The Villainess (Filmkritik)

Sook-he (Ok-bin Kim) hat Rache geschworen und die nimmt sie auch. Das endet sehr, sehr blutig und mit ihrer Gefangenschaft. Doch entgegen allen Erwartungen bekommt sie ein Angebot: Arbeite für uns als Killerin und du wirst weiterleben.

Also macht sie genau das und nach einem langen Training (und der Geburt einer Tochter) wird sie in ein „Schläfer“-Leben entlassen. Natürlich bleibt die Ruhe nicht ruhig und Sook-he muss sich erneut rächen.

„The Villainess“ ist mir aufgefallen, da der Film in vielen (englischsprachigen) Medien als ziemlich toll und visuell grandios gepriesen wurde. Das trifft die Sache auch sehr gut. Ich denke, es spricht grundsätzlich für die Action in einem Film, wenn ich kurz davor „The Raid: Redemption“ gesehen habe und trotzdem positiv überrascht bin.

Allerdings – und das muss auch gesagt werden – bezieht sich das auf die ersten 10 Minunten im Film. Alles was danach kommt … ist unnötig lang und kompliziert. Der Film beginnt nämlich mit einem wahrhaften Massaker aus der Egoperspektive. Ich bin froh, dass die Szene nicht länger dauert, denn einerseits verschafft die First-Person-Perspektive dem ganzen Ablauf eine ziemliche Intensität und andererseits ist diese Perspektive halt auch jene, die am raschesten zu Kopfschmerzen, Schwindel und – ihr braucht es nicht abzustreiten – Verwirrung führt.

Vor allem bei einer Actioneinlage wie dieser hier fällt dann trotzdem (wie bei „The Raid 2“) auf, dass es klar „Stil“ über „Realismus“ heißt. Da greifen fünf Männer an und warten schön brav, bis einer nach dem anderen abgeschlachtet wird (erneut: Wie bei „The Raid 2“ — ich meine die Hammer-im-Bus-Szene). Fällt halbwegs auf. Einfach, weil es auch so übertrieben ist. Gleichzeitig ist es aber auch ziemlich mitreissend – ebenfalls weil es so übertrieben ist.

Danach schaltet der Film ein paar Gänge zurück, um nicht zu sagen auf Leerlauf. Das liegt weniger an der Handlung als daran, wie sie erzählt wird. Eine Menge an Rückblenden und Exposition, nicht immer klar in ihrer zeitlichen Zuordnung zu erkennen. Nennt mich Rassisten, aber wenn ich drei Koreaner im gleichen Alter mit dem gleichen Anzug und der gleichen Frisur sehe, dann brauche ich mehr als drei Sekunden, damit ich sie auseinanderhalten kann. Vor allem, wenn die noch auf verschiedenen Zeitebenen agieren und ich nicht weiß, ist der eine eine jüngere Version von dem anderen oder sind das zwei verschiedene Personen.

Das hat mich manchmal verwirrt.

Auch die Action, die im letzten Teil des Films wieder zunimmt hat mich dann nicht mehr so mitgerissen, zum Teil weil auf Bekanntes gesetzt und völlig „normal“ inszeniert wird. Zum anderen, weil die Kämpfe – wie oben erwähnt – noch mehr zeigen, dass sie einfach nicht realistisch sind (das kam mir auch teilweise bei „Atomic Blond“ so vor, dass die Kämpfe bzw. die „Hauptkämpferin“ einfach eine Spur zu langsam agierte, um wirklich eine Chance zu haben, wenn die „Gegner“ nicht wüssten, dass sie kurz warten müssen bevor sie angreifen).

Die Story des Films ist gut und vor allem gut durchdacht. Hat man einmal begriffen, wie der Film mit seinen Rückblenden/Schnitten funktioniert und vor allem wer nun wen darstellt, dann kann man nur sagen „Hut ab!“. Klar, die Story ist nicht neu, sie ist auch nicht besonders originell und es gibt eigentlich keine Aussage dahinter – trotzdem gibt es ein paar Szenen, die tatsächlich emotional mitreissen und Sook-hes Kampf bzw. kompromisslose Rache nachvollziehbar erscheinen lassen.

Alles in allem hätte der Film vielleicht gewonnen, wenn die Sequenz vom Anfang des Films erst später als Höhepunkt genutzt worden wäre. So hat man die ganze Zeit das Gefühl, dass der Film nach dem ersten Viertel an seiner eigenen Messlatte scheitert. Nur, um es nochmals zu wiederholen: Der Film ist zwei Drittel seiner Zeit kein(!) Actionfilm. Stellt euch darauf ein und ihr erlebt einen coolen, allerdings unnötig kompliziert erzählten, Film.

„The Villainess“ bekommt von mir 7 von 10 möglichen, unnötig komplex erzählte, Punkte.

PS: Ich finde das Filmposter extrem großartig.


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