Mercury Plains (Filmkritik)

Ein nächtlicher Trip nach Mexiko mit einem Kumpel, endet für Mitch (Scott Eastwood) ziemlich unerfreulich. Er steht alleine da, sein Geld ist weg und sein Gesicht ist blutig. Ein junger Mann beobachtet ihn und stellt ihm einen nur als „Der Kapitän“ (Nick Chinlund) bekannten Typen vor, der junge Männer mit Potential sucht, die das große Geld verdienen möchten.

Mitch zögert zunächst, doch da er sein trostloses Zuhause nur all zu gerne hinter sich lassen will und sonst auch keine Perspektiven hat, willigt er kurz darauf ein. Was relativ harmlos als Boot-Camp für Jungs beginnt, wird schon schnell zu einem blutigen Alptraum. Die Truppe wird nämlich von ihrem Kapitän dafür eingesetzt, der örtlichen Mafia Geld und Drogen zu stehlen und das sehen die gar nicht gerne.

Mercury Plains

Ich bin ja immer dafür, neuen Talenten eine Chance zu geben. So geschehen zuletzt mit Scott Eastwood, dessen Auftritt in „Diablo„, ich äußerst unterhaltsam fand. Regisseur und Drehbuchautor Charles Burmeister ist angesichts der Tatsache, dass dies nach „Columbus Day“ erst sein zweiter Film ist, auch sozusagen ein Newcomer. Was er hier jedoch für einen Film machen wollte, das ist mir nicht ganz klar. Dies wiederum heißt nach meiner Logik, dass sein Vorhaben eine Botschaft zu vermitteln, gescheitert ist.

Grundsätzlich wird ja die Story eines jungen Mannes erzählt, der sich in seinem Leben gefangen fühlt, nicht wirklich weiterkommt oder weiß, was er mit sich anfangen soll. Das Abenteuer winkt, natürlich ergreift er trotz Bedenken die Chance und nach dem kurzen Hochgefühl, kommt dann das böse Erwachen. Soweit so bekannt. Aber die Parameter dieser Geschichte, sind in diesem speziellen Fall einfach unglaubwürdig und nicht selten einfach nur lächerlich.

Da wäre zunächst mal der Altersfaktor bzw. das Auswahlverfahren, wie der Kapitän zu seinen Leuten kommt. Klar ist, alle müssen jung und beeinflussbar sein und kein Angehöriger soll sie unmittelbar vermissen, wenn sie einen Auftrag nicht überleben sollten. Dass da aber ein paar Kinder dabei sind, die gerade vielleicht das Teenager-Alter erreicht haben und dann mit FBI-Westen herumrennen und Gangster überzeugen sollen, dass sie die starken Arme des Gesetzes sind, dass ist schon sehr an den Haaren herbei gezogen.

Die Ausbildung dieser Gruppe, ist dann sowieso unschlagbar, denn was ist besser, als einen Graben zu schaufeln, Sträucher heraus zu reissen oder mit diversen Pistolen, wild drauf los auf leere Flaschen zu schießen? Genau, eigentlich nicht viel, klingt doch nach einem perfekten Trainingsprogramm, nicht wahr? Nicht vergessen darf man natürlich die pseudo-philosophischen, „motivierenden“ Ansprachen vom Kapitän, die sind natürlich extrem tiefgründig und bringen seine Leute dazu, alle Zweifel über Bord zu werfen und sich für ihn in große Gefahr zu begeben.

Scott Eastwood (Fury) hat eine starke Leinwand-Präsenz, das muss ich ihm lassen. Auch wirkt er einfach wie ein cooler Typ und die Sympathien hat er als Mitch klar auf seiner Seite. Ohne ihn wäre dieser Film ein richtig ärgerliches Erlebnis geworden, doch retten kann er dank des Drehbuches, leider auch nicht wirklich viel. Zumindest ist er der einzige Charakter im Film, der eine wirkliche Veränderung durchmacht und an dem die tragische Komponente der Geschehnisse (auch wenn sie der Film an sich nicht richtig vermittelt), nicht spurlos vorüber geht.

Nick Chinlund (Wyvern) war ja schon oft der Bösewicht, das kann er einfach im Schlaf. Sein Kapitän ist ein eiskalter Manipulator, der seine Lust an Geld und Macht hinter seinen selbstgerechten, philosophischen Weisheiten versteckt. Er hat schon diese Aura des charismatischen Schurken, doch im Prinzip ist der Kerl einfach nur widerlich. Angela Sarafyan (Paranoia) als seine Freundin Alyssa, ist als bitter nötiger Eye-Candy mit dabei, damit das allgemein gegenwärtige pubertierende Testosteron, nicht überhand nimmt.

Insgesamt daher ein unausgegorenes Erlebnis, etwas Thriller, ein bisschen Action, ein wenig Drama. Hinzu kommt eine Prämisse, die ungläubiges Kopfschütteln erzeugt und eine viel zu ernste Umsetzung, die dem ganzen Treiben fast einen skurrilen Touch verleiht. Dazwischen herrscht dann als Ausgleich Langeweile. Schade um Eastwood und Chinlund, die nicht Schuld sind an diesem getrübten Film-Erlebnis und durchaus besseres (genau wie wir Zuseher) verdient hätten.

„Mercury Plains“ bekommt von mir 4/10 gleich auf mehreren Ebenen versagende Empfehlungspunkte.


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