Haywire (Filmkritik)

Nachdem Privat-Agentin Mallory Cane (Gina Carano) einen Auftrag in Barcelona erfolgreich zu Ende gebracht hat, bittet ihr Arbeitgeber Kenneth (Ewan McGregor) sie, kurzfristig noch einen weiteren Auftrag zu erledigen, der praktisch ein Urlaub sei. Widerwillig stimmt sie zu, doch dort geht etwas schief und schon bald ist ihr die Polizei ebenso auf den Fersen, wie ihr eigener Arbeitgeber….

Haywire

Wenn Soderbergh ruft, tanzen die Stars reihenweise an, auch wenn sie hier größtenteils aber eher als Kanonenfutter zu dienen schienen. Und das aus guten Grund. Kaum ein Regisseur der heutigen Zeit kann ein dermaßen breites Spektrum an Genres vorweisen. Handlungsmäßig fühlt man sich ein wenig an die Bourne-Reihe erinnert. Spionin wird zu Gejagdten, nix neues also, wenn auch der Stoff teilweise durchaus ansehnlich verpackt war.

Man folgt Schauplätzen wie Barcelona und Dublin, bleibt als Zuseher aber ein wenig im Dunkeln gelassen, was eigentlich der Grund dafür ist, dass Carano zur Persona non grata wird und damit auf der schwarzen Liste landet. Der Film hat als Stilmittel einige Zeitsprünge, aber man weiß eigentlich immer wann und wo man gerade ist.

Gina Carano schleicht mit der Eleganz einer Katze durchs Bild. Sie wirkt auf den ersten Blick nicht so als ob sie solche Bewegungen drauf hat, dadurch ist man, wenn man sie dann das erste Mal in Action sieht, umso mehr beeindruckt. Ihre Kampfszenen wirken sehr realistisch, man verzichtet auf die geräuschvolle Unterlegung der Schläge, die solche Szenen oftmals ins lächerliche ziehen. Leider dominieren die Kampfszenen und so toll es auch ist Gina Carano dabei zuzusehen, wie sie Männer verkloppt (wobei sie auch oft genug einsteckt, also würde ich sagen, es waren in einem gewissen Maß realistische Kämpfe), wäre es meines Erachtens nicht schlecht gewesen, ein wenig mehr Handlung einzubauen.

Warum sehen die Kämpfe eigentlich so gut aus, mag man sich fragen. Das liegt wohl größtenteils an ihrer Vergangenheit als American Gladiator und durchaus erfolgreicher Mixed-Martial-Arts-Kämpferin. Leider scheint ihre Mimik ein wenig eingeschränkt, was bei mir und meinem Co-Autoren Darkagent Anlass zu Spekulationen über diverse Schönheits-Op’s gab.

Weiters mit von der Partie ist Ewan McGregor (Die Insel), der Mallorys Boss spielt und wie könnte es auch anders sein, die Gute verpfiffen hat. Ich hätte nie gedacht, dass McGregor glaubhaft einen fiesen Feigling spielen könnte, aber wenn er da so in die Kamera grinste, wurde einem ganz anders. Channing Tatum (G.I. Joe) spielt einen Einsatzpartner von Mallory und glänzt vor allem durch eine sehr ätzende Synchronstimme, die einfach nur nervtötend ist. Da sieht man wieder mal was eine schlechte Synchronstimme alles anrichten kann (ich erinnere mich noch mit Schaudern an die Synchronstimme von Sandra Bullok in „Das Netz“).

Ebenso nervtötend ist der extreme spanische Akzent, den man Antonio Banderas (Der gestiefelte Kater) mit der deutschen Tonspur aufzwingt. Ich weiß, Banderas hat auch in Echt einen Akzent, aber hier wird meines Erachtens deutlich übertrieben.

Michael Fassbender (X-Men: First Class), ist leider nur Kanonenfutter, wenn er auch eine der besten Kampfszenen im Film hat. Bill Paxton spielt Mallorys Vater, einen erfolgreichen Autor, doch ich fand diese Figur für den Film komplett überflüssig. Irgendwie passt ein Daddy nicht so wirklich in den Film. Michael Douglas (Traffic) glänzt als aalglatter Regierungsfuzzi, bei dem man anfangs nicht weiß zu welcher Seite er jetzt wirklich hilft und ist sich auch zum Schluss noch nicht sicher, ob der Gute nicht sein eigenes Ding dreht.

Der Soundtrack erinnert dann aber doch daran, dass man hier einen Film von Soderbergh vor den Augen hat, denn die beschwingte Musik, die man auch schon aus der Oceans Reihe kennt, ist beinahe unverkennbar.

Der Film Haywire bekommt 6 von 10 hart erkämpften und nur teilweise gewonnenen Punkten.


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