuch, die eigene Version von John Wick oder The Equalizer zu schaffen? Immerhin gibt es auch einen bösen Seitenhieb auf Wick, bei dem ich beinahe grinsen musste.

Wie auch immer, Polar ist vor allem eines und das ist erstaunlich langweilig. Diese ständigen Show Off Momente, die Wahnsinn ausstrahlenden, überspitzten Szenen werden mit der Zeit einfach fad. Für ein drei minütiges Musikvideo ist sowas genau richtig, doch in einem zwei Stunden Film, zehrt es schon gehörig an den Nerven. Selbst die Inserts, bei denen sich manche Buchstaben ganz auf cool auf ihre Position einrichten, empfand ich dann als unnötig.

Vielleicht ist es jedoch auch die quietsch bunte Optik und die einerseits heftige, dann aber doch wieder unecht wirkende und kalt lassende Gewalt. Was das dann aber alles von völlig unbedeutend doch wieder ins Mittelmaß hochhebt, ist ein unglaublich intensiver Mads Mikkelsen (Valhalla Rising, The Salvation, Dr. Strange) als omnipräsente Hauptfigur. Der muss gar nichts sagen und man hat schon Angst vor ihm. Der Blick und die Bewegungen reichen völlig.

Der Versuch in der Pension ein normales Leben mit gewöhnlichen Dingen zu führen, verleihen ihm dann trotz des sehr berechtigten Image als Killermaschine, zusätzlich eine menschliche Ebene. Vanessa Hudgens (The Frozen Ground) als Nachbarin schaut immer traurig aus und irgendwie fertig, da kommt keine echte Sympathie auf. Nur Katheryn Winnick (The Art of the Steal) verleiht ihrer Femme Fatale eine gewisse Eigenständigkeit. Alle anderen sind Karikaturen und spielen auch so.

Man versteht schon was die hier machen wollten, aber es fehlt einfach jegliches Gespür. Jedes Genre braucht dies, damit der Funke auf das Publikum überspringt. Alles was am Besten funktioniert, bringt Mikkelsen in die Produktion ein, nicht das Drehbuch oder gar der Regisseur. Natürlich sind ein paar Szenen doch ziemlich gelungen. Wie Duncan den Kindern von seinen Ausflügen erzählt (Messer Handhabung und Bilder von Leichen inklusive) hat was liebenswert morbides.

Auch wie er seine Hütte verteidigt gegen vier jüngere Killer ausgehend von einer ausgedehnten Sex-Szene, das macht Spaß und ist lässig inszeniert. Wo es dann nur um Gewalt geht oder im Gemetzel auch noch zu schnell geschnitten wird, da hat mein Interesse eine klare Pause eingelegt. Auch ist mir der ekelhafte böse Anführer unheimlich auf den Geist gegangen. Ja, optisch ist vieles sehr gelungen doch überstylte Coolness, konnte Seelenlosigkeit noch nie ausgleichen.

Insgesamt daher eine klare Empfehlung nur für Mikkelsen Fans, die ihm unabhängig vom Film bzw. dessen Qualität, gerne bei der Arbeit zusehen. Ich wäre durchaus offen für einen Hit von Netflix gewesen, doch das ist er nicht mal ansatzweise. Ich brauche zwar bei so einer Art Film keine echte Tiefe oder Substanz, doch egal darf mir die Geschichte auch nicht sein. Aber Musikvideos, ja die kann er der Akerlund.

„Polar“ bekommt von mir 5/10 im Kugelhagel erstickende Empfehlungspunkte.


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