In The Blood (Filmkritik)

Ava (Gina Carano) hat mit Derek (Cam Gigandet) ihre große Liebe gefunden, wobei beide das Gefühl haben, dass der jeweils andere ihr Leben gerettet hat. Nach der Hochzeit starten die frisch Vermählten ihre Reise auf eine karibische Insel, was neben viel Spass und Harmonie, auch eine Schlägerei in einer Bar mit sich bringt. Wirklich ungemütlich wird es für Ava aber erst, als ihr Mann bei einem Unfall verletzt wird und der ihn danach abholende Krankenwagen, plötzlich wie vom Erdboden verschwunden ist.

Da ihr die örtlichen Behörden nicht helfen können/wollen und auch Derek´s Vater nicht auf ihrer Seite ist da er vermutet, dass sie nur hinter seinem Geld her ist, macht sich Ava auf eigene Faust auf die Suche nach ihrem Mann. Dass ihr Vater Casey (Stephen Lang) ein zwielichtiger Verbrecher war, der sie durch ein brutales Training in ihrer Jugend zu einer ausserordentlich effizienten Überlebenskämpferin erzogen hat, erweist sich dabei natürlich als ziemlich praktische Tatsache.

In The Blood

Die Kunst des Muay Thai bzw. die Fähigkeit mit seinen Mixed Martial Arts Fähigkeiten zu überzeugen, zahlt sich manchmal nicht nur bei Turnieren aus. Nach einer Minirolle in „Blood and Bone“ folgte für Gina Carano mit der Hauptrolle in Steven Soderbergh´s „Haywire“ vielleicht nicht unbedingt der Durchbruch schlechthin, doch ihr Bekanntheitsgrad ist seither sicherlich um einiges gestiegen. Es folgte ein Part in „Fast and Furious 6“ und ein Terminator-ähnlicher Auftritt in einer Folge von „Almost Human„. Unter der Regie von John Stockwell (Dark Tide) hat sie nun erneut die Möglichkeit bekommen, als Leading Lady zu überzeugen.

Die Story hier ist natürlich klassisch und in keiner Weise kreativ. Ein fremdes Land, exotisch, spannend, doch hier herrschen auch etwas andere Regeln. Besonders Touristen, speziell amerikanische, sollten genau nach möglichen Gefahren Ausschau halten. Dann, auf einmal wird die Ehefrau verschleppt, die Polizei ist selbstverständlich entweder der englischen Sprache nicht mächtig, gänzlich unfähig oder korrupt und der Mann erledigt schließlich alle Bösen auf eigene Faust. Nur dass es hier eben die Frau ist, die ihren Ehemann finden will, was die an sich vor Klischees strotzende Geschichte, doch wieder unterhaltsam gestaltet.

Dabei kann Carano erstmals auch auf der Gefühlsebene überzeugen, denn auch wenn sie nie eine große Schauspielerin werden wird, die Liebe zu ihrem Mann und die Verzweiflung als er plötzlich weg ist, nimmt man ihr zu jeder Sekunde ab. Was mich zu einem Problem des Filmes führt, was er dank ihr eigentlich nicht haben dürfte. Carano hat sowohl die Figur als auch das Können dahinter um Schläge auszuführen, wonach keiner ihrer männlichen Gegner so schnell (oder überhaupt) wieder aufsteht. Und dann schafft es die Regie irgendwie doch, den eigentlich echt spassigen Kampf in einer Bar zu dunkel zu gestalten.

Natürlich, von der Handlung her ist sie ja hier keine Martial Arts Kämpferin, sondern eher eine möglichst schnell alle Feinde niederschlagende und tretende Kampfmaschine, der es nie um die Schönheit ihrer Bewegungen geht, nur um die Beseitigung ihrer Gegner. Passt also schon so, man sollte aber eben keine stylishen Moves wie in „Haywire“ erwarten. Ihr zur Seite steht Cam Gigandet (Trespass), der grundsympathisch wirkt und auch seine wenigen actionreichen Szenen souverän meistert.

In Nebenrollen ist Luis Guzmán (The Last Stand) als undurchschaubarer Cop mit dabei, Danny Trejo (Bad Ass) spielt zur Abwechslung mal einen sich weniger auf seinen Charme bedingten Sympathiebonus verlassenden harten Gangster und Stephen Lang (Avatar) schafft es in seinen wenigen Szenen, die noch dazu Rückblenden sind, eine eiskalte Aura zu erzeugen, die irgendwie ein etwas krankes und extrem brutales Gefühl – sozusagen als Vorbereitung auf die grausame Welt da draussen – von Liebe zu seiner Tochter ausstrahlt.

Die Kamera fängt in wunderschönen Bildern gekonnt die satten Farben der in Puerto Rico gedrehten Spielorte ein, was mit exotischer und vor allem gegen Ende pushender Musik unterlegt wird. Die Kämpfe an sich sind nicht verwackelt, man behält als Zuschauer immer genau den Überblick (bis auf die oben genannte, kleine Ausnahme). Ob die Brutalität bei der Befragung einiger Bösewichte durch die Heldin in dieser Form notwendig war, ist eine andere Frage. Dass man sich mit dieser Dame lieber nicht anlegen sollte, dass dürfte auf jeden Fall nach Sichtung des Filmes, wohl wirklich jedem klar sein.

Insgesamt also ein klassisches B-Actionmovie, dass in dieser Form, wenn auch wahrscheinlich mit männlichem Protagonisten, so ähnlich auch aus den 80er Jahren stammen könnte. Die Kulisse ist einladend, die Erzählweise dynamisch, die Darsteller in den Nebenrollen überzeugen und die Heldin ist eine echte Wucht, was ausnahmsweise mal nicht auf das Aussehen bezogen ist. Für Genrefans, denen Klischees egal sind und deren Anspruch gerade nicht sehr hoch ist, als kleiner Appetithappen zwischendurch, also durchaus zu empfehlen.

„In The Blood“ bekommt von mir 6/10 eine nach aussen friedliche Insel, auf allen Ebenen wach rüttelnde Empfehlungspunkte.


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