The Art of the Steal – Der Kunstraub (Filmkritik)

Nachdem der Kunstdieb Crunch Calhoun (Kurt Russell) wegen seinem Halbbruder Nicky (Matt Dillon) für ein paar Jahre in ein polnisches Gefängnis gehen musste, fristet er sein Dasein als Motorrad-Stuntman und verdient das meiste Geld damit, sich mehr oder weniger spektakulären Unfällen auszusetzen. Sein Biss ist längst verloren gegangen aber immerhin hat er mit Lola (Katheryn Winnick) eine neue Dame an seiner Seite und mit Francie (Jay Baruchel) einen Schüler, der zu ihm aufsieht.

Als jedoch unerwartet ein bewaffneter Typ bei Crunch auftaucht und ihn wegen einem Bild bedroht, das Nicky gestohlen hat, ist es vorbei mit seiner Lethargie. Ein neuer ausgetüftelter Kunstraub muss her und zwar einer, für den man sich den Rest seines Lebens an ihn und seine Freunde erinnern wird. Die alte Crew ist natürlich sofort wieder dabei, doch leider ist auch der ungeliebte Halbbruder nötig, um das neue Projekt umzusetzen.

The Art of the Steal

Dies ist erst der zweite Film von Regisseur und Drehbuchautor Jonathan Sobol. Die kanadische Produktion sollte ursprünglich den Namen „The Black Marks“ tragen, wurde später zu „The Fix“ geändert, nur um am Ende dann den klingenden Titel „The Art of the Steal“ zu erhalten. Neben einem der leider selten gewordenen Auftritte von Altstar Kurt Russell, bekommt man hier auch wieder mal eine lockere und smarte Gaunerkomödie präsentiert, die den Zuschauer mit ähnlich guter Laune hinterlässt, wie zuletzt der ähnlich amüsante „Flypaper„.

Ein Film wie dieser lebt ja vor allem von zwei Dingen: dem geschickt geplanten Verbrechen mit all den damit verbundenen Hindernissen und den liebenswert-interessanten Figuren, die eben dieses ausüben wollen. In diesem Fall funktionieren erfreulicherweise beide Ebenen. Von Beginn an ist der lockere Grundton allgegenwärtig, irgendwo zwischen Ironie und Sarkasmus werden hier die Sprüche hin und her geschoben und mit einer eindeutigen Portion Situationskomik versehen.

Auch wenn es sich nicht grundsätzlich um eine reine Komödie handelt, werden so sämtliche ernsten Bedrohungen leicht abgefedert und ein mögliches Happy End scheint eine sichere Sache zu sein. Dass darunter die Spannung bzw. der Unterhaltungswert nicht leidet, ist neben dem Drehbuch vor allem auch den Schauspielern zu verdanken, die sich als Ensemble gekonnt gegenseitig mit sichtbarer Spielfreude anstecken.

Kurt Russell spielt Crunch mit viel Selbstironie, ein Dieb mit Ehrgefühl, dessen Freunde seine Familie sind, für die er alles tun würde. Natürlich laufen seine Pläne nicht immer so ab, wie er es gerne hätte, wenn er aber etwas stehlen will, dann ist er nur sehr schwer aufzuhalten. Matt Dillon (Takers) als sein aalglatter Halbbruder Nicky ist arrogant und falsch, insgesamt einfach ein unsympathisches Kerlchen. Jay Baruchel (RoboCop) als Nachwuchsdieb hat wieder mal die meisten Lacher auf seiner Seite, seine Nervosität und Ehrlichkeit in jeder Situation ist einfach nur sympathisch.

Herrlich dämlich ist auch Jason Jones (Pitch Perfect) als Interpol Agent, der offensichtlich mit der Gesamtsituation völlig überfordert ist, aber immer glaubt alles im Griff zu haben. Dabei witzig ist vor allem sein Zusammenspiel mit Terence Stamp (Song for Marion), der selbst einen mit trockenen Sprüchen um sich werfenden Gauner spielt, der den Agenten notgedrungen unterstützen muss bei seinen Ermittlungen, damit er früher aus dem Knast wieder heraus kommt. Katheryn Winnick (Choose), hier ungewohnt mit schwarzen Haaren, spielt als einzig wichtige Dame in dieser Männerwelt die undurchsichtige Freundin von Crunch und man weiss erst ganz am Ende, zu wem sie nun wirklich hilft.

Insgesamt ist dies also ein leichter, beschwingter und auch cleverer Film mit viel Humor und gut aufgelegten Schauspielern geworden, der am Ende einen netten Schlusstwist parat hält und endlich die Frage geklärt wird was man tun muss, um ein Buch in einer übergroßen Vagina-Skulptur verstecken zu können. Kanadische Filme sind eben öfters eine wenig anders als die der Amerikaner, doch genau das ist ja gerade das spannende an diesen Produktionen.

„The Art of the Steal“ bekommt von mir 8/10 auf diebische Art und Weise für gute Stimmung und Reichtum sorgende Empfehlungspunkte.


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