Darfur – Der vergessene Krieg (Filmkritik)

Eine kleine Gruppe amerikanischer Journalisten (dargestellt unter anderem von Kristanna Loken, Billy Zane, Matt Frewer und Edward Furlong) reist in den Sudan zu einem Ort namens Darfur, um mehr über die dortigen Zustände zu erfahren und mehr internationales Interesse für diese Region zu wecken. Seit 2003 ziehen im dort vorherrschenden Bürgerkrieg arabische Milizen genannt Dschandschawid (heißt auf Deutsch soviel wie „Geist, Dämon“) durch die Dörfer, plündern, vergewaltigen und ermorden Menschen mit dunkler Hautfarbe und anderem Glauben.

Als die Reporter wieder abreisen, stehen sie kurz darauf vor einem folgenschweren Dilemma. Ein arabisches Überfallkommando ist auf dem Weg in das eben besuchte Dorf. Werden die Amerikaner ihre Augen vor dem drohenden Massaker verschließen oder kehren sie zurück und hoffen, durch ihre bloße Anwesenheit das Schlimmste verhindern zu können?

Darfur

Nun kurz die typische Uwe Boll Einleitung, die so typisch gar nicht ist, da sich mein Bild von ihm seit „House of the Dead“ schon ziemlich geändert hat. Die miesen Computerspielverfilmungen ohne jeden Anspruch macht Boll meiner Meinung nach nämlich nur, weil sie Geld bringen. Mit genau dieser Kohle finanziert er dann Projekte, die ihm persönlich sehr am Herzen liegen. So kamen bis jetzt als Ausgleich für fiktiven Schrott wie „Alone in the Dark“ oder „Far Cry„, anspruchsvolle, ambitionierte und teilweise auf wahren Begebenheiten beruhende Werke wie „Tunnel Rats„, „Stoic aka. Siegburg“ oder „Rampage“ zu Stande.

Es ist dabei ja sicherlich kein Zufall, dass bei den für Boll wichtigen Filmen immer unangenehme Themen behandelt werden. Im Feindesgebiet durch enge Tunnel kriechen? Von den Zellengenossen gepeinigt und gedemütigt werden? Von einem Amok laufenden Jugendlichen ein paar Kugeln verpasst bekommen? Um wirklich auf etwas aufmerksam machen zu können, muss man es den Leuten in aller Deutlichkeit zeigen. Dies schien schon immer Bolls Weg zu sein, wachzurütteln und auf Missstände aufmerksam zu machen. Einen Film über einen Amoklauf darf man nicht bringen, da sonst nur Nachahmungstäter inspiriert werden könnten? Lieber schweigen und hoffen, dass nie wieder jemand soetwas machen wird? Die Diskussion werd ich hier und jetzt natürlich nicht anfangen, keine Sorge.

Darfur ist in jedem Fall noch eine weitere Steigerung für Boll, was die professionelle Machart des Filmes, den Anspruch und die schonungslose Darstellung des Gezeigten betrifft. Die paar bekannten amerikanischen Schauspieler arbeiteten dabei für wenig Geld und gaben alle ihre Bestes, die Dialoge wurden größtenteils während der Dreharbeiten improvisiert. Laiendarsteller spielten die afrikanischen Einwohner des Dorfes, die meisten von ihnen hatten dabei die im Film erzählten schrecklichen Dinge wirklich am eigenen Leibe erfahren. Die Kameraführung und die somit erzeugten Bilder wirken dank des zwar schon etwas abgenützten aber hier sehr gekonnt eingesetzten dokumentarischen „Wackelkamerastils“ extrem authentisch.

„Dass wir den Genozid (Völkermord) nicht gestoppt haben beweist, dass wir nicht aus der Geschichte gelernt haben“. Darfur ist nach eigenen Aussagen Bolls Kritik an der mangelnden Handlungsbereitschaft der Nato bei der Verhinderung des Darfur Massakers. Herausgekommen ist ein Film, nach dessen Betrachtung man sich schämt ein Mensch zu sein. Klarerweise beginnt die Geschichte völlig harmlos. Die fast schön übertrieben kitschige, die pure afrikanische Lebensfreude ausdrückende Musik begleitet die ersten Momente im Dorf. Nach anfänglichem Misstrauen erzählen die Einwohner beinahe erleichtert, dass sie die Last endlich teilen können, von ihren Leiden, Kinder lachen und spielen an allen Ecken und Enden.

Was dann folgt ist klar denkt ihr nun? Ja und nein. Was gezeigt wird war klar aber nicht wie. Ich werd hier mal mit einer indirekten Aussage versuchen das auszudrücken, was ich genau meine. Darfur ist ein Film, in dem die Vergewaltigungsszenen im Vergleich zur restlichen gezeigten Gewalt fast schon harmlos wirken. Auch Kopfschüsse bei Kindern und Babys, die (gnädigerweise außerhalb des gezeigten Bildausschnittes) aus zwei Metern auf den Boden geschmissen werden, gehören nicht zum Schlimmsten was hier abläuft. Sollte hier irgendein gewaltgeiler Psychopath beim Betrachten des Filmes Freude empfinden, kann ich ihn zu 100 Prozent und ohne jeden Zweifel als völlig krank einstufen. Was den Härtegrad der Gewalt in realistischen Filmen betrifft, ist dies eindeutig einer der ärgsten Beiträge zu diesem Genre, den ich jemals gesehen habe.

Was ich psychologisch interessant und abschreckend zugleich finde ist die Tatsache, dass man die gezeigten Bilder eigentlich nur erträgt, indem man sich aus dem Geschehen holt und sich vor Augen hält, dass das nur ein Film ist und hier keine Menschen sondern Puppen zerstückelt werden. In diesem Fall befindet man sich dann auf einer Ebene mit den Tätern des Filmes, die ihre Opfer auch nicht als Menschen sehen sondern als etwas minderwertiges. Kleiner Trick von Boll um sich als Zuseher irgendwie mitverantwortlich bzw. schuldig zu fühlen? Dies passiert sowieso, denn wer kennt das nicht dass man im Alltag gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen schimpft und ihnen alles mögliche schlechte wünscht wenn man gerade genervt ist oder einen schlechten Tag hat?

Danke an Mister Boll für diesen Film, nach dessen Betrachtung mir zwar schlecht war, ich aber nie bereut habe ihn gesehen zu haben. Empfehlen kann ich Darfur aber nicht wirklich, weil es wohl kein klares Zielpublikum gibt, da eigentlich alle angesprochen werden, doch nur wenige zusehen werden. Die deutsche Fassung kann übrigens nur geschnitten sein, anders dürfte dieser Film wohl nie auf den heimischen Markt gelangen.

Darfur bekommt von mir 8/10 menschenverachtende, ideologisch abschreckende Empfehlungspunkte.


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