Mortal Engines: Krieg der Städte (Filmkritik)

Die ferne Zukunft. Nach einer als „Sechzig Minuten Krieg“ bekannten Katastrophe, ist die Erdoberfläche völlig zerstört worden. Die Überlebenden haben sich mobile Städte gebaut, wobei die größeren auf die kleineren Jagd machen, diese „schlucken“ und dann deren Ressourcen ausbeuten. Doch es gibt auch Widerstand der „Anti-Traction-League“, die in klassischen statischen Häusern wohnen und sich sicher abgeschirmt haben.

Eine der größten fahrenden Städte ist London und gerade ist eine junge Dame namens Hester Shaw (Hera Hilmar) dort angekommen und das mit voller Absicht. Sie will nämlich den hier lebenden führenden Historiker Thaddeus Valentine (Hugo Weaving) töten, der ihr als Kind ihre Mutter genommen hat und nicht nur in ihrem Gesicht eine tiefe Narbe hinterlassen hat. Die Aktion scheitert, doch sie findet dabei ungewollt ihren ersten Verbündeten…

Das ist er also, der größte Flop des Jahres 2018. Der von Peter Jackson (der Kopf hinter Der Herr der Ringe und Der Hobbit Trilogie) produzierte Film, basiert auf der vierteiligen Roman-Serie von Autor Philip Reeve und sollte auch in filmischer Form zur Franchise ausgebaut werden. Da diese in Neuseeland gefilmte und von Amerika mitfinanzierte Produktion dem Studio jedoch 150 Millionen Dollar Verlust eingebracht hat, sind diese Pläne offensichtlich begraben worden.

Regie führte erstmals Christian Rivers, der Jackson als Special-Effects Mann in verschiedenen Bereichen bereits seit seinen „Braindead“ Zeiten (aus dem Jahr 1992) zur Seite steht. Einflüsse aus Herr der Ringe, Star Wars, Mad Max und The Matrix sind erkennbar, gepaart mit etwas Fantasie eines Neil Gaiman und einer gehörigen Portion Steampunk. Dass das Setting an sich jedoch schwer in eine ordentliche Marketing-Kampagne gesteckt werden kann, das ist mir dennoch völlig klar.

Ich sage es gleich vorweg: ich finde es schade, dass diese „neue Welt“ wohl keine weitere Chance bekommen wird, denn es ist hier ein guter Mix aus bekannten und neuen Elementen gelungen. Viel Liebe zum Detail bieten dabei die Städte (vor allem London), mit all den Elementen, wie sie in einer normalen Stadt auch vorhanden wären. Erweitert durch einklappbare Teile und einem Antrieb und einer Brücke, wie aus einer riesigen Maschine oder einem Raumschiff.

Als Kontrast dazu fungieren die Jet ähnlichen Flugzeuge und die wie ein überdimensionaler Heißluftballon mit einigen Abzweigungen wirkende Luftstation, hat klar ihren Charme. Das Setting atmet genau das, was wir Menschen schon immer konnten: aus nichts bzw. etwas Zerstörtem, wieder etwas aufzubauen. Natürlich haben wir es auch selber kaputt gemacht und lernen aus unseren Fehlern tun nur die, die über weniger Macht verfügen. Die etwas zu sagen haben, machen ständig den selben Mist.

Ein Effekt-Spektakel also, verbunden mit gesellschaftlicher und sozial-geschichtlicher Kritik? Nicht nur, denn das Ganze wäre dennoch ziemlich seelenlos, ohne interessante Figuren. Hier gibt es dann eine Situation, die mir doch recht ironisch erscheint. Der von Stephen Lang (Don´t Breathe) gesprochene Charakter Shrike, ist der letzte seiner Art, eigentlich schon lange tot und hat eine spezielle Bindung zur Heldin Hester. Viel mehr kann ich ohne Spoiler nicht verraten.

Wie die Sache mit ihm ausgeht ist traurig, schön und überraschend emotional. Für mich sogar die gefühlsmäßig stärkste Szene im Film. Dann wäre da die aus Island stammende Hera Hilmar (Der Offizier) als Hester Shaw. Nicht selten egoistisch, kalt, zu Beginn mordlustig und optisch mit einer fetten Narbe im Gesicht versehen. Ich finde diese Kombination ganzheitlich mutiger, als sämtliche „Kick-Ass“-Heldinnen der letzten Zeit. Sicher kann man ihre Art biografisch erklären und sie hat einen guten Kern, der immer mehr in den Vordergrund gerät, aber dennoch.

Hilmar spielt sie ohne wenn und aber sehr direkt und im Kontrast zu ihrem nicht gerade schweigsamen, von Robert Sheehan (Mute) gespielten Wegbegleiter Tom. Der ist zwar gleich sympathisch, aber auch schusselig und naiv und macht wohl die größte Entwicklung hier durch. Mit Hugo Weaving (Captain America) als Bösewicht kann man sowieso nichts falsch machen und sein Thaddeus ist dann auch ein eiskalter, machthungriger und jeden Menschen auf der Welt verratender Mistkerl.

Ja, die meisten restlichen Figuren kann man vergessen, nur wenige haben das eine oder andere Highlight zu verbuchen. Es gibt typische Fantasy-Kitsch Momente genau wie Dialoge, die man ruhig noch mal umschreiben hätte können. Trotz zwei Stunden Laufzeit hat man das Gefühl, hier nur einen Ersteindruck gewonnen zu haben. Meine Aussage ist: nichts ist fehlerlos und auch ich sehe hier ein paar Dämpfer am Weg, doch unterhaltsam ist die Sache allemal und den Titel Flop des Jahres abgesehen vom Finanziellen, hat der Film sicher nicht verdient.

Insgesamt daher eine feine Möglichkeit für Fantasy-Freunde, in eine bekannte und dann doch wieder ausreichend andere Welt einzutauchen. Die Effekte sind sehr gut, die Settings und Fahrzeuge ebenso, die Action ist übersichtlich, die Darsteller überzeugen und sind großteils frisch und unverbraucht und die Musik von Junkie XL (Mad Max Fury Road) vermittelt ein tolles Gefühl für die ganze Sache. Seelenlos ist für mich klar was anderes.

„Mortal Engines“ bekommt von mir 8/10 mobil und still stehend, die selben Fehler begehende Empfehlungspunkte.


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