Hotel Artemis (Filmkritik)

Los Angeles in der nahen Zukunft. Aufstände erschüttern die Einwohner, auf den Straßen ist man nicht mehr sicher. Doch es gibt einen Ort an dem man – zumindest wenn man sich als Verbrecher bezeichnen kann und Mitglied ist – Zuflucht findet vor jeglichen Anfeindungen. Das Gebäude heißt Artemis und wird geleitet von einer Krankenschwester (Jodie Foster) mit Unterstützung ihres Pflegers/Bodyguards Everest (Dave Bautista).

Als Waikiki (Sterling K. Brown) und sein verletzter Bruder auftauchen, gerät das geregelte Leben hier jedoch aus der Bahn. Die beiden haben nämlich unabsichtlich den Unterweltboss Niagara (Jeff Goldblum) bestohlen und genau der ist gerade ins Hotel Artemis unterwegs, da er wegen einer Verletzung behandelt werden muss und natürlich hat er seinen gewalttätigen Sohn Crosby (Zachary Quinto) und seine Männer mit dabei…

Drew Pearce verdient sein Geld in den verschiedensten Bereichen rund um das Medium Film, meist jedoch als Drehbuchautor (zum Beispiel bei Iron Man 3 oder Mission Impossible 5). Zumindest finanziell ist er nun mit seinem Langfilmdebüt als Regisseur gescheitert, denn die recht billigen Kosten von 15 Millionen Dollar, konnten weltweit nicht wieder eingespielt werden. Das sagt jetzt natürlich noch nichts über die Qualität der Produktion an sich aus.

Hier gibt es durchaus einiges, das sehr gelungen ist. Zunächst mal das Design des Hotels, der gekonnt Retro-Look mit futuristischen Elementen verbindet, was übrigens sehr gut miteinander harmoniert. Dieses Gebäude strahlt eine gewisse Faszination aus, man fühlt sich sicher, weil man sich wie in einer anderen Welt fühlt, jedoch wird auch die Entdeckungslust geweckt, denn hier sind eindeutig einige Geheimnisse versteckt.

Neben Artemis, das als eigenständiger Charakter fungiert, geht es hier (und das ist beinahe schon überraschend) um die Figuren, ihre Beziehungen und Beweggründe. Zunächst haben sie zwar alle Codenamen und was außen wichtig ist, soll auch außerhalb bleiben. Langsam aber sicher holt jeden hier jedoch das „richtige Leben“ ein und die unnahbare Fassade bröckelt. Ja, es sind nicht alle Beteiligten hier spannende Personen, doch den wichtigsten, schaut man einfach gerne bei ihrer Reise zu.

Erst gegen Ende gibt es dann das obligatorische Action-Finale, das für mich aber nur die logische Konsequenz der von Gewalt bestimmten Leben aller Beteiligten ist. Beliebiges Mittelmaß oder neuer Kultfilm? Ich habe so einiges schon über diesen Film gehört. Für mich ist er irgendwo zwischen diesen beiden Aussagen angesiedelt und was Pearce definitiv geschafft hat, ist dass man mehr sehen möchte, was sich in Artemis abspielt.

Das wiederum liegt auch stark an den Darstellern, die allesamt ihre Rollen mit viel Freude ausfüllen. Überragend ist Jodie Foster (Das Schweigen der Lämmer) als schrullige Schwester, die ihr persönliches Trauma mit Alkohol, Tabletten und Zynismus bekämpft und aus Angst seit Jahren das Gebäude nicht verlassen hat. Ihr zur Seite steht Dave Bautista (Blade Runner 2049), als Stimme der Vernunft und nahezu sanfter Koloss, der jedoch ordentlich austeilen kann, wenn es um den Schutz der Schwester/von Artemis geht.

Sofia Boutella (Atomic Blonde) ist knallhart, cool und lasziv als Auftragskillerin, Charlie Day (Pacific Rim) herrlich abstossend als Waffenschieber und Sterling K. Brown (Black Panther) funktioniert gut, als der in den ganzen Schlamassel hinein geschlitterte. Auf der Seite der Bösen (der „richtig“ Bösen) ist Jeff Goldblum (Thor Ragnarok) wieder mal schräg und in seiner eigenen Welt daheim und Zachary Quinto (Star Trek Beyond) wirkt wie eine Zeitbombe, die jeden Moment explodieren könnte.

Starkes Setting, netter Einsatz von Übergängen und der Einbindung von Musik, gute Figuren und noch bessere Darsteller. Dass ich das unbestimmte Gefühl hatte, dass hier irgendwie noch mehr drinnen gewesen wäre, das konnte ich jedoch nicht abschütteln. Aber gut, mehr zu wollen an sich, ist ja keine schlechte Sachen. Ich kann es eben nicht genau benennen, aber dies ist für mich einfach ein Film, den ich sehr gerne gesehen habe, den ich mir aber wahrscheinlich nicht noch einmal ansehen würde.

„Hotel Artemis“ bekommt von mir 7/10 als veränderter Mensch aus diesem Hotel wieder ausziehende Empfehlungspunkte.


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