Zulu (Filmkritik)

In Südafrika im Jahre 1978, überlebte Ali (Forest Whitaker) als Kind nur knapp die Angriffe der militanten Inkatha-Milizen. Im Jahr 2013 ist mittlerweile aus ihm der Chef der Abteilung für Mordfälle in Kapstadt geworden und er ist ein wahres Arbeitstier. Täglich muss er sich hier dem Elend, den Gangs und Gewalttaten stellen, die die Strassen regieren. Als er jedoch die Ermittlungen über die Ermordung der Tochter eines Ex-Rugby Stars aufnimmt, kommt er mit einem ganz anderen Level von Kaltblütigkeit in Berührung.

Gemeinsam mit seinem Kollegen und Freund Brian (Orlando Bloom) kommt er einer neuen Designerdroge auf die Spur, die wie sich bald herausstellt, ihre Wurzeln vom Apartheitsregime her hat. Dass die dafür verantwortlichen Leute keine Gnade mit Störenfrieden kennen wird spätestens dann klar, wenn der erste Freund der Polizisten sein Leben lassen muss. Werden Ali und Brian bereit sein ihren Fall gänzlich aufzuklären, auch wenn der Preis dafür ihr eigenes Leben und das ihrer Angehörigen einschliesst?

Zulu

„Zulu“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans des Franzosen Caryl Férey. Regie führte sein Landsmann Jérôme Salle (Largo Winch), der auch an der Transformation „aus einem Buch wird ein Drehbuch“ mitgeschrieben hat. Die Story widmet sich dabei einem eigentlich permanent aktuellen, nicht gerade leicht zu lösenden Dilemma. Denn die Probleme im Südteil Afrikas sind in der Post-Apartheids-Gesellschaft leider nicht weniger geworden, sie haben sich eben nur verlagert. Auf der einen Seite die reichen Weissen, auf der anderen die immer ärmer werdenden Schwarzen, die unter miesesten Verhältnissen hausen müssen.

Dass unter diesen Bedingungen die Polizeiarbeit nicht nur anstrengend, sondern auch ständig lebensgefährlich ist und sich der eigentliche Wunsch der Hauptfiguren für Gerechtigkeit zu sorgen als hoffnungsloses Unterfangen entpuppt, ist dabei ziemlich offensichtlich. Der von seinen Kindheitserlebnissen geprägte Ali geht trotzdem unbeirrt seinen Weg und versucht täglich aus seiner Heimat einen besseren Ort zu machen. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Brian, der desillusioniert und ständig den Alkohol in Reichweite, von einer unangenehmen Situation in die nächste stürzt.

Bevor ich nun auf die eindeutigen Stärken des Filmes eingehe, muss ich zuvor noch kurz eine klare Schwäche ansprechen. Der Ruf nach Gerechtigkeit und Vergebung ist hier einerseits allgegenwärtig, auf der anderen Seite tut sich die Regie scheinbar etwas schwer dabei, Ereignisse und Taten in ein eindeutiges Licht zu rücken. Nein, ich hätte mir keinen klaren Helden gewünscht und ja, genau die ambivalenten Grautöne einer Inszenierung gehören oft zu den spannendsten Teilen, doch ich finde die gesamte Machart erzeugt hier ein Gefühl beim Zuschauer, dass dann irgendwie im Schlussspann noch immer darauf wartet, aufgelöst zu werden.

Technisch ist das alles aber großes Kino. Die trostlosen Farbtöne, die Kamerafahrten über die Landschaften, die schön den Klassenunterschied zeigen, der dramatische Soundtrack, alles gut gemacht und stimmig. Dass Brutalität hier ein großes Thema ist, ist von Anfang an klar, was dann auch zu einigen ziemlich unangenehmen Bildern führt. Dabei dienen diese Szenen immer klar zu Abschreckung, man kann den Machern höchstens mangelnde Subtilität vorwerfen, was angesichts der Rahmenbedingungen jedoch eigentlich unnötig erscheint.

Getragen wird der Film vor allem von zwei Männern. Auf der einen Seite Forest Whitaker (Die Dunkle Wahrheit) als Ali, der zu keiner Zeit des Filmes wirklich gesund wirkt. Nicht weil der vielleicht körperlich krank wäre, nein, der Kerl hat zwar nie aufgegeben, ist aber seid seiner Kindheit ein gebrochener Mann. Was genau passiert ist werde ich hier natürlich nicht verraten aber wirklich spannend bei ihm ist die Frage, ob er seine Ruhe, Zurückhaltung und Verurteilung von Gewalt bis am Ende aufrecht erhalten kann. Eine starke Leistung von Whitaker, der sowieso nur selten enttäuscht.

Die positive Überraschung für mich ist aber Orlando Bloom als Brian, der laut eigenen Aussagen von Rollen in Blockbustern wie „Der Hobbit“ oder „Die Drei Musketiere“ endgültig genug hat. Soll mir nur recht sein, wenn der Kerl dafür immer so gut drauf ist, wie bei dieser Performance. Noch nie habe ich ihn einen „echten“ Menschen spielen sehen, doch hier ist von seinem ersten Auftritt an klar – nackt, mit Pistole, den Sohn beim stehlen erwischend – dass man diesen Kerl einfach gerne haben muss. Ständig saufen, Tabletten schlucken, jeden Tag eine andere Dame abschleppen, unrasiert und schlampig gekleidet in der Arbeit erscheinen, das ist unser Mann. Von der Figur her vielleicht ein Klischee, aber erfrischend und mitreissend gespielt.

In den stärksten Momenten ist der Film daher ein wirklich spannender Thriller, wo zwei gebrochene Typen einen aussichtslosen Kampf gegen unmenschliche Drahtzieher im Hintergrund führen und trotzdem irgendwie die Kraft finden, weiter zu machen. Wenn dann aber Brian einmal zu oft mit seiner Exfrau zankt und das Verhältnis zu seinem Sohn klären will, dann macht das seine Figur nicht interessanter, sondern dehnt die Handlung nur unnötig. Insgesamt aber dennoch ein spannender Beitrag zur Situation Südafrikas, der keine Antworten liefert, jedoch einige vor allem moralische Fragen aufwirft und das könnte nach Sichtung durchaus zu einigen angeregten Gesprächen führen.

„Zulu“ bekommt von mir 7/10 sich vom Sog der Gewalt mitreissen lassende Empfehlungspunkte.


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